396 Herz, =- Heſſen - Darmſtadt,
als eine liebende Mutter die rechte Behandlung. Sokrates nannte ſeine
Bildungs8weiſe eine Liebeskunſt. Lehren und bilden, jagte diejer große
Mann , das könne er nicht, das verſtänden nur die Sophiſten für Geld:
er übe nur die Kunſt der Liebe. Wie die Mutter mit ihrem natürlichen
Herzen niehr inſtinktartig ihr Kind umarmt, um an ihrer größeren Liebe
jeine Liebe groß werden zu laſſen; ſo ſoll der Lehrer mit geiſtigerem Herzen
und hellerem Glauben den Keim des Göttlichen und Cwigen, den höheren
Glauben , die höheren Hoſſnungen und die große Beſtimmung des Menjchen -
im Kinde und der Jugend umarmen, um ſie zu ſtärken und zu entwickeln
an ſeiner gläubigen Lehrerbruſt. Allein : Eines fehlt noh an dieſem |
Lehrerherzen , nämlich daß es ſür das Kind und den Menſchen auch ein |
mitleid8volles jei. Ein mitleid3volles Herz iſt die Grundſtimmung aller
wahren und großen Pädagogen und Lehrer. ES iſt die einzige Quelle aller
pädagogiſchen und didaktiſchen Kraft und gibt aller Thätigkeit des Erziehers
und Bildners Richtung, Ziel, Bedeutung und Wahrheit. In vem Maße,
als in unſeren Schulen, unjeren Lehrexn und Schulbehörden ein jolches
Herz und ein ſolcher (gläubiger) Geiſt für die Kinder und die Jugend ſich
bethätigt, inſofern liegt auch in ihrer Praxis eine Wahrheit, Bedeutung
und Segen für den Menſchen und ſeine Geſchichte. Ohne diejes Herz in
den Schulen und den Lehrern ſchließen ſich auch die Kinder und die Jugend
nirgends und in keiner Beziehung wahrhaft, d. h. ihr wahres Herz und
ihren wahren Geiſt dafür auf. Ohne daſjelbe wird alle Shul- und Unter-
richtsthätigkeit nux ein Dreſſixen und Cxerziren zu dieſem oder jenem
kleinen Zeitzwece, wodurch der wahre große Leben3zwe> des Menſchen oft
wenig, oft gar nicht beſördert und oft jogar verwirrt wird. Durch daſſelbe
aber wird erſt alle Erziehung und Bildung zu einer hriſtlichen.“ Was hier
von der Bildung des Lehrerherzens geſagt iſt, das gilt jelbſtverſtändlich
auch von. der Bildung des Kinvderherzens. Ein Kind ohne Herz =
ohne die höhere vom Glauben geweihte und in Werken thätige Liebe gleicht
einer iodten Maſchine und verdient ven Namen eines Menſchen nicht.
Wenn wir aber ſchließlich wiſſen wollen, woher denn der Herzensbildung
dieſe umfaſſende und hohe Bedeutung komme, ſo erhalien wir darüber aus
dem Cvangelium den einfachſten und j vorhin genannte Liebe der Inbegriff aller göttlihen Gebote und die Quelle
alles Gehorſams genannt. „In dieſen beiden Geboten (der Liebe) iſt das
ganze Geſeß und die Propheten enthalten. Wer mich liebt, hält meine
Gebote.“ In der Bildung zu dieſer Liebe, oder was Eines iſt, in der
Herzenshildung liegt ſonac< die Wurzel der ganzen Menſc Aus der Herzensbildung zieht der Kopf -- die erworbenen Kenntniſſe --
das rechte Leben, die rechte Ordnung, eine geſegnete Fruchtbarkeit für ſein
Wiſſen. Ein Wiſſen, veſſen Wege nic iſt eben ein herzloſes, kaltes, und verirrt ſich leicht; vereinigt es ſich aber
mit der Herzensbildung, dann nimmt es einen anderen Charakter, eine
andere Richtung, ein andere8 Ziel an; e8 wird dann zu einem „lieben
Wiſſen,“ weil es das Wiſſen des Liebenden ijt.
Heſſen - Darmſtadt iſt zuſammengeſehbt aus den eigentlihen heſſiſchen
Stammlanden und den ſeit 1806 und 1816 dazugekommenen Theilen von
Kurpfalz, Kurmainz, dem Bisthum Worms, der kaiſerlich öſterreichiſchen
Grajſchaft Falkenſtein, nebſt anderen Herrſchaften , Abteien und freien
Städten und hatte 1861 eine Seelenzahl von 856,808, von denen etwas
über ein Viertheil Katholiken ſind, welche meiſtens in den neu zugekommenen
Landestheilen ſich befinden. Dex Regent der heſſiſ graf Philipp, der Großmüthige genannt, wandte ſic 1524 der Lehre dex

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