Klaſſeneintheilung, i9
unterrichten können , ſo ſind in jeder Klaſſe Unterabtheilungen der Geüdicren
und Anfänger zu machen.“ In 8. 49. heißt es weiter: „Bei der Ver-
ſeßzung dev Schüler und Schülerinnen in die yöheren Klaſſen muß auf die
Fähigkeitenund Kenntniſſe beſtändig Rü>ſicht genommen werden.“
Vebrigens verſteht es ſich von ſelbſt, daß in der Regel heide Cintheilungs-
gründe , dex des Alter3 und der der Kenntniſſe zuſammenfallen. =-- Wir halten
uns bei dieſer Principienfrage, die in unſeren Tagen als ausgemacht zu
betrachten iſt, nicht länger auf, und heantworten mur noch einige mit
vem vorliegenden Gegenſtande untrennbar verbundene Fragen: 1) Iſt
eine ſog. Simpelklaſſe ſtatthaft? 2) In wie vielc Klaſſen
jollen die ſchulpflichtigen Kinder getheilt werden ? 3) Wie ſtark dar] jede
Klaſſe jein ? 4) Wie iſt die Klaſſiſication ohne gegenſeitige Differven-
zen ver Lehrer zu bewerkſtelligen ?
| Ad 1) Dieſe Frage iſt durch den Einwurf hervorgerufen worden, daß
die Klaſſification nach den Kenntniſſen und nicht nach ven AltersSſiufen zur
leßt die Folgen haben werde, daß ſich eine Simyelklaſſe daraus hervorge-
jtalte. Wäre dies aber wirklich zu hefürchten , ſo müßte die Gefahr icchon
längſt eingetreten ſein, was aber nicht nachgewieſen werden kamt. Es
werden in einent ganzen Schulcomplex nie fo viele ſchwache Schüler ſich
finden , daß ſich daraus eine ganze Klaſſe bilden könnte. Diejenigen Schüler,
welche in einer Klaſſe länger als die übrigen ihres Alters zurücbleiben
müjſen, werden ſteis nur als Ansnahmen erſcheinen. Eine auch noch ſo
jixeng durchgeführte Klaſſeneiniheilung kann vie Wiß- und Lernbegierde nur
jpornen, wird aber nicht die Zahl der unfähigen Kinder in einer und der-
jelben Klaſſe ſv afthäufen, daß man ſie eine Simpelklaſſe nennen könnte. =--
Ad 2) Ueber dieje Frage hat ſich feiner Zeit eine große Berſchiedenheit dex
Anſichten geltend gemacht, bis zuleßt --- der Natur der Sache gemäß ---
die Dreitheilung der Klaſſen al8 Regel den Sieg davontrug. Hergen-
vöther (Erziehmgslehre 8. 119.) ſagt hierüber: „Wix halten die in un-
jerem Bayeriſchen Schulplane beſtimmte Abtheilung einer jeden Schule in
drei Klaſſen Überall für die beſte, theils weil ſie ver Behandlung der Un-
vicht8gegenſtände ſelbſt am beſten zuſagt, indem dieſe anf eine qanz natir-
liche Art in drei Unterrichts8furſe zerfallen ; theils weil der natürliche Ab-
theilungsgqrund , nämlich das Alter der Schüler mit BerüsFſichtigung ihrer
Fähigkeiten gerade dieſe Abtheilung rüſichtlic ver täglichen Schulzeit zu
jordern ſeheint.“ Denzel urtheilt nicht ander8, wenn er ſagt, daß ſich
überhaupt bei den Schülern drei Gmwiclungsſiuſen unterſcheiven laſſen,
die Unterſte (v. 6. 1. 7. Lehensjahre) mit vorherrſchender Thätigkeit der
niederen Seelenkräſte (Aufmerkſamkeit, Gedächmäß und Einbildungskraft);
die zweite 9der mittlere Sinfe mit erwachender, der Uebung ſähigen Denk-
fraft (8.--11. Lebensjahr), und die dritte vder obere Stufe, wo das Exr-
lernte mit mehr Selbſtſtänvigkeit verarbeitet und angewendet wird. Er
nennt dieje drei Stufen die der Anſchauung, Uebung und Anwendung.
An diejen inneren Grund der beſagten Dreitheilung ſchließt ſich der
äußere, welcher in dem Umfange ver Schulzeit liegt, enge au. Dieſe
Zeit, wir mögen ſie zu 8, 7 oder mr zu 6 Jahren in Rechmma nehmen,
wird ſich am zwecmäßigſten unter drei Lehrfurſe rvepartiren laſſen, wie
man es in der That meiſtens trifft, und ſv entſprechen ſich die geiſtigen
Entwielungsſtufen , die Alier8- und die Lehrſtufen. Nimmt man weniger
Klaſſen an, ſo wird man genbdthigt ſein, in jeder einzelnen Klaſſe vie Zahl
der Abtheilungen zu vermehren und ven Lehrſtoff zufammenzuſchmelzen,
nimmt man mehrere an (was Übrigens nur bei einer arößeren Zahl von
Lehrern ausführbar iſt), jvy wird in ven Gang der geiſtigen Entwieklung
zu viel Wechſel gebracht und die Lehrfurſe mit Beeinträchtigung ver Ueber-
ſichtlichfeit zerbrödelt. Allerding8 wird e8 in volkreihen Schulen zwec-

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