Kixchenlieb, “ 639
Auch die Minneſänger gaben nicht bloß den Geſühlen irdiſcher
Liehe Ausdrud, ſondern preiſen auch die überirdiſche Minne und Vil max
geſteht jelbſt: „ES jehlie nicht an ſchönen begeiſterten Liedern der himmliſchen
Minne, au Lobliedern auf die heilige Jungfrau, an Liedern, welche in
begeiſterten Tönen die Kreuzfahrer preiſen und an eigentlichen geiſtlichen
Riedern, die der ſrxommen Betrachtung der göttlichen Weisheit und Werke
überhaupt gewidmet ſind.“ Hierher gehören ins8beſondere die Kreuze
lieder von Walther von der Vogelweide. Das Lob der heiligen Jung-
frau verkünden außer ihm vorzüglich: Meiſter Gottfried von Straßburg,
Cberhard von Sax, Rudolph von Rotenburg, Meiſter Sigeher, Meiſter
Konrad von Würzburg, Heinrich von Meißen, genannt Frauenlob 2c,
Eigentliche geiſtliche Lieder haben wir von Meiſter Rüdiger, Spervogel,
Meiſter Kelin , Meiſter Stolle und Andern. Aus dem 13.--15. Jahrhun-
dert haben wir Lieder, von denen wir gewiß wiſſen, daß ſie beim üffent-
lihen GottesSdienſt gebraucht wurden, nämlich das Oſierlied: „christ ist
erstanden „“ das VNfingſilied: „nu bitt wir den heilgen geist „.“ das
Weihnachtslied: „ein Kindelein 80 1o0ebelich,“ das Himmelfahrislied : „cehrist
ſuor gen himele,“ das Heiliggeiſtlied: „komm heilger geist hierre got.“
Um dieje Zeit legte man auch in die geiſtlihen Schauſpiele Kir ein , und zwar legte man den Apoſteln lateiniſche und ven getauften Heiden
deutſche in ven Mund. Am Ende des dreizehnten und Anfange des vier-
zehnten Jahrhunderts ſind zu erwähnen: Johaun Tauler, Heinrich Suſo,
Konrad von Queinfurt, Johann von Salzburg; im fünfzehnten: Heinrich
von Laufenberg, Martin von Reutlingen, Martin Weiß, Muscatblüt,
Sixtus Butch5baum , Sebaſtian Brant 2c.; im ſec Johann Böſchenſtein , Hieronymus Schenk von Sumerawe, Johann von
Fulda 26. Das ſfünfzehnte Jahrhundert war ſchon reich an deutſchen Ex-
bauungsbüchern, im ſechszehnten erſchienen viele katholiſ und viele of ſene oder fliegende Blätter mit einzelnen Liedern. Von
da an wird dem katholiſchen Kir emacht.
? Allein wir haben auc< hinreichend?“ “ibalt8punkte dafür, daß die
obengenannten Lieder nicht nur bei relig1u--;e4 Feierlichkeiten außerhalb
der Kirche, ſondern auc< innerhalb derſelbe geſungen wurden. Schon in
der Cvangelienharmonie eines Otfried's von Weißenburg heißt es:
„ich will thaz wir Christus Sungun, in ungara zungun.“ Im Oſierlied
von Konrad von Queinſurth kommt in der fünften Strophe der
Aufruf vor:
zu fröeden groz lat ir euch hiute hören
lat klingen hellen ſuezen klanc
ix lein in kirchen, ix pſaſſen in den kören
zem widergelt ſie jur geſank
un ſinget: Chriſtus iſt erſtanden
wol hiute von des todes banden,
u einer jeiner Predigten ſagt Berthold von Regensburg:
Wanet ir herj da jpriht: nu bit wir den heilgen geiſt. Ez iſt gar ein nüz ſanc, ir ſult
ez imer deſier gerner ſingen nude ſult ez alle mit gahzer Andacht und mit
innigem herzen hin ze gote ſingen und ruefen.“ Luther ſelbſt geſteht: im
Pabſtum hat man feine Lieder geſungen , 3. B. „der die Hölle zerbrach
und den leidigen Teufel überwand 2x.“ Jtem: „ein Kindelein ſo löbelich.“
„Ru bitten wir den heilgen Geiſt 26.“ Ebenſo rechtfertigt: Melan den deutichen Kir burger Conſeiſion mit den Worten : „Dieſer Gebrauch (deutſcher Lieder) iſt
allzeit für löblic< gehalten worden in der Kirche, deun wiewohl an etlichen-

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