Leſemethoden. = Leſeunterricht in dex Volksſchule. 171
Buchſtaben an die Reihe. Später werden die lateiniſchen Buchſtaben mit
den deutichen verglichen. Der Leſeunterricht ſoll mit ven zwei erſten Schul-
flatſen als eigener Unterrichisgegenſtand abgeſchloſſen ſein. Graſer ſand
viele Anhänger , ebenjo aber auch viele Gegner. Zum Glü> ſah man ein,
“paß nicht alles Beiwerk nothwendig ſei; hatte do< Graſer zuleßt ſelbſt
- ſeine Mundſtellungen für Spielerei erklärt, Chr. G. Scholz in Breslau
machte vorzüglich Graſers8 „VPultarbeit,“ wie ſie Luz nennt, für die Schule
pyraktijch. (Leſebü Sammlung von Lejeſtüden zu Denk-, Sprach-, Schreib- und Gedächtniß-
übungen. Breslau. Selbſtverlag. 3*/, Sar. Sechs Tabellen zum Leſen lernen.
71/, Sgr.) Die neueſten Fibeln ſind meiſtens ſür den Schreibleſeunter-
„richt gefertigt, wie die von Bumüller , Häſter8 , Knorr, Stage, Hauimer,
Brumann. Auch Dieſterweg hat in ſeiner Methodik in feinem neunten
Band „der rheinijchen Blätter (neue Folge) wie in ſeinem Wegweiſer
für dveutſ kann. Streng an Grajer halten ſic< die Elementarbücher von Wurst;
ferner: Sto>, die Buchſtaben in Bilvern mit gleichzeitiger Andeutung
der durch die Natur bezeichneten Laute oder: Anleitung, die Kinder auf
eine ebenjo naturgemäße als ſchnell fördernde Weiſe zur Kenntniß ver
Sprachlaute zu führen. Solingen. Pfeifer. gar. 4. 40 lith. Blätter, wovon
33 illuminirt und zwei Bl. Text. Preis 1 Thlr. Dagegen verbindet
Kühn und Andere in ihren Fibeln auf ſynthetiſ mit dem Drucſchriſtleſen. Ueber den Werth und die Grundzüge der ver-
ſchiedenen Methoven verbreiten ſich außer den bereits angeführten Schriften
folgenve ältere: Gut3muths, Bibliothek für die Pädagogik, Schulweſen
und die gejammte Literatur Deutſchlands. Gotha. Verthes. 1800---1 820.
(in den einzelnen Jahrgängen find ſehr ausführliche Beſprechungen).
Karſtenſjen, Zeitſchrift für das Volksſchulweſen. Kiel 1825, Ueberſicht-
lich gibt die einzelnen Methoden wohl am ausführlichſten die pädagogiſche
Real-Encyclopädie von Hergaug. Die Fortſchritte, welche der Leſamiter-
richt jeit 1846 gemacht hat, werden in den einzelnen Jahrgängen des pä-
dagogijhen Jahre8berichts von Nac>>ke und Lüben mitgetheilt, woſelbſt
auch auf die neueſten Aufſäße in den verſchiedenen Schulblättern verwieſen
wird und die Literctur mitgetheilt iſt. Auch Heppe, Geſchichte ves dout-
ſchen Volksſchulweſens, hat in Band 1, 188 ff. über vie Entwieklung ver
ew
Lehrmethoden im Einzelnen ſich verbreitet.
Lefeunterricht in der Volksſchule. „Jeder ſieht und begreiſt unmittelbar
den Nußen , welchen die Leſefertigkeit fowohl für das bürgerliche als kirh-
liche Leben der Gegenwart gewährt. Schon mit der mechaniſchen Leſeſertig-
keit iſt eine Möglichkeit von unberechenbarem Umfange gegeben ! Je mehr
der Menjc< mit dem Leben und durch das Leben leiblich und geiſtig wächtt,
deſto mehr wird er auch dieſe Fertigkeit benußen und zur eigenen Fort:
bildung anwenden können. Weil aber das Leben dem Einzelnen nicht
immer vder doch böſters erſt jpät die nüöthige Anregung und Gelegenheit
gibt , weil ferner die Bücherſprache das eigentliche Gefäß und Medium für
die wichtigſten und tieſgreiſendſten Wahrheiten iſt, ſich aber zugleich von der
Volksſprache und Mundart durch ausgebildeie Form, durch Begriffsreich-
thum und edle Wendungen unterſcheidet; jo darf ſich die Bolksſchule keines-
jvegs damit begnügen , dem Schüler bloß die mechaniſche Leſefertigkeit mit:
zugeben, und es dem Zufalle zu überlaſſen, ob, wann und wie er ſie
ſpäter zum zeitlihen Nußen oder zur Auferbauung des imiern Menſchen
gebrauche. Je mehr in der Gegenwart die Preſſe unleugbar eine Gewalt
iſt, je mehr überhaupt die Zeit herannaht, wo es Jedermanns VBedürfniß

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