Fortſchreiten, ſtufenweiſes, -“=“ Fragen, 927
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iſt jedoch insbeſondere den formalen Unterrichtszweigen, -“ Form, Zahl
und Sprache, -- und wohl auch den Kunſtlehrgegenſfänden, Zeichnen und
Geſang, == zu ſchenken, weil die Schüler bei der Natur dieſer Unterrichts-
gegenſtände die entſtandenen Lücken ſc ſtufenweiſen Fortſchreiten im Unterricht darf man jedoch nicht ſo verſah-
ren, daß dabei die Selbſtthätigkeit des Schülers gehindert oder beſchränkt
wird. Sowie eine Erkenntniß von den Schülern erfaßt, eine Stufe anjc lich erſtiegen iſt , müſſen Fragen und Aufgaben in möglichjt verſchiedener
Form und freies Uebungen erfolgen. Wer 3 B. die Rechnungsauſgaben ---
mündliche oder ſchriftliche, -- andauernd nach einer Form gibt, nachdem
dem Schüler das Zahlverhäliniß ſelbſt zur Anſchauung und zum Verſtänd-
niß gekommen iſt, der langweilt die Schüler, macht fie gedankenlos und
unthätig und erzielt ſicher geringe Fortſchritte. Peſtalozzi hat den lückenlos
fortſchreitenden Unterricht nicht jelten über Bedürſniß fortgeſeßt und den
Schüler dabei an die ihm vorgeſprochenen Säße zuviel und zu lange, he-
ziehungöweiſe durchaus gebunden. Dadurch wurde der Unterricht freilich
„mechanijirt“ (ſ. „Wie Gertrud ihre Kinder lehrt“) , aber die Setbjtthätig:
feit der Schüler wurde vabei doch beſchränkt, und dadurch auh der wahre,
freie, ſelbſtſtändige und praktiſche Fortſchritt gehindert. -= Das Bor- und
Nachſprechen hat feinen Werth, aber die mannigfache Beranlaſſung zum
Selbſtnahdenken , Selbſtfinden (f. d. A. Finden laſſen), Sclbſtverarbeiten
und Erzeugen wurde entweder nicht oder doh zu wenig gegebeit. Es müſſen
die Schüler daher überall auch durch Fragen und Aufgaben (f. d. A. Lehr-
formen) zum Nachdenken und zur freien Selbſtihätigkeit gereizt und veran-
laßt werden.
Fragen. Es gibt zweierlei Lehrforuten ; die vortragende (monolo-
iſche, akroamatiſche) und die fragende (dialogiſche, erotematiſche). Die
fragende Lehrform zerfällt in die entwickelnde, welche bei dent Schüler
die Thätigkeit des Geiſtes dahin richtet, daß er au der Hand des bereits
Erkannten von ſelbſt neue, bis jekt ihm unbewußt gebliebene Erkenntmije
auſſindet, und in die prüfende (examinirende), welche ermittelt, was der
Schüler von dem gehaltenen Vorirage oder von dem geleſenen Stüe vder
von dem Aitswendiggelernten , und wie er es aufgefaßt habe, Die ent-
wilelnde Lehrart heißt bald die fatechetiſche, bald die heuriſtijche, hald die
ſokratiſche , je nachdem wir auf den Stoff des zu EntwiFelnden oder auf
die Form des Entwi>elus Rückſicht nehmen; auch iſt ſie die ſchwierigſte,
dem ſic ſeßt große Einſicht und Fertigkeit voraus, die Fragen micht nur
richtig zu bilden, ſondern fie auch in dem Zuſanmenhange zu verbinden
und an den Schüler zu ſtellen, daß er, durd) diejelbe geleitet, die Wahr-
heit ſelbſt finde und in ſeinen Antworten ausſpyreche.
Was man die Fragen betriſſt, jv ſollen ſie den Gefragten veranlaſſen,
eine Ausſage zu thun, d. h. ein Urtheil auszuſprechen, oder einen im Frage-
jaße ausgelaſſenen Saßtheil zu ergänzen, und laſſen ſie ſich ihrer ſormellen
Beſchaffenheit nach in drei Hauptklaſſen abtheilen: 1) in kategoriſ 2) in dialektiſche und 3) in diSjunktive Fragen. Alle andern
Sragen, wie ſie auch heißen mögen : JInſtanz-, Remotiv-, Objektionsſragen 2c.
aſſen ſich dieſen drei Klaſſen unterordnen, da dieſe verſchiedene Benen-
nungen ſich nur auf den Inhalt, nicht auf die Form beziehen.
- 1) Die kategoriſchen (unbedingien) Fragen verlangen von dem
Gefragten die Ausfüllung oder Beſtimmung eines Saßes und zwar aus
eigener freier Veberlegung, und werden gebildet durch Fragewörter. Dieſe
Fragewörter zeigen an, weicher Saßtheil ergänzt oder näher beſtimmt wevr-
den foll. So geben vie fragenden Fürwörter: wer, wen, was, weſen,

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