- Geſelligkeit und geſellige Tugenden, au Geſeße für Schulkinder, 991
reizt und über ſeinen Lebenskreis hinausgeſührt wird ; ſie ſoll ſich am's Cin?
fache halten und auch darin Maß üben. Außerordentliche Aufregungen Der
Rinder durch ausſtuvirte, den Unterhaltungen der Erwachſenen nachgeahmte
Geſellſhäfteleien bringen meiſt unverbeſſerlichen Shaven. So 3. B. ahnen
die blinden Eltern und Erzieher gar nicht, wie verderblich es wirke, wenn
man die Kinder i1'8 Wirthshaus, auf die Märkte, zu Hochzeiten, auf Kin-
verbälle 2e. ſchleppt, um ſie ja gewiß in der Genußſucht, in der Zerſtreuung
und im Sinnenrauſche ſo zu üben, daß ſie an allen eruſten und würdigen
Beſchäftigungen den Geſchma> verlieren. „Man trifft Väter und Mütter
an, welche, während ſie felbſt der Macht des Vorurtheils anheimgefallen
find, es leiden, daß ihre Kinder, hingeriſſen vom ſinnlichen und berauſchen-
den Walzergewirbel , ſich körperlihen Stellungen , Lagen, Annäherungen,
Berührungen, ich möchte ſagen Umſchlingungen prei8geben, woran verdor-
hene Naturen ihre Luſt haben, die aber auch unſchuldige Seelen ver Ge-
fahr ausſeßen.“ (Dritte Faſtenconferenz des P. Felix vom Jahre 1857.)
Hier können ſich wohl gewiſſe Formen bilden, nicht aber geſellige Tugen-
den im einen hohen Werth und machen die eigentlihe Schönheit und vas Glüd
ver Geſelligkeit aus. Weil das Chriſtenthum Liebe verlangt, ſv verlangt
es auch das, was die Liebe wirkt, ein wohlwollendes, theilnehmendes, leutſeliges
und freundliches Benehmen im Umgange mit Anderen, und es ſcheidet zu-
gleich Alles aus, was aus dem Hochmuth und der Selbſtſucht ſtammt, ſolg-
lich die Kopfhängerei, die Verſchloſſenheit, Gehäſſigkeit, kaltes, bitteres und
mürriſ geſellige Tugenden pflanzen, ſo muß er die Zöglinge darüber unterrichten,
daß die Geſellſchaft, neben der Erholung, den Zwe habe, ſie in diejen TU-
genden zu fördern; ſie müßten daher auf ſich achten, daß dieſer Zwei er-
reicht werde. Sie müſſen über ihr Betragen im Umgange mit anderen
Kindern unterrichtet werden und dieſer Unterricht muß mehr oder weniger
ausführlich vor jeder geſelligen Unterhaltung ſich ausſprechen. Man lege
den Zöglingen namentlich am's Herz, wie ſchön und nothwendig es ſei, im
Umgange mit den Schwachheiten Anderer Nachſicht zu tragen. Milde und
Sanftmuth, Nachgiebigkeit und Verträglichkeit zu üben. Man präge ihnen
wiederholt ein, nicht empfindlich oder hochmüthig zu ſein, wenn man von
Anderen in Wort odex That unangenehm berührt werde. Habe ver Er-
löſer wie ein Lamm ſc fahren ſind, ſo müßten ſie in ähnlichem Falle auch ſchweigen, wenn fie
Glieder an ſeinem . Leibe ſein wollen. Gott habe jo viele Nachſicht mit
ihnen, es ſei aljo billig, daß ſie in der Geſellichaft mit ihres Gleichen nach:
ſichtlich und verſöhnlic< handeln. Man unterlaſſe aber nicht zu bemerken,
daß Nachgiebigkeit und Friedſertigkeit ihre Grenzen haben, und daß man um
ihrer willen nicht gegen Gott und Gewiſſen handeln dürfe. Cs müſſen aUs
der Geſellſchaft der Kinder alle Zänkereien fernbleiben; dies wird nur gc-
ſchehen, wenn man die Kinder vor Eigenſinn und Rechthaberei warnt; fie
ſollen, namentlih beim Spiel, einander nachgeben lernen und Anderer
Wort und Willen etwas gelten laſſen. Der Streiter und Spielverderber
werde von ver Geſellſchaft ausgeſchloſſen. Friede und Verföhnlichkeit im
geſelligen Kinderkreiſe iſt die Vorſchule für den Frieden und die Berlräg-
lichkeit in den Geſelli geſelligen Tugenden Überhaupt. “
Geſeße für Schulkinder. Die Ordnung iſt die Seele aller Thätigkeit,
vorzüglich aller gemeinſamen und mithin auch die Seele der Schule. Alles,
was geſchieht, hat nach beſtimmten Vorſhriften zu geſchehen und die Ge:

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