Leſeunterricht in der Volksſchule, == Lied. 177
Schriftſtüs gewähren will, genoſſen, alle Lehre, die es zu geben beab-
ſichtigt, in ſich auſgenommen, alle ſittliche Kraft, die es erregen will, in
ſih erkeimen fühlen : ſo haben ſie diejes Stü> wohl verſtanden, und Alles,
was ihr zu einem noch beſſern Verſtändniß hinzufüget, iſt vom Uebel.“
Nun |jpricht ſich Schwerdfeger darüber aus, wie es heut zu Tage eine ge-
wöhnliche Erſcheinung ſei, daß die Lehrer oft die Schriftſteller zu über-
ſhriftſtellern ſuchen, und im Irrthume ſeien, wenn ſie oft in einer mehr-
ſtündigen Unterredung das Verſtändniß eines Stüdes zu ermitteln und
dabei ihre eigene Weisheit auszukramen ſuchen. „Laſſen wir ſie „“ fährt
er fort. „Unjere Wege gehen auseinander. Wir wollen der Intention
des Verfaſſers mit ruhigem, hingegebenem Sinne nachſpüren, von
ihr lernen, von ihr uns erfüllen laſſen, um ſie unſern Kindern als die
rechte geiſtige und ſprachliche Erwerbung zu überliefern.“ Ex zeigt auch an
der bekannten Fabel vom durſtigen Staar, wie er ſeine Kinder in das
Verſtändniß derſelben einführen würde, Das Beiſpiel verdient hier ange-
führt zu werden. „IJ fange an vorzuleſen: Ein durſtiger St. wollte --- ---
trinken , konnte =- -- nicht erreihen. Sein Verſuch iſt ihm alſo fehlge-
ſchlagen. Was wird er thun? Wird er davon fliegen, um vielleicht an
einem andern Orte zu verjüchen, ob er ſeinen Durſt löſchen könne? Es iſt
möglich. Aber iſt es recht, fich bei dem, was man einmal will, durch
das erſte Fehlichlagen eines Verjuches zum Fortlaufen bewegen zu laſſen?
Nein! Nun , was haltet ihr für rühmlicher? -- Vielleicht nachzudenken, wie
man beſjer zum Ziele kommt? Einen neuen, Üügern Verſuch machen? --
So dachte auch der St. Aber welchen Verſuch wird er machen? -- Der
Cehrer hört die Vorſchläge der Kinder an, beurtheilt ſie oder läßt ſie durch
andere beurtheilen --- und fährt dann im Leſen weiter fort: Er hate 2c.
Alfo wiederum fehlgeſchlagen. Das iſt verdrießlich. -- Aber muß es der
St. nicht auf eine dritte Weiſe verſuchen =- und wie ? -- Er ſtemmte ſich 2.
Zum drüten Male mißlungen. Laſſen wir ihn nun nicht forifliegen? Es
bleibt ihm ja nun kaum eine Hoffnung de8 Gelingen8, Oder ſoll er be-
harren in jeinem Vorſaße, all jein Nachdenken noch einmal anſtrengen ?
Wohlan! Aber rathet ihm. -- Jeßt kam er durch ſein Nachdenken 2c. --
Bravo! Bravo! Er hat es erreicht. Seine Beharrlichkeit, ſein
Nachdenken haben ihn zum Ziele geführt.“
Veber die ihm fo wichtig ſcheinende Intention ſagt er unter Anderm:
„Die Erregung beſtimmter Gefühle und Gedanken durc< eine ſprachliche
Darſtellung nenne ich die Intention des Stückes. --- „Die Intention eines
Stüd>es den Kindern zum Gefühle oder zum Bewußtſein zu bringen, iſt
unſäglich beſſer, al8 mit ihnen über dieſelbe räſonniren.“ ---- „Gleichwohl
iſt Eines zu bedenken: Es gibt Sophiſten und Heuchler, welche den Ver-
ſtand zu Überlijten und zu hintergehen, es gibt leideni Menjc verſtehen. Und aus dieſem Grunde iſt den fortgeſchrittenern Kindern auch
Etwas Über die Intention ihrer Lectüre zu ſagen.“
Lied , althochd. 1iot, mittelhoc beſtimmte Strophe, weßhalb das, was wir Lied nennen, in der alten
Sprache durd) den Plural ausgedrüt wird. Das Lied iſt eigentlich ſo
viel als Singgedicht, auch wenn es nur ehedem geſungen zu werden pflegte,
wie die alten Heldengedichte, 3. B. das Nibelungenlied. Der Grundcharakter
des Liedes im engern Sinne (eines lyriſchen , zum Geſang beſtimmten,
aus Strophen oder Geſehen beſtehenden Gedichtes) beſteht in einer ge-
wiſſen Einfachheit und Leichtigkeit in dem Junhalt (in den Gefühlen und
Empfindungen) und in der ſprachlichen Darſtellung, Nach der Verſchieden-
Encyclopädie des Unterrichte- und Erziehungöweſen, TIT, 12

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