608 Kinderſeelſorge.
ypflihtung entziehen. Wie die Kinder ihrem Seelenhirtet in Gehorſam und
Chrfur ſie einen Fleiß und einen Eifer an den Tag legen, aus dem als Frucht
das Zeugniß hervorgeht, daß leines von den Kleinen, die ihm anvertraut
worden ſind, aus jeiner Schuld verloren gegangen ſei. Da man aber des
Seinigen mit großem Exrnjte wahrnimmt, jo darf es auch der Seelſorger
weder beim ReligionsSunterrichte, no< bei den religiöſen Uebungen, noh bei
dem übrigen Verhalten der Kinder am rechten Ernſte fehlen laſſen, um ]o
weniger, je preiSwürdiger das ECigenthum iſt, um das es ſich dabei handelt.
Die Seeljorge iſt jmon ihrem Zwecke nach und eben ſo in ihren Mitteln
etwas außerordentlich Ernſtes. - Das müſſen die Kinder von dem Seelſorger
lernen und an ihm jehen. Sein Ernſt muß, in Beziehung anf die Seelen-
angelegenheiten, ihr Ernſt werden. Fehlt es ihm daran , jo wird man ihn
auch bei den Kleinen vermiſſen. Wo aber Ernſt in der Kinderſeelſorge
waltet, da iſt keine Saumjeligkeit, Gleichgültigkeit, Ungenauigkeit, oder gar
Leichtſinn. Beſonders zeigt er ſeinen Hirtenernſt gegen die BoSheit oder
Roheit, Ungehorſam und beharrliche Faulheit; am allermeiſten gegen Fluch-
und Schmähreden , gegen lügenhafte oder unzüchtige Worte und gegen alle
Unehrerbietigfeit wider das Heilige. Ebenſo groß fei der Ernſt, womit er
ſie auf den Empfang der hl. Sacramente vorhereitet. Wie ex ſich bewußt
iſt, daß er die Kinder als „die Seinigen“ zu betrachten habe, ſo ſollen ſich
auch dieſe ſammt ihren Eltern bewußt ſein, daß ſie ihm geiſtigerweije ange-
hören; fie jollen zugleich fühlen, wie unausſprechlich viel Segen in dieſem
Bewußtjein der gegenſeitigen Angehörigkeit liege.
Ad 3. Daß der Hirt die Schafe und dieſe ihnkennen müſſen,
liegt in der Natur des Hirtenamtes. Zur Seeljorge der Kinder gehört es
daher gleichfalls , daß dieſe den Hirten und diejer ſeine Heerde kenne.
Dieſes Verhältniß, meint man, verſtehe ſich von ſelbſt; aber wenn dies der
Fall iſt, warum wird es dann ſo häufig vermißt? Mancher Seeljorger
mag glauben, ex kenne jeine Heerde ; do in Wahrheit kennt er ſie jo wenig,
als ſie ihn kennt. Ex kann ſie nicht kennen, weil er nach diejer Kenntniß
nicht geſtrebt habt. Daß er weiß, ob ein Kind qut oder ſchlecht auswendig
lernt, verſtändig oder unverſtändig antwortet, aufmerkjam oder zerſtreut,
artig oder Uunartig iſt, heißt zwar wohl die Kinder einigermaßen kennen,
es heißt aber nicht ſie wahrhajt und vollſtändig kennen. Wie wenig gehört
in der That zu einer auf die ebengedachte Weiſe beſchränfte Kenntniß!
Der Seeljorger joll die Kinder durch und dur und nad
ihrem Innern kennen, ſoweit eine ſolche Kenntniß für ihn möglich iſt.
Sie wird indeß weniger in der Schule und beim Unterricht, als im Privat-
verfehr gewonnen. Wir erhärten dies nur durch Eine unſerer zahlreichen
Erfahrungen. E3 traf ſich mitunter, daß wir ein Kind für faul hielten,
während ſich nachher aus der Beſprechung mit deſſen Eltern und mit ihm
ſelbſt ergab, daß der ſcheinbare Fehler in einem andern Umſtande ſeinen
Grund hatte, auf den man in der Schule nicht leiht kommen konnte. Das
Kind hatte zwar ein j -- jagte jein Vater ---, geht leicht, aber in einigen Stunden iſt das Ge-
lernte verflogen. Damit war das Urtheil über das Kind ein andsres ge-
worden. Nach diejem und andern Beiſpielen müſſen wir zur Vermittlung
der gedachten Kenntniß von dem Seelforger verlangen: a) daß er jedes
ſeiner Kinder nach Anlagen und Mängeln, nac< Kräften und Leiſtungen,
nach Neigungen, Temperament und Wünjhen, nach Bedürfniſſen, Vorſäßen 2c.
genau kennen zu lernen juche; b) daß er ſicß hiezu beſonders der Privat-
Unterredung mit ihm bediene; €) daß er ſich bei der Umgebung des Kindes
(inſoweit nicht ungünſtige Umſtände etwas Anderes rathen) über alles da3,

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.