2?
990 Geſchwäßigkeit. =- Geſelligkeit und geſellige Tugenden.
durch das Gefühl hinreißen ließ, Ungehörige3s over Leidenſchaftliches , je-
den Falles Unüberlegtes und Nachtheiliges heraus zu j Der Lehrer wird den Schüler dann anweijen, wie er fünjtig mehr auf
ſich jelbſt A beherrſchen lernen müſſe , wenn er die Gereiztheit jeines Gemüthes wahr-
nimmt. (Beiſpiele aus der Geſchichte und vem Leben werden die Belehrung
anſchaulicher und eindringlicher machen.) 3) Nicht ſelten iſt auc< kindliche
Gutmüthigkeit , Unerfahrenheit und CEinfältigkeit von Einfluß auf den
Sqchwäßtrieb. Nicht bloß bei Kindern, auc<. bei Erwachſenen iſt dies ver
Fall, Man hält oft andere Menſchen für gut und man vertraut ihnen zu
viel. (Es iſt darum den Schülern, die doch „für das Leben“ zu er-
ziehen ſind, einzuprägen, daß man ſtet8 am ſicherſten gehe, wenn
man auc bekannten und ſelbſt vertrauten, no< mehr aber
unbekannten Perſonen gegenüber ein bej gen beobachtet. Man präge den Schülern ein, daß es nicht nöthig
jei, Alles zu ſagen, was man denkt, und daß dies auch Niemand verlange,
beziehungsweiſe verlangen kann. Ueberhaupt mödte es jehr zu empfehlen
jein, daß der Lehrer den Schülern bei jeder paſſenden Gelegenheit Anwei-
ſung über Wohlanſtand und über Klugheit im Umgange mit an-
“Deren Menj Geſelligkeit und geſellige Tugenden. „Es iſt nicht gut, daß der Menſch
allein ſei,“ gilt auch von vem Kinde. Es will nicht allein ſein und ſucht
Umgang bejonders mit Kindern. Die Geſelligkeit iſt ihm gleichjam ange-
boren, es beſit ven Trieb , in Verbindung mit ſeines Gleichen zu leben.
Dieſer Geſelligkeitstrieb muß erzieheriſch geordnet werden, damit in ihm
zugleich die geſelligen Tugenden Grund und Wurzel faſſen. Falſch geleitet
artet er zur Geſellſchaftsſucht, Vergnügensſucht, Geiſtesverflachung 2c. aus ;
richtig geleitet fürdert er die geſelligen Tugenden der Freundlichkeit, Sanſt-
muth , Verträglichkeit , Nachſicht , Mittheilſamkeit 26. Seine Pſlege gehört
ſonach unter die Pflichten des Erziehers. =- Zuerſt fragt es ſich, welchen
Umgang und welche Geſellſ Natürlich nur eine ſolche Geſelljchaft, bei welcher fie ſich im guten Sinne
des Wortes entwi>eln. Der Umgang mit gut gerathenen Kindern zählt zu
ven trefflichſten Erziehungsmitteln. Allein es iſt oft Ihwer, ſolche Kinder
zu finden. Man täuſcht ſich bi8weilen in ihrer Wahl , und indem man
glaubt, ein reht gutes Kind als Geſellſchafter ausgewählt zu haben , hat
man ein verſtelltes , tückiſches Weſen gefunden. Um dieſer Täujc willen bleibt es ſtets nothwendig , den geſelligen Umgang der Kinder jo zu
überwachen, daß keine grobe Unart oder ſittliche Gefahr ſich anjeßen kann.
Weil es aber bei aller Wachſamkeit doch nicht möglich iſt, den Umgang mit
verdorbenen Kindern ganz abzuſchneiden, fo müſſen die Zöglinge daran ge-
wöhnt werden, über den Umgang mit ihren Geſpielen Rechenſchaft zu
geben ; zudem kann man ihnen den Umgang mit guten Kindern jo reizend
machen, daß ſie mit dieſen auc< umgehen wollen und kein Verlangen
nach anderen Kindern tragen. Sind ſie an guten Umgang gewöhnt, dann
darf man nicht pedantiſch darüber wachen, daß ſie mit keinen ausgelaſenen
Kindern zuſammenkommen; ver kurze und vorübergehende Umgang mit
dieſen wird ihnen keinen Schaden bringen , er wird für ſie reizlos und
abſchre>end. Uebrigens darf man den Geſelligkeitstrieb nicht überherrſhend
werden und in Geſelligkeit8ſucht ausarten laſſen. Am beſten iſt es , den-
ſelben im Kreiſe der eigenen oder einer ſolchen fremden Familie zu nähren,
auf deren guten Sinn und Wachſamkeit zu rechnen iſt. Die Nahrung für
den Geſelligkeitstrieb ſoll feine ſolche ſein, durc< welche der Zögling über-

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.