Frägen. 29
Övder: ſowohl in der Wanne, als im Fluſſe, oder: weder in der Wanne
noh im Fluſſe. Fragen richtig zu ſtelſen, iſt eine große Kunſt, die gelernt
werden mU, wd vs wird die Schwierigkeit ves Fragens Überdies 1no<
dur< die geringe Faſſungskraft und den geringen Umfang ves Gedächtniſſes
der Kinder vermehrt. Es leuchtet darum von ſelbſt ein, daß die Uebung
im Bilden der Fragen für den Lehranfänger von der größten Wichtigkeit
iſt, und daß auch der begabteſte Lehrer der Beachtung feſter Regeln ſich
nicht entziehen darf. Anch iſt felbſtverſtändlich , daß der Fragende jeweils
über den Stoff, der behandelt wird , vollkommen Meiſter ſei, damit
er ſich nicht verirre und das Kind zu falſchen Antworten verleite. Wir
jragen darum, welche Gigenſhaften eine jede Frage haben muß, wenn
ſie richtig ſein ſoll? Eine jede Frage muß ſein:
1) Denkrichtig (logiſch), d. i. die Frage foll nicht mit den Geſeßen
des Denkens im Widerſpruch ſtehen. Eine ſolche denkwidrige Frage wäre
z. B.: wie können wir uns vor unverſchuldeter Strafe bewahren? dem fo
lange wir u18 noc: bewahren können, iſt auch noc< keine Strafe,
2) Deutlich, d. h. jie muß nach Form und Inhalt von den Schü-
ſern verſtanden werden. Die Dentlichkeit hängt ab a) von den Ausdrücken,
die dem Schüler auf ſeiner Bildungsſtuſe bekannt fein müſſen. Man wird
aljo nicht jeden fragen können : worin beſteht das Originelle im Weſen Fried-
ric9's U.? Welcher König machte im achtzehnten Jahrhundert die meiſte
Epoche? b) Von der Sprachrihtigkeit. Die Sprachgeſehe dürfen
nicht verleßt werden und die Fragebildung darf gegen die Sprachregeln
keine Verſtöße machen. Hierhex würve gehören: unrichtiger Kaſus, faltche
Worthbiegung und Wortſtellung, zweideutiger Gebrauch der beziehlichen Für-
wörter 2, ; 3. B.: Wieviel koſtet das Kleid die Frau? Was beſchuldigt
der Verläumder den Rechtſchaffenen ? €) Von ver Modulation der
Stimme. Der Eindruek, den die Frage auf den Geſragien macht, hängt von
der Betonung ab. Der Lehrer foll bei jeder Frage auch immer anf das
Wort den Ton legen, auf den der Gefragte bei der Beantwortung ſein
Augenmerk richten ſoll. Dieſe Betonung hängt von dem Zuſammenhange
ab, in welchem die Frage zum Vorangegangenen und Nachfolgenden ſteht.
Diejer Zuſammenhang muß darüber entſcheiden , ob in folgender Frage:
was jollen dagegen die Menſchen ihun? der Ton auf vas Wort „was“
dpder „Menjchen“ oder „thun?“ oder „ſollen“ vder „dagegen“ zu legen iſt.
Lehrer, die dieſe Rückſichtnahme verabſäumen, haben es ſich ſelbſt zuzuſchrei-
ben , wegn ſie Antworten erhalten, die ganz richtig ſind, die aber denuoch
ihrer Forderung nnd Abſicht nicht entſprechen. Doch hüte ſich der Lehrer
vor dem Extrem; er übertreibe in dieſer Beziehung nicht, ex ſpreche nicht
gar zu deutlich dur< Wort und Miene und mache ſich nicht durch allerlei
Geberden und Grimaſſen lächerlich. Wenn ex 3, B. bei der Frage: „was
mangelt dent Schüler, der auf keine Frage eine paſſende Antwort zu geben
weiß? mit dem Zeigefinger anf die Stirn hindeutei ; wenn er hei der Frage:
was verdient der Schüler, der unfleißig in der Schule, unordentlich in ſeinen
Arbeiten und widerſpenſtig gegen ſeinen Lehrer geweſen iſt? mit ver Hand
Bewegungen macht, die auf eine körperliche Züchtigung hindeuten, oder
wenn er bei Fragen, die Unwillen und Zorn ansdrücen ſollen, die Stirn
unmäßig runzelt, die Augen ungewöhnlich aufreißt und verdreht 2e., fo ge-
hört ein jolches verdeutlichendes Benehmen zu ven kraßen Uebertreibungen.
Ferner muß die Frage ſein :
3) bejtimmt. Die Beſtünmiheit der Frage iſt durch die Deuilichfeit
mitbedingt. Beſtimmt iſt die Frage, wenn dem Zuſammenhange nach nur
eine einzige Antivort möglich iſt. Eine Frage kaun an ſich ganz beſtimmt ſein,

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