26 Fortſchreiten, ſtufenweliſes.
Hiernach ergibt es ſich, daß außer der Form, Zahl und Sprache noch an-
dere Lehrpenſen zu behandeln find. Der Zwe& der Volksſichule iſt aber
nicht allein maßgebend für die auszumittelnden Bildungsobjecte und, wie
jo eben angedeutet wurde, für die Richtung und das Maß der intenſiven
Bildung, die aun und durch jene erzielt werden ſoll, ſondern auc< für das
ſtuſenweiſe Fortſ bei ſeiner ſtrengen, lüdenloſen und ausholenden Abſtufung zu wenig auf
die praktiſche Tendenz der Volksſ Vorwurfe gemacht worden. Jenes Princip verlangt jomit auch beim ſtuſen-
weden „Fortſchreiten der umnabläſſige Hinbli> auf die praktijche Tendenz der
DI SICHNie.
Gndlich wird kaum noc< daran zu erinnern nöthig ſein, daß bei dem
allmähligen Fortſchreiten im Unterricht auch auf das Jndividuum Rüdſicht
genommen werden muß. So verſchieden die Schüler in ihren Fähigleiten
jind, jo muß doch an jedem das Möglichſte geleijtet werden. In Erwägung
dieſer Verhältniſſe möchten ſich für das ſtufenweiſe Fortſchreiten im Unter-
richte folgende Vorſchriften ergeben : 1) Aller Unterricht muß von einem
Anfangspunkie ansgehen und von dieſem ſtufenweiſe und lückenlos nach
dem Grundſaße: vom GCinfachen zum Zujammengejeßten 20. fortſchreiten.
Wenn vas Kind zum erſten Male die Schule betritt, jo bringt es ſchon
mancherlei Begriffe in die Schule mit. Diejelben find aber oft mangel-
haft; es fehlt nicht felten an Deutlichkeit, Richtigfeit und Zujammenhang.
Der Lehrer muß daher vor Allem den von den.-Schülern mitgebrachten
Vorrath der Begriffe errorjhen und denſelben berichtigen und ordnen. Das
Berichtigen kann nicht anders geſchehen, als dur< das Zurüdführen der
Exkenntniß auf den Anfangspunkt (das Element), d, i. die eingeborene Ur-
bedingung der Erkenntniß als das wahre Fundament der allmählig zu be-
gründenden und zu erweiternden Cinſicht und Fertigkeit, 2) Jeder weitere
Unterricht, der aun die in ver Seele des Kindes j niß angeknüpſt wird, ummß mit diejer in unmittelbarer, imnierer Verbindung
ſtehen. Jeder Fortſchritt muß, = wie ſich Peſtalozzi ausdrüct, = „nur als
ein fleiner, unmittelbar verbundener Zuſaß zum Vorhergehenden erſcheinen.“
Was gelehrt w.xrd, muß daher in einer jolchen Reihenfolge behandelt wer-
den, daß jede vorausgehende Uebung, 1v viel immer nur möglich iſt, die
nächſtfolgende begründet, und dieje aus jener folgt oder ſie doch ergänzt
und erweitert. 3) Wie das Unterrichtsohject überhaupt und auf jeder
Stuſe dem Verhältniß entſprechen muß, nach welchem ji) der menſchliche
Geiſt entwiclelt, ebenſo muß der Lehrer bei jedem Schritte, den er im Un-
terrichte thut, anch erforſchen, ob ver Schüler die vorausgeſchiclten Begriffe
wirklich erfaßt und die Erkenntniß in der That erworben habe. Geſchieht
dies niht, ſo läuft man Gefahr, daß dem Unterricht die Grundlage fehle,
ohne welche nicht fortgebaut werden kann. =-- Schülern, welche im Lernen
nur ſchwer „nachfommen,“ muß daher in der Volksſ jein ſoll, beſondere Aufmerkſamkeit geſchenkt werden. 4) Da aller Unter-
richt die Bildung für das Leben zum Zwede hat, ſo muß dieſes Prinzip
nicht mtr überhaupt bei der Auswahl und Begränzung des Unterrichtsob-
jects, ſondern auch auf jever Stufe des allmähligen Fortſchrittes vor dem
Auge behalten werden. Auch aus dieſem Geſichtspunkt iſt dann weiter da-
für Sorge zu tragen, daß der Schüler eine zujammenhängende und zu-
gleich praftijche Kenntniß von allew Dem erhält, was im der Aufgabe der
Voltsſchule liegt. AnSholende und zweel- und beziehungsloje Uebungen ſind
daher zu vermeiden. 5) Alle Unterrichtsgegenſtände erfordern zwar ein ſtufen-
weiſes Fortſchreiten und beſonders iſt eine lückenloſe Führung im Anfange eines
Wiſſens - oder Kunſtgegenſtandes nöthig. Line ſtrengere Sorgfalt hierbei

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.