Kinderſeelſorge, 609
was ihm für feine ſeelſorgerliche Zwede zu wiſſen nothwendig iſt, Auskunft
erbitte ; dähin gehören auh ſolche leibliche Zuſtände, welche durch äußere
Anſ | Tage8ordnung, namentlich mit vem Umgang , den jedes Kind hat, bekannt
ſein. Weil aber alle menſchliche Erkenntniß durch das Licht der Gnade
erhöht und geläutert wird, ſo bitte der Seelſorger um die Erleuchtung von
Oben , die er zur Kenntniß der Kinder bedarf; er halte dieſe an, täglich
etwas Beſtimmtes für ihn zu beten, wie auch er täglich für ſie beten
| wird, und Übe ſie endlich fleißig in der Erforſ I denn dieſe gehört nicht nur im Allgemeinen in das Gebiet der Kinderſeel-
ſorge, jondern ſie erleichtert dem Seelſorger die Kenntniß der Kinder in ſv
ferne, als der Reflex, den eine gute Selbſtfenntniß nach außen wirft, den
Seeljorger i Vortheil , den ſie für die Schärfung des geiſtigen Bli&e8, für die Selbſt-
bewachung und ſür die Verfeinerung des Gewiſſens, ja für die Hebung des
ganzen ſittlichen Menſchen hat. --
Wollte man jedoch den Geiſtlichen allein zum Seelſorger und Hirten
der Kinder machen, jo hätte man einſeitig gehandelt. Selbſt wenn man den
Lehrer hinzunimmt, bleibt noh die größte Lü>e offen, jene nämlich, welche
j die Eltern auszuſüllen haben. Sie ſind die erſten und nächſten Seelſorger
1 und Hirten ihrer Kinder, und haben den oben geſtellten evangeliſchen An-
1 forderungen gewiſſenhaft nachzukommen; insbeſondere follen ſie 1) dieKinder
ji in Wort und Werk beobachten und leiten jo zwar, daß ſie an ihnen keine
Reden und Handlungen dulden, welche das Seelenheil zefährden; 2) ſie
ſollen den Kindern den Geiſt des Gebetes einflößen und ſie anhalten , die
häuslichen Gebete ſchön, mit Andacht, Empfindung und Gefühl zu ſprechen;
3) ſie ſollen ihnen genau vorichreiben, wie ſie ſich in der Kirche zu betragen,
was und für wen ſie zu beten haben, und hierüber Rechenſchaft fordern ;
damit iſt ſhon gejagt, daß die Kinder zum fleißigen Bejuch des Gotte3-
dienſtes verpflichtet werden müſſen; iſt ein Kind in der Kirche unartig ge-
weſen, 19 ſoll es von den Eltern zur Verantwortung darüber gezogen werden ;
4) ſie haben zu allen religidten Handlungen desſelben ſchon aus dem Grunde
mitzuwirken, damit das Kind ſelhſt um jo mehr Intereſſe daran nehme; dies
gilt inSbeſondere von deſſen Beicht und Communion. Was jene betrifft,
jo liegt den Eltern ob, ſich mit der Vorbereitung darauf ernſtlich zu befaſſen,
dem Kinde bei der Gewiſſenserforſchung Hilfe zu leiſten, ſicß zu überzeugen, ob
es ſeinen Beichtunterricht gut gelernt hat, es zur Genauigkeit bei dieſem wich-
tigenGeſchäfte anz uhalten, ihm zu ſagen, daß man mit ihm und für es um den
göttlichen Beiſtand flehen wolle, ihm nach der Beicht bei Vollbringung der
Genugthuungswerke an die Hand zu gehen, Rüclfällen vorzubeugen, es nament-
lic< am Beichttage vor jeder Gelegenheit zur Sünde zu jc Zwiſchenzeit, bis es wieder beichtet, au ſeine gemachten Vorſäße öfters zu
erinnern. Hinſichtlich dex erſten Communion iſt es die heiligſte Pflicht
der Eltern, ihrem Kinde zu zeigen, wie hoch und heilig ihnen ſelbſt dieſe Gna-
denhandlung fei. Hat der Unterricht darüber begonnen, dann wollen ſie
erfahreit, was es in jeder Lektion gelernt hat. Sie erforſchen von ihm zu-
gleich, welhe Wahrheiten es gut verſteht und welche ihm noch dunkel ſind,
um darüber mit dem Katecheten ſprechen zu können. Sie legen kein unge-
bührliches Gewicht auf die Bekleidung des Kindes ; ſie iſt ihnen Nebenſache,
was ſie jcharf hervortr eten laſſen müſſen. Einige Wochen vor dem erſten
Communiontag verrichten ſie ſelbſt kurze Andachten zu dem hl. Altars8-
Sakramente mit dem Kinde, wobei ſie genau darauf achten, welc das Herz deſſelben daran nehme. Ihre Wachſamkeit und Sotge erreicht
am Beicht- und Communiontag den höchſten Grad. Jhr Haus verwandelt
Encyclopudie des Unterrihts2 und Erziehunaöweſen. IT. --

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