62 Friedfertigkeit,
Acht gejeßt wird, wanken die Säulen der Achtung. Darum muß jede Un-
[reundlichleit, welche zur Kenntniß des Erziehers kommt, von diejem gerügt
verden. | :
Friedfertigkeit. Dieſe Tugend iſt dem Lehrer ſehr nothwendig jowohl
für jein Verhältniß zum Ortsgeiſtlichen und zur Gemeinde, als um die
Schüler dafür zu erziehen. Sie iſt aber (na< Meineke) die herrſchende
Neigung, Frieden mit Anderen zu erhalten und zu ſtiſten, oder die Neigung,
zur Crhaltung und Beſörderung eines freundſchaftlichen Verhältniſſes unter den
Menſchen nach Kräſten mitzuwirken und die eigenen Zwiſtigkeiten ſobald als
möglich, ja ſelbſt oft mit eigenen Nachtheil beizulegen. Die Friedfertigkeit
gehört nicht bloß zu den jocialen , ſondern in eminentem Sinne zu den
(1 Cor. 14, 33.) und jeine Rathſchlüſſe ſind Rathſhlüſſe des Friedens.
Sein eingeborener Sohn wird als Friedensfürſt bezeichnet (Zſ. 9, 6.) und
vas Wert deſſelben als ein Werk der Verſöhnung und des Friedens, (Luk.
2, 14.) Der Gruß und die Gabe, womit ex in die Welt eintrat und von
ihr jchied, war der Gruß und die Gabe des Friedens. Wer ein Kind Got-
tes und folglich auch ein Miterbe Jeſu Chriſti ſei will, muß als friedfertig
jich erweiſen, wie denn auch die Friedfertigkeit eine Frucht des heiligen Geiſtes
genannt wird und kein Unfriedlicher oder Streitſüchtiger vor Gott beſtehen
kann. (Gal. 5, 19. 20.) Lieber Schaden leiden als den Frieden ſidren
oder jiören lajſen, iſt der Grundſaß des Chriſtenthums gemäß den Worten
des hl. Panlus: „Schon das iſt ein Fehler bei euch, daß ihr Streitigkeiten
unter einander habet. Was leidet ihr nicht lieber Unrecht ? Warum laſſet
ihr euc< nicht lieber übervortheilen?“ (I Cor. 6, 7.) Darum wird auch
ernſtlich zur Friedfertigfeit ermahnt, wie etwa in vieſem Zuſpruch: „Er-
traget einander in Liebe, befliſſen, Einigkeit des Geiſtes zu erhalten durch
das Band des Friedens.“ (Epheſ. 4, 3.) Und darum wird der Friedſer-
tigkeit die Verheißung gegeben, „daß ſie gute Tage ſehen werde.“ (1 Peir.
3, 19. 11.) Man kann daher dem hl. Franz von Sales nicht widerſpre-
Frieden zu ſtören? Wenn die ganze Welt aus den Fugen wiche, ich würde
mich hierüber nicht ängſtigen. Es gibt. nicht8 in der Welt, was mit dem
Frieden des Herzens in Vergleich gebracht werden kann.“ Um ſo mehr
wird man von dem Lehrer verlangen können, daß er dem Frieden nach-
jtrebe. =- a) Zuerſt halte ex Frieden mit ſich ſelbſt; denn Thomas
von Kempen ſagt: „Halte zuerſt dich im Frieden, dann wirſt du auch An-
vere ſriedlich machen können.“ Auch merke er ſich wohl, was derſeibe Shrift-
ſjieller jagt: „Ein ſriedſertiger Menſch nüßt mehr als ein hoc leidenſ leiht das Böſe. Ein ſriedſamer Menſ< aber wendet Alles zum Guten.
Mex den Frieden rec Wer dagegen unzufrieden und unruhig iſt, in dem treiben ſich verſchiedene
Berdächtigungen herum; weder er ſelbſt ruht, noch läßt ex Andere ruhen,
Mit guten und ſanflmüthigen Menſchen friedfertig leben, iſt nichts Großes,
denn das iſt Allen von Natur aus angenehm ; auch hat Jeder gerne Frieden
und eine größere Liebe zu Jenen, die mit ihm Eine Geſinnung haben. Aber
mit harten und verkehrten, vder ungezogenen und uns widerwärtigen Men-
j nännliches Werk.“ (B. UU. K. 3.) Wer alſv mit ſich ſelbſt Frieden hält,
inden! er das Widrige demüthig ertragt, die Sünde meidet und ſeine Vflich-
ten mit Eifer und Treue erfüllt, deſto mehr wird es ihm gelingen , auch
Andere im Frieden zu erhalten, -- b) Unter Denen, mit welchen der Lehrer

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