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64 Fröbel, Friedr. Wilh,
don überſiedelte und dort eine Anſtalt leitete, welc ſtalt in Verbindung ſtand. Aber an Peſtalozzi ſelbſt ſah er , wie noth-
wendig zur Praxis die Theorie gehöre und wie unerläßlich eine pädagogiſche
Durchbildung ſei und dieſes Mangels auch an ſich bewußt, bezog er noch
einmal die Univerſität Göttingen und wirkte dann zwei Jahre in der be-
rühmten Erziehungsanſtalt von Plamann in Berlin. 1813 und 1814 machte
er als Lüßow'jcher Jäger die Freiheitskriege mit und wurde nach Beendi-
gung derjelben Inſpector des königlihen Muſeums für Mineralogie „m
erlin. Aber ihn zog es mächtig wieder zum Erziehungsfach und ſo grün-
dete er 1816 eine Erziehungsanſtalt in Grie8heim bei Stadtulm und
1817 in Keilhau bei Rudolſtadt. Mit ihm hatten ſich zwei Freunde,
ebenfalls ehemalige Kriegskameraden, Langenthal und Middendorff
vereimgt, wozu ſpäter Barop hinzukam. Dieſe Anſtalt, welche ſowohl für
das prattiſche Leben als die gelehrte Bildung vorbereitete, blühte raſch em-
por und begründete Fröbel's Ruf, ſo daß er in die Schweiz berufen wurde,
um dort Schulen nach ſeinem Syſtem zu gründen. Doch nicht nur Freunde,
auc< Gegner fand die Anſtalt. Fröbel hatte ſich ſeit 1820 auch bemüht,
jeinen Jdeen durc< Schriften Eingang zu verſchaffen. Aber es war ihm
nicht gegeben, ſich klar auszudrücen und viele ſeiner Grundſäße waren nichts
weniger als neu, jo wenn er z, B. den Saß aufſtellte: jede Seite ver menſch-
lichen Thätigkeit ſoll im Individunm ausgebildet , aber keine vereinzelt,
jondern alle in ein harmoniſches Verhältniß geſeht werden. Die Schule
joll nicht vom Leben getrennt werden , ſondern beide ſollen als Einheit er-
Iheinen. Andere Säße ſind, wie Dr. Gräfe ſie richtig beurtheilt, offenbar
einſeitig, 3. B. wenn er den Schüler den Weg der Entwielung führen will,
ven die Menſc möge jein eigenes Weſen nur dann zu erfaſſen, wenn er die Natur im
Ganzen und Großen erfaßt habe. „Die Natur thut es nicht allein ,“ ſagt
Gräfe, dem wir beipflichten, „vielmehr iſt, ſelbſt wenn man jenen Saß in
ieiner Allgemeinheit zugeben wollte, Kenntniß der moraliſchen Welt und des
in ihr waltenden Gejeßes für den Erzieher von ebenſo großer , ja noch
größerer Wichtigkeit. Ueberdies machte man der Anſtalt zu Keilhau den
Vorwurf der damals eben wieder auftauchenden Deutſchthümelei. Hätte
man nun Fröbel auch die Ehre eines tüchtigen Inſtitutsdireciors nie ſtreitig
machen können, ſo wäre doch fein Verdienſt nicht allſeitig ſo freigebig aner-
tannt worden, wie von Böſche, der Rouſſeau den Literator, Reſtalozzi
den Experimentator und Fröbel den Organiſator der Erziehung
nennt. Allein was Fröbel's unbeſtrittene8 Verdienſt bleiben wird , das iſt
die Aufmerkſamkeit, welche er auf die Behandlung der noch nicht ſc gen Zugend lenkte und die Anleitung , die er gab, vieſe Kinder jo zu ve-
Ichäftigen und zu unterhalten, daß ihre Spiele gewiſſermaßen die Vorſchule
- der eigentlichen Schule wurden. Ihm verdanken die Kindergärten, denen
wir einen eigenen Artikel widmen werden, ihre Entſtehung. (Vergleiche übri-
gens Über die Stellung der Kindergärten zur Gejammterzichung noch den
Artikel: Gartenarbeiten und Formarbeiten.) Den erſten Kindex-
garten richtete er in dem Städt ein, eine Stunde von Keilhau. Als dieſer gedieh und er wieder nah Keilhau
zurü&gekehrt war, ſchloſſen ſich ihm eine Anzahl Frauen und Jungfrauen
an, die ſic) dem Erziehungsfac Das waren die erſten Kindergärtnerinnen. Fröbel machte viele Reijen in
die größeren Städte Deutſchland8 und hielt Vorträge, und er fand mannig-
ſaltigen Beifall , beſonders in Hamburg, wo Dr. Wichard Lange, Midden-
dorſſ's Schwiegerſohn, vafür thätig war. Es entſtanden da und dort Kinder-
gärten. ECine eigene „Zeitſchrift für Fr. Fröbel's Beſtrebungen zur Durc<-

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