940 Geſinnung. -- Geſpräche voy den Kindern,
Gefinnung. Sinnen over auch nachſinnen beißt nachdenken,
Sinn wird daher oft auch gleichbedeutend genommen mit Verſtand,
Geſinnung iſt ein abſtractex Begriff und bedeutet das Ergehniß, zu welchem
der Menſj< dur das Nachdenken gelangt iſt, Dieſes Ergebniß des Nach-
denfens und ves Ueberlegens, --- die Anſchanung, die von einenr Verhält-
niß genommen wurde, -- führt dann weiter zu dem Entſchluß, ſv vder an-
ders zu handeln. -; Die wohlüberlegte Entſchließung , wornach ein Menſch
handeln will,“ (f. Demeter, Worterklärungen.) iſt demnach ver Begriff
des Wortes Geſinmmg. Die Geſimmungen ſind entweder auf das Gute
oder Böſe gerichtet, Aus den Geſinnungen entſtehet die That. Es iſt darum
Anigabo der-Erziehung , vom Früheſten au in den Gemüthern der Kinder
gute Geſinnungen zu erweden. = In dem Vegriffe der Geſiunmung, wie er
voranſteht, haben wir anch die „Denkarxrt“ eingeſchloſſen ; wenn wir aber
beide von einander ſondern, ſo muß. mau unter „Geſinnung“ die Geſammt-
beit der als Beweggründe des Handelns gedachten Gefühle, unter „Denk-
art“ aber die anf Urtheile und Grundſäße ſich ſtüßenden Geſühle verſtehen.
Mit Recht braucht man aber Geſinnung oſt für Denkart , denn dieſe iſt
meiſtens in jener inbegriffen. "Da die Geſinmmung --- nicht die Handling --
über ven ſittlichen Werth des Menſchen in leßter Inſtanz entſcheidet, ſo be-
greiſt es jich leicht, warum das Chriſtenthuni mit aller Macht darauf dringt,
ven Menſchen in ſeiner Geſinnung zu veredeln und bei der Ex-
ziehung auf wahre und gute Beſtimmungsgründe des Handelns zu ſehen.
Es ſollen nur gute Triebfedern, nur edle Beweggründe ſein , welche man
bem Thun der Zöglinge unterbreitet ; ihr Wollen und Denken ſoll ſich
nicht bloß in vorübergehenden Gedanken, fondern - wie Furtmaixr ſagt
-=- in beſtimmten, die Zwee des Handelns und den Werth unſerer Hand-
lungen in Beziehung auf unſere Beſtimmung betreffenden Ueberzeugungen
auy's innigſte durchdringen, - .
Geſpräche vor den Kindern. Wir haben ſchon unter dem Artikel : Bei -
ſpiel der Eltern und Lehrer von den Pflichten der Erwachſenen der
zugend gegenüber geſprochen. Dieſe Pflicht wird gewiß am häufigſten dure
die Gejpräche verleßt, welche die Erwachſenen vor den Kindern führen.
Es weiß aber Jeder, wie die Kinder die Ausdrücke der Erwachſenen ſich
zueignen und wie die gemeinen Ansdrücke unter dem Volke ſich forterben,
weil Kinder , die im elterlichen Haufe nichts Unanſtändiges hören, es von
der Straße vder von anderen Kindern mit heimbringen. Hören ſie dann
telbſt noch in ihrer nächſten Umgebung rohe , gottesläſterliche , ſc Worte, jo werden alle Lehren in der Schule den Einfluß dieſes verderh-
lichen Beiſpiels nicht unwirkſam machen können. Dazu kommt noch , daß
die Erwachſenen oft vor den Kindern ihrer Thorheiten ſich rühmen , ihre
Ichlechten Streiche erzählen , über die Fehler Anderer ſich verbreiten , die
Kinder vſt geradezu gegen Geiſtliche und Lehrer aufſtiften oder dieſelben
dur< Tadeln und Selten in den Augen des Kindes herabſeßen. Wer will
nun das Verderben ermeſſen, das mit ſolchen Geſprächen in die Seele des
Kindes eindringt und welc des Verderbens wird unbedacht in die Seele ves Kindes geſenkt! Das Kind
verſteht die Worte vielleicht nicht einmal, die es gehört, aber es behält die-
jelven im Gedächtniß und ſinnt darüber nach, bis es vie Bedentung er-
faßt und den Zuſammenhang gewonnen hat, und damit iſt e8 nicht uur
über die Sünde belehrt, ſonvern zugleich auch neugierig und lüſtern ge-
wordeit.
Sc Ihändlichen Reden bewahren, denn die Rede iſt ver Schatten der

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