(zU Freundlichkeit.
gelegt werden könnte, und wenn ſie ſich zur Freundlichkeit zwängen, jo ent-
jiehe eine Verzerrung und unnatürliche Grimaſjſe. Dieſe Thatjache wollen
wir nicht läugnen; aber dabei bleibt e8 doch wahr , daß jeder Menjc<, wie
immer auch jein Naturell beſchaffen ſein mag, davon ſubtrahiren oder Ad-
vitionen zufügen kann. Man weiß ja, wie z. B. die Werke der Andacht,
namentlich) die Verehrung Marien38 und der Empfang des hl. Altarsjacra-
mentes in einer Weiſe wirken , daß ſelbſt die Züge des menjchlichen Ange-
ſichtes, geſchweige denn das Benehmen, edler, milder, zarter und einnehmen-
der werden. Je nachdem man in einem Gedanken- und Geſühlskreije ſich
bewegt, fann man in ſeinem Ausjehen und umgänglichen Verhalten finjierer
und j züglich mitteljt der religiöſen Vebungen, die Aneignung der Freundlichkeit
wenigſtens bis auf einen gewiſſen Grad in des Menſchen eigene Gewalt ge-
geben. Uebrigens eignet ſich ein Mann, dem es an Freundlichkeit durc fehlt, nicht zum Erzieher und Lehrer, jedenfalls nicht bei Ueinexen Kindern.
Cs joll daher bei der Lehrerbildung darauf gejehen werden, 1) jolchen
Individuen , die einen incorrigibeln finjtern Charakter an jich tragen, den
Cintriit in den Lehrerſtand nicht anzurathen; 2) daß die Aſpiranten deſjel-
ben Standes in der Freundlichkeit durch eine freundliche Be-
handlung geübt und ins8beſondere darauf aufmerkjam gemacht werden,
vaß die Kinder , als heitere, offene Weſen, vas Recht auf eine freundliche
Behandlung haben, und es jonach für den Lehrer Pflicht jei, ſie freundlich
zu behandeln. Eine ſolche Behandlung unterdrückt beim Gehorjam das in-
nere Widerſtreben , beiti Lexnen die Unluſt, und ſo werden durch ſie zwei
bedeutende Hinderniſſe der Erziehung und des Unterrichts weggeräumt.
Allerdings wird vor der Sonne der Freundlichkeit. biSweilen eine trübe
Wolke vorüberziehen ; allein dieſe dient nur dazu, ven Reiz und Werth der
Freundlichkeit zu erhöhen. Dieſer Fall tritt ein, wenn der Lehrer ſtrajen
und tadeln muß, Övder wenn Ereigniſſe aus feinem Privatleben mißjtimmend
auf ihn eingewirtt hab en. Doch dieſe trübe Wolke wirkt auf die Kinder
raſcher und nachhaltiger, als harte Zuchtmittel. Man muß nämlich nicht
wähnen, daß unter Freundlichkeit jene energielofe Gutherzigkeit verſtanden
werde, die es ſchlechterdings nicht über ſich bringen kann, zu tadeln und zu
ſtrafen, ſondern jene Freude an den Kindern, welche da auf kurze Zeit von
dem Ernſte in den Hintergrund geſ geboien erſcheint. Endlich iſt ſehr zu wünſchen, daß die Eltern und jon-
ſtigen Angehörigen der Kinder ven Miterzieher und Lehrer in jeiner Freund-
lim Zweitens: auch die Kinver ſollen freundlich werden, Die Er-
ziehung hat dies zu bewirken. Bei einem großen Theile der Kleinen be-
darf es zwar nicht viel ; denn ſie ſind, wie ſchon geſagt, von Natur aus
zur Freundlichfeit geneigt, haben Vergnügen am Umgange mit andern Kin-
dern und befinden ſich faſt immer in einem heitern Zuſtande; allein den-
noch muß ihre natürliche Freundlichkeit gleichſam zu einer übernatürlichen,
oder eben zu einer jolchen werden , die über die natürliche ſich erhebt und
die natürliche als veredelt darſtellt. Das Beiſpiel des Erziehers ſelbſt dient
hiefür ſchon als Erziehungsmittel, wie Sailer in den Worten andeutet :
„Zum fröhlichen Gedeihen des Kindes gehört auch die Entwicdelung des
ſrenndlichen VWBejens dur vem Kinde , das die Freude in dem Auge lieſt, eine ähnliche Stimmung
im Herzen.“ Doch noch wirkſamer iſt das Beiſpiel des kinderfreundlichen
Jejus und die fleißige Uebung ſolcher Werke des Glaubens und der An-
dacht, welche eigens diejem Zwecle dienen, und welche oben ſchon genannt worden
ſind. Wie ſic aber an alles Gute gerne der Roſt der Sünde anſebt, ſo

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.