290 Gotteodienſt.
Gottesdieuſt. E38 gibt Pädagogen, welche bezweiſeln , daß es rathſay
jei, die Jugend frühzeitig , etwa ſchon vor dem neunten Lehensjahre , zum
Beſuche des bſfentlichen Gottesdienſtes anzuhalten. ' Abgeſehen von der arm.
ſeligen Auffaſſung Dieſier wegs, welcher den KindergotteSdienſt als det
Geſundheit I abgeſchafft wiſſen will, haben noch dieſes Jahr in der „Sächſijhen Sul.
zeitung“ religiöſe Männer Bedenken. gegen denjelben erhoben. Sie glauben
nämlich , die Kinder müßten, ehe ſie zum Gottesdienſte zugelajjen werden
jene geiſtige Reiſe beſißen , welche ſie fähig macht , die gottesdienſtlichey
Handlungen gründlich zu verſtehen, denn ſonſt hätten ſie keinen Nußen da:
von und würden gleichgiltig gegen den Gottesdienſt, dem ſie in gedanken:
loſer Weiſe beiwohnten. Sie meinen, das Kind ſollte vorerſt religibs aus:
gebildet ſein, um der Früchte der Kultacte gleich in vollem Maße theilhaf-
tig zu werden. Gegen dieſe Meinung kann zunächſt daſjelbe geltend ge:
macht werden, was gegen den verſpäteten Unterricht in der Religion (f. d.
A. Gott) geſagt worden iſt. Weiter iſt noch zu bemerken: daß über die:
jen Gegenſtand eine Meinungsverſchiedenheit unter den Katholiken gar nicht
entſtehen fann , nachdem das Kirhengebot Alle, welhe in die Unterſ dungsjahre getreten ſind, zum Beſuch der heiligen Mejſe verpflichtet. Dieſe
Verpflichtung beruht auf der Vorausſekung , daß die Kinder dieſes Alters
an dem Segen des Gottesdienſtes Antheil nehmen können und daß ihnen.
dieſe Theilnahme erſprießlih ſei. Daß es fich wirklich jo verhalte , ſoll
zuerſt gezeigt, und dann dargeſtellt werden, wie die Kinder in vie ver:
iZiedenen Theile des Gottesdienſtes einzuführen ſind.
Die Theilnahme am Gottes3sdienſt iſt für die Kinder,
welche zu ven Unterſ jehr großem Werthe, darum muß ſie geſorderxrt und darf nicht ver:
nachläßigt werden. Man wird von vornherein zugeben, daß eine theoretiſche
Einweiſung der Schuljugend in die gottesdienſtlihen Handlungen keinen |
Erfolg hat ohne gleichzeitige oder ſofortige praktiſche Uebung, die eben umur-
in der Betheiligung am Gottesdienſte beſtehen kann. Fällt dieſe Betheiligung
weg, ſo wird man ein Verſtändniß des Goitesdienſtes gerade jo wenig exr-
zielen , al8 man mit kalligraphiſchen Regeln ohne nebenhergehende Schreib-
übungen eine ſchöne Handſchrift erzielt. Uebrigens verhält es ſich mit der
Theilnahme am Gottesdienſte nicht wie mit andern Handlungen , welche
einen erſchöpfenden Unterricht vorausſeßen ; tenun nicht nur iſt der Gotte3-
dienſt ſelbſt unterrihtliher Natur, ſondern er wirkt zugleich als Gnadenact,
wozu die jungen Herzen theils zu Hauſe , theils in der Schule vorbereitet
werden und wozu Gott ſelbſt ſie fähig macht. Es kommt ſelten ein Kind
in die Kirche, das nicht etwas von Gott weiß, und dem man nicht vorher
geſagt hat, wie es ſic< dort. zu betragen habe. Einige Gebetlein wiſſen doch
die Kleinen alle, die man in den Gottesdienſt ſhit, und ſie kommen aljo
nicht unvorbereitet vahin. Da überdies der Gotte3dienſt ſtet3 etwas ent-
hält, was ihrem noc< ſchwachen Geiſte und Herzen hinreichende Nahrung
gibt, ſo hieße es ſie dieſer Nahrung beranben, wenn man ſie vom Gottes-
dienſte fernhalten wollte. Es liegt aber auch in den Kindern ſelbſt kein
Grund zum Ausſchluſſe von dem Gottesdienſie vor , wie eben angedeutet
wurde Und wie aus dem fernern Umſtande erhellt, daß die Kindex einen
Zug zum Gottesdienſte in ſich tragen und demſelben gerne beiwohnen , ein
Beweis, daß ſich an ihnen etwas vorfindet, was Eindruck auf ſie macht, was
ſie lieben, was ſie anzieht und geiſtig beſchäftigt. Schon die Selbſtſtändig:
feit und Freithätigkeit, der ſie ſich dabei Überlaſſen ſind, muß auf ſie, gegen-
über dem Lernzwang, wohlthunend wirken. Doch beſchränken wir uns, was
den Werth des Gottesdienſies für die Schuljugend betrifſt , nicht auf die

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