Kinderſpiel», 611
Hand auf Hand ſtreicht und das „Ziſch , ziſc<“ beim Hobeln nachahmt.
(Dieſe erſten Spiele mit dem Säugling jind miedergelegt in „Fröbels Muttexz
und Koſelieder.“) „Es iſt dies die erſte Poeſie ve8 Menſchen,“ ſagt Jean
Paul. Die Grundlage aller Entwickelung iſt der Thätigkeitstrieb,
der ſich ſchon früh im Kinde regt und welcher desShalb von den erziehenden
Perſonen zum Beſ wohl Kinder, die ſ befunden, 3. B. xuhig im Graſe liegen, unbeweglich aus dem Fenſtex ſchauen,
Ein Kind aber, bei dem Geiſt und Körpeyx in harmoniſchem Fortgange fi
entwickelt, zeigt vur< die Wahl und Ausführung ſeiner Syiele deutlich, daß
eine Grundrichtung des Willens ſchon vorhanden iſt. Daher iſt es auh er-
flärlich, daß Kinder zu allererſt mit ſich ſelbſt ſpielen, d. h. daß ſie ſelbſt Gegen»
ſtand des Spiel3 in aller Beziehung ſind. Die Spiele ſind Erzeugniſſe der
lebendig ſich in dem Kinde regenden Lebensfülle, Lebensluſt ; ſie jeßen inneres
Lehen und Lebendigkeit voraus ; ſie ſind entweder Nachahmungen des Lebens
und der Erſcheinungew des wirklichen Leben3, vder es ſind freithätige Anzven-
dungen des Gelernten, oder es ſind völlig freithätige Gebilde und Darſtellungen
des Geiſtes jeder Gattung und an Stoffen jeder Art, in jedem Falle aber ſind
ſie Spiele, oder ſollen es fein, ein Hervortretung der Lebenskraſt, des LebenZ3-
muthes. Man heachte nur die Kinder bei ihren ſpielenden Beſchäftigungen
und man wird es wahr finden, was Jean Paul ſagt: „Das Spiel hat für
das Kind den größten Ernſt, es treibt es wie ein Geſchäft, ja wie eine Ap-
beit, ganz nach Denken, Fühlen und Handeln, Gemüth, Geiſt und Thun
nimmt es daſjelbe in Anſpruch.“
Schon das kleine Mädchen ahmt die zärtlichen Mutterſorgen nah, be-
handelt mit liebender Hingebung und Obhut ſeine Puppe als Kind, kleidet
jie an und aus, trägt und wartet ſie, ſpielt und ſpricht mit ihr, bettet ſie
in die Wiege, wiegt ſie in Schlummer , bedauert ſie, wenn ſie gefallen iſt
u. 5. w. Schon ein Mädchen vor exfülltem zweiten Lebensjahr ſagt manch-
mal mit leiſer Stimme und ausdru>z3voller Miene :. „Puppe ſchläft,“ und
mitleid38voll: „Puppe hat Weh, Weh!“ -- Man beachte die Jugend nur
da, wo ſie es am freieſten thun kann, bei ihren Spielen und den Vor»
bvereituffgen zu denſelben. Mit welcher Sorgfalt ſchnißt ſich der Knabe
ſeinen Bogen und ſeine Pfeile, oder auch ſeine Pfeife ; wie eiſrig und ſinn:
reich conſtruirt und ſ auch mit welchem Kunſiſinn bildet er einen Schneemann, mit welcher Aus-
vauer baut er eine Schanze zum Kriegsſpiel u. |. w. Der Knabe füitert
ſein geſchnißtes Pferd , läßt e8 laufen, reitet auf ihm; er läßt feine Blei-
ſoldaten exerciren, Schlachten ausführen, lobt die braven, tadelt die trägen
u. ]. w. Der Knabe Silbermann ſuchte die tiefſten Vfüben auf, um ſie zu
dur ſeinem Vater geſehen, aus feuchtem Schlamm ſeine ſchönſten Häuſer und
Tempel; hier exercirxte er eine ihm gleihe Schaar von Buben genau nach
nilitärijcher Art und Weiſe; Reißigprügel waren ihre Flinten, ein Weiden-
ſio ihr Seitengewehr und ein alter aufgefundener Lappen an einer Bohnen
ſtange ihre Fahne. =-- Eine Leiche ſtellte ein alter Kloß naturgetreu vor
und wurde unter Vorantragung vom Chore begleitet, der weder Geſänge,
noh Notenbücher bedurfte, da die Sänger , wie der Kikerihahn, Alles aus-
wendig wußten. Er formte bei Thauwetter rieſige Schneemänner, denen ex
ſehr kunſtvoll ſchwarze Augen von Kohlen, einen koralleurothen Mund von
Ziegelſteinchen ein- und ſelr anſehnliche Ohren anſeßte. Staud es in jeinem
Bermöügen, ſo erhielt ein derartiges Kunſtgebilde auch einen Pfeifenſtummel
in ven Munv und einen tüchtigen Knotenſto> in die taßenartige Hand,
Ein alter Topf war ver Hut. Der WandsbeCer Bote redet von einem
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