138 Lehrplan und Lehrziel. = Leichtſinn.
alles Unterrichtes iſt, jo iſt in materieller ſicheres Verſtändmſß und Könneit
des Unterricht3)tofjes Aufgabe; beides aber exfüllt ſeine Beſtimmung nur
durch die dadurc< zu vermittelnde Erziebung des Kindes. Daher ſoll der
welifundliche und Sprachunterricht vom Geiſte des Cvangeliums durch-
haucht jein, mit dem Religion3unterrichte in freiex Wechſelwirkung ſtehen,
und mit ihm eine Methodiſche Anleitung zur Ertheilung und Einrichtung des Volksſchul-
Unterricht8. 1862. Breslau, bei Hirt. |
Lehrweg , |. Methode.
Lehrwiſſenſchaft , ſ. Didaktik.
Lehrziel, 1. Lehrplan.
Lehrzimmer , |. Geſundheitspolizei.
Leibesübungen , f. Gymnaſtik, Turnen.
Leichiſinn, Mit dieſem Begriſſe iſt mehr gemeint als ein leichter,
flüchtiger und unüberlegter Sinn. Zwar iſt auch dieſer Sinn an Lehreru
und Schülern ein Fehler und bildet vie Grundlage für den Leichtſinn ;
bein Leichtſinne aber handelt man mit weit mehr Unüberlegtheit und Sorg-
lojigteit. Der Leichtſinnige läßt die Eindrüce ver Dinge an ſich vorüber-
geben, ohne im Gemüthe davon berührt zu werden. Er hat für nichts
Crnjt und Aufmerkſamkeit. Die heiligſie Handlung nimmt er ſo leicht vor
wie eine ganz unbedeutende ; er ſchlägt jich den größten Verluſt, die höchſte
(Sefahr augenblicklich aus dem Sinne, und ſieht das Wichtigſte wie das
Unbedeutendſte mit gleicher Intereſſeloſigkeit an. Nur für Genüſſe, welche
vie Sinne reizen, zeigt ex oſt eine ſehr große Empfänglichkeit. = Dieſer
Fehler, der meiſt die traurigſten Folgen nach ſich zieht, verbindet ſich mit
einer GemüthsSart leichter als mit einer andern, aber angeboren iſt ex nicht,
jondern anerzogen. Das Beiſpiel leichtſinniger Eltern wirkt auf die
Kinder in anſte>kender Art. Sorgloſigkeit oder Vernachläßigung in der Er-
ziehung haben die gleihe Wirkung. Doch iſt nicht alles Leichtfun, was
im erjten Momente als ſolcher in die Augen fällt. Unvollſtändige Arveit,
mangelhaftes Memoriren, Unterlaſſung eines Auftrages 2x. rühren bis-
weilen von ſchwächlichen Kräften, vder auch andern Zwiſchenurjachen, und
weniger von Leichtſinn her. Che man alfo die Beſchuldigung des Leicht-
ſinns ausſpricht, muß ſie als gegründet feſtſtehen. Ebenjo vorſichtig wie
mit der Beſchuldigung nuß man mit der Charakteriſirung des Leichtſinus jein;
man darf ihn nicht auf dieſelbe Linie mit der BoS8heit ſtellen, weil dieſe mit
Veberlegung verfährt, während jener ohne ſolche handelt, weßhalb der
Leichtſinnige auch anders zu beſtrafen iſt als der BoSshafte, Da jedoch,
wie jhon gejagt, die Folgen des Leichiſuinns nichtsdeſtoweniger mit jenen
der BosSheit gleich verderblich ſind, ſo gehört es zur Aufgabe der Er-
ziehung a) den Leichtſinn nicht aufkommen zu lajjen, db) den
bereits aunfgefommenen zu heilen. Um ven Leichtſinn zu verhindern, darf
man es nicht machen wie manche Gltern, die Alles, auch das für die
Kinder thun, was die)e wohl jelbſt thun könnien. Dadurch gewöhnt man
gleichſam das Kind an Unthätigkeit, Sorgloſigkeit und Flatterhaſtigkeit.
Solche Erziehungsfehler kommen bejonders in den höheren Ständen und
im Bettelſtande vor, weniger in den mittleren Ständen. Beormeidet man
Ihn, und werden die Kinder an Aufmerkijamkeit und Strebſamkeit, an Vor:
ſicht und Ueberlegung gewöhnt, damn 1iſt dem Leichtſinn vorgebeugi. Man
Halte das Kind nur an, jich das, was man ihm ſagt und befiehlt, zu

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