Liebe, heilige, =- Liebe , wechſelſeitige. 181
Grundton deines ganzen Weſen38; dein Eifer, dein Ernſt gehe mix aus
Liebe hervor ; deine Liebe ſei der Synnenſtrablt , in welchem das Gemüth
des Kindes aufthaut.“ 5) Was weiterhin die Pflege der heiligen
Nächſtenliebe betrifft, muß ven Kindern deutlich gezeigt werden, daß
man ſich die Gottesliebe ohne Nächſtenliebe nach denken könne; beide ſtehen zuſammen in innigſtev Verbindung, was die
heilige Schrift mit den Worten ausdrüdt: „Von Gott haben wir diejes
Gebot, daß, wer Gott liebe, auch ſeinen Bruder liebe.“ 1 Joh. 4, 21.
Pnd wie Jejus alle Werke der Liebe, die man dem Nächſten erweiſt, als
ihm gethan betrachtet, ſo ſieht er auch alle Werke der Liebloſigleit gegen
ven Nächſten als gegen ihn ſelbſt verübte Werke an. Haben die Kinder
dieſe verſtanden , dann wird man ſie -- vorkommenden Falls --- nur daran
erinnern dürfen, um jede Liebloſigkeit gegen einander zu verhindern und
die Werke der heiligen Liebe unter ihnen zu befördern. Sagt man dem
Kinde, das ein anderes Kind beſchimpft hat: „Siehe, du haſt in dieſem Kinde
ſeinen Schöpfer , Erlöfer und Heiligniacher beſchimpft,“ jo wirkt das tieſer,
als andere bittere Vorwürfe. Daß die heilige Nächſtenliebe eine jolche
bleibe und nicht unheilig , ſinnlich und ſündhaft werde, wird vorzüglich von
der öftern lebendigen Vergegenwärtigung jenes Nexus abhängen. Nur
wenn man die Nächſtenliebe auf dem religiöſen Grund und Boden zu exr-
halten ſucht, wird man ſie vor Abwegen ſicherſtellen. Es müſſen daher die
Kinder unausgeſeßt daran gewöhnt werden, ſtet8 nur aus tiven wohlwollend, freundlich, mildthätig, gefällig 2c. gegen Ändere zu jein.
--- Wa3 hier von den Lehrern verlangt wurde, gilt natürlich, wohl in noch
höherem Maße, von den Eltern und allen Erziehern.
Liebe , wechſelſeitige. Darunter verſtehen wir hier a) die Liebe des
Lehrer8 zu den Kindern; bv) die Liebe der Kinder zum Lehrer. Ad a) Die
Liebe, nah Band der Vollkommenheit , iſt in vem Werke der Erziehung und des Unter-
richtes von hoher Bedeutung und als das Band zwiſchen dem Erzieher
(Lehrer) und ſeinen Zöglingen anzuſehen. Manche Pädagogen haben ſie
als das Princip aller Erziehung aufgeſtellt und ſind dann mitunter in
Einſeitigkeiten verfallen. Wenn nun wir uns in dieſer Ansdehnung an
den Philanthropinismus nicht anſchließen können, ſo bleibt es uns doch eine
heilige Forderung , die wir an den Lehrer und Erzieher ſtellen müßen, daß
er ſeine Schüler liebe. Abgeſehen von den religidjen Motiven, die es ihm
auflegen, ſteht zugleich feſt , daß die Liebe der Magnet iſt, durc< welchen
er die Herzen der Kinder an ſich zieht; feſt ſteht außerdem , daß die Liebe
manche ſeiner Mängel bede>t und ergänzt; nicht minder ſeſt ſteht, vaß die
Qiebe das Unterricht8- und Erziehung8geſ leichtert ; endlich ſteht feſt, daß die Liebe (nicht die natürliche Guimüthigkeit,
ſondern die Liebe, die aus Gott iſt) jeden Zug auf dem Gebiete des Un-
terrichtes und der Erziehung zu einem vor Gott angenehmen, verdienſt-
lihen, und ſomit wohl auch zu einem geſegneten macht. Wollte der Lehrer
auch nur dieſe Rüſichten im Auge behalten, ſo müßte ex ſeinen eigenen
größten Vortheil darin erkennen, wenn er ſich bemüht, mit Liebe den
Kindern gegenüber zu ſtehen. S. auch den Art. Ernſt und Liebe. So
wenig jedoch über dieſe Forderung Zweifel beſtehen, jo gewiß läßt fich
andererſeits nicht verbergen , daß die Liebe des Lehrer3 zu den Kindern
viel zu viel Menſchlihes und viel zu wenig Chriſtlihes an ſich trägt.
Würde ſie ſich in letzterer Beziehung vervollkommenen, dann ließe ſich ein raſcher
Fortſchritt zum Beſſern hoffen. Liebt der Lehrer ſeine Schüler um Gottes

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