Lippe-Detmold, 183
Lipye-Detmold oder eigentlich Fürſtenthum Lippe, ein einer, nur
91 []Meilen umfaſſender Staat mit ungefähr 107,006 Cinwohner, grenzt
an die preußiſche Provinz Weſtphaken, Hannover, die kurheſſiſ ſhaft Schaumburg und die walve>'ſjc befennen ſich, mit Ausnahme einiger katholiſchen, lutheriſchen und jüdiſchen
Gemeinden, zur reformirten Kirche. Die Haupiſtadt iſt Detmold. Die
Reformation fand unter Simon V. (4 1536) Eingang. Die erſten Volks-
ſchulen entſtanden im 17. Jahrhundert und Graf Hermann Adolph
erließ unterm 4. September 1665 auf den Antrag ves Generalconſiſtoriums
die erſte Schulordnung. Dieſelbe faßt die Volksſchule als einen Theil der lihen Erziehung auf und ſetzt das Alter der Schulpflicht auf das ſiebente Jahr
feſt. Die Schulen waren deßhalb nur Pfarr) die Errichtung von Filialſhulen geſtattet. Die eigenthümlichen Verhältniſſe des
Landes nöthigten jedoch, 1783 den Eltern zu erlauben, daß ſie ihre Kinder,
in welche Schule ſie immer wollten, ſchiäen vürſten, gleichviel ob ſie im
Kirchſpiele liege oder nicht, ohne doppeltes Schulgeld zahlen zu müjſen, da
viele Familien in die Schule einer benachbarten Pfarrei viel näher hatten,
als in die Schule der eigenen Pfarrei. Eine ganz eigenthümliche Beſtim-
mung enthielt die Schulordnung von 1783 darin, daß ſie dem Lehrer das
Schulgeld nur für 60 Kinder zu bezahlen geſtattete, damit derſelbe nicht
verleitet würde, viele Kinder anzunehmen. 1781 wurde mit dem Waiten-
hauf e zu Detmold ein Schullehrerfeminar verbunden, an dem zwei Lehrer
Unterricht ertheilten. Vier Zöglinge erhielten Wohnung und Berpflegung,
einige weitere durften in der Anſtalt wohnen, hatten ſich jedoch ſelbſt zu
verpflegen, andere hatten nur ſreien Unterricht und verdienten ihre Koſt,
indem ſie in beſſern Häuſern ſich zugleich als Bedienten verwenden ließen.
1801 wurde ein neues Gebäude dazu beſtimmt, nebſt der Waiſenanjtalt
auc< noc< 12 Seminariſten vnd eine von 120 Kindern beſuchte Erwerb S-
ſhule aufzunehmen. Die Fürſtin PBauline verſuchte unter ihrer vor-
mundſchaftlichen Regierung Induſtrieſ ließ ſich überhaupt vie Förderung des Schulweſens jehr angelegen jein;
ſie wohnte den Prüfungen der Schullehrerſeminariſten ſelbſt bei, jette
Preistragen feſt, ließ die Schullehrer einzeln über ihre Schulen berichten,
bewilligte den Lehrern Zuſchüſſe zu den urſprünglichen Competenzen und
ſhärfte den Beamten und Pfarrern ein, genaue Auſſicht auf die Schulen
zu haben, Cs wurden neue Schulhäuſer gebaut. Dieſe und ähnliche Be-
mühungen hatten auf die Entwiklung ves Schulweſens in Lippe einen
günſtigen Einfluß, obwohl die eigenthümlihen Verhältniſſe des Landes
jrüher große Schwierigkeiten bereiteten. Dadurc) bildete ſich die Meinung
aus, das Schulweſen in Lippe ſei eines der weiter vorangeſhrittenen, und
die Lippe'ſ gierung der Fürſtin Pauline iſt ein höchſt bezeichnender Stillſtand einge-
treten. Im Jahre 1849 erſchien zwar eine Schulordnung , allein ſie trat
theilweiſe nicht in das Leben, theilweiſe wurde ſie auch wieder aufgehoven.
Die Grundzüge der Schulordnung ſind: Die Kinder ſind mit dem ſiebenten
Jahre 1hulpflihtig. Jede Gemeinde hat für ihre Schulbedürfniſje jelbſt zu
ſorgen. Schulgemeinden, welche weniger als 30 Schüler haben, haben
keinen Anſpruch auf eine eigene Schule. In Schulen, welche 120 Kinder
oder mehr zählen, foll ein Nebenlehrer angeſtellt werden. Allein es gibt
noc< Schulen, welche über 120 Kinder zählen. Der Sculvorſtald beſteht
aus gehbornen und gewählten Mitgliedern. Die gebornen ſind der
Pfarrer, der Verwaltungsbeamte und der Haupilehrer. Der gewählten
ſind es 6--8, von denen alle drei Jahre die Hälfte austreten. Nach
8, 22, des Sc

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