102 Lehrev-Kindex unv veren Erziehung, --- Lehrform,
ner fich oft ſragen , ob er gegen die Unarten ſeiner Kinder nicht geſchloſ-
jene Angen habe , und wird ganz beſonder3 nach ihrem Betragen forſchen,
das ſie in jeinex Abweſenheit an den Tag legen. Ex überlaſſe ſich doch
nicht der Schwäche, Einbildungen von ihren Talenten und Kenntniſſen ſich
zu Machen , denen der reelle Grund ſchlt, und beobachte bei feinen Kin-
dern jene Regeln der Erziehung, welche im erſten Bande dieſe8 Werkes
aufgeſtellt worden ſind,
Lehrerwohnuug , |. Geſundheits8polizei , Schulhaus.
Lehrform, Es darf die Lehrform nicht mit ver Lehrmethode
verwechſelt werden; denn jene verhält ſich zu dieſer wie ver Theil zum
Ganzen und wie das Aeußere zum Junern. Die Lehrform begreiſt in ſich
nicht den Gang und Plan, welchen der ganze Unterricht befolgt, mm das
ihm vorgeſtedie Ziel zu erreichen, wohl aber die Scale deſſelben , die ver-
jchieden jein kann, nach der Art nämlich, wie Anderen überhaupt Kennt-
niſje beizubringen ſind. Verſteht man aber unter Lehrform jene Art
des Unterrichtens, welche es bloß mit der Form der Mittheilung
zu thun hat, jo darf ihr Begriff auch nicht mit dem des Lehrganges,
oder mit dem des Lehrweges verwechſelt werden. Da es aber der
Arten, deren ſich der Lehrer bedienen kann, um den Kindern Kenntniſſe
und Fertigkeiten beizubringen, verſchiedene gibt, ſo wird es ſich zuerſt
darum handeln, ſie nach dieſer ihrer Verſchiedenheit kennen zu lexnen, und
dann wird man darüber ſich ausſprechen ſollen, wie die verſchiedenen
Lehrformen zu behandeln oder anzuwenden ſeien.
1. Die verſchiedenen Arten der Lehrformen. Daß man un-
ier den Pädagogen über die Zahl und Eintheilung der Lehrformen nicht
einig iſt, rührt von dem verſchiedenen Grunde her, ven man für deren
Gintheilung auſſtellt, oder von der Verſchiedenheit der Anſchauung, die man
ji< von der Lehrform gebildet hat, oder von der Weiſe, wie ver Unterricht
auf das UnterrichtsSſubjekt wirk. Niemeyer hat hierüber folgende An-
ſicht : „Die Form (ſagt er), in welcher ſich der Lehrer vem Lernenden mit-
theilt, gleicht entweder einem Geſpräch (Dialog) und wird dann gewöhnlich
die katechetij ling gerichtete längere oder kürzere Rede, ein zuſfammenhängender Vo x-
trag (Akroäma, vom Griechiſchen E&xpozoua,u ih höre zu), welcher ſich
von dem eigentlichen Unterrichte dadur< unterſcheidet, daß ihm eben ſein
wejentlichſtes Merkmal, das gegenſeitige Mittheilen, oder die Geſpräc jehlt. =- Die katechetiſche Lehrſorm umiuterſcheidet ſich von ver akroamati-
Imen durc< die ſtete Wechſelwirkung des Lehrer38 auf den Schüler, des
Schülers auf den Lehrer. Sie beſteht aus Reden, Fragen und Antworten.
Die Lehrart iſt heuriſtiſch (vom Griechiſhen evp10zw, ich finde), wenn
ſie geſpräc auſſinden lehrt, oder zum deutlichen Bewußtſein bringt, was ſchon in ver
Seele des Hörenden lag ; ſie iſt dokimaſtiſch (vom Griechiſchen doxzu>20,
ic) prüfe), wenn ſie prüft, auf welcher Stufe der Schüler überhaupt oder
in einer bejonderen Art von Kenntniſſen ſteht; ſie iſt repetitoriſch, wenn
jie nux das Aufgegebene oder Vorgetragene abfragt.“ An dieſe Niemeyer'ſche
Eintheilung der Lehrarten ſchließen ſich Nebe, Schulze , Denzel u. A. an.
Zerxrenner vagegen belämpft ſie als eine unlogiſche, indem er geltend
macht, daß die Frage kein haraklteriſtiſc form jei, und daß man die katechetiſche Lehrform füglicher exotematiſche
(vom Griechiſchen e&opor7ua, das Geſragte; die vorgelegte Frage), vie Fra-
gende nenne, weil man auch fragen und durch Fragen belehren könne, ohne

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