K
Firhenfiaat. Man kann wohl ſagen, daß der Kirchenſtaat zu den beſt
verleimmndeten Staaten gehört, und daß es nicht ſowohl einzelne Mißſtände
ſind , welche den Feiitdet der Kir Haſſe geben, als daß vielmehr das katholiſche Princip es iſt, welches in
dieſem Lande den Todesſtoß erleiden ſoll, um, wenn die Quelle einmal
verſtopft iſt , daſſelbe mit leichter Mühe in allen andern Ländern verſiegen
zu machen. Die Angriſſe auf die inneren Verhältniſſe des Kirchenſtaates
jind um ſo betrübender, weil hier die Lüge, die Argliſt und die Bosheit
offenkundig auftritt und unter dem heuchleriſchen Schleier von Humanität,
Menſchenrec Ländern, aus denen dieje Klagen ertönen, in weit gräulicherex Weiſe zu
finden ſind. Der TespotiSmus im Rußland, in Frankreich, in den eng-
liſchen Colonien, ſogar in der Türkei hat nicht die Ehre, fo viele Federn
und Zungen in Bewegung zu ſeßen, als die inneren Verhältniſſe des
Kirchenſtaate 8. Wohl haben katholiſche Zeitſchriften, wie 3. VB. die Civiltä
Catiolica in Neapel, die Armonia in Turin, Univers und Ami de la
Religion in Frankreich , Dublin-Review in Jrland , die hiſtoriſch-politiſchen
Blätter in Deutſchland und angeſehene Männer , die mit der Sachlage
genau befannt ſind, wie 3. B. Montalembert, Corcelle, Margotti, Dandolo,
ver franzöſiſche Botſchafter Graf Rayneval und in neueſter Zeit der Eng-
länder Sir Francis Maguire, fich bemüht, dieſe Verläumdungen zu wider-
legen; aber nur mit einigem Erfolg bei den Katholiken. Es iſt deßhalb
nicht nur nothwendig, daß, wenn wir das Unterrichts8weſen des Kir-
henſtaates behandeln, wir ſtatiſtiſche Notizen mittheilen, ſondern es iſt
auch gerechtfertigt, wenn wir einige VBergleichungen mit andern Ländern
anſtellen, um eine beſſere Einſicht zu gewähren.
Der Kirchenſtaat in der Ausdehnung, wie er dem päpſtlichen Stuhle
vor den räuberiſchen Annexionen des Königs-Chrenmamt angehörte, um-
faßte 4,129,476 Dutadratkilometer Flächeninhalt mit einer Bevölkerung von
ungefähr 3,017,000' Einwohner. Es kamen ſomit auf den Quadratkilometer
75 Einwohner, ein jehrx günſtiges Verhältniß, da der Kirchenſtaat bekannt-
lich jehr viele bergige, waldige und ſumpfige Gegenden hat, welche nicht
bewohnt werden füönnen. Franireich zählt nur 65 Einwohner auf den
Quadraikilometer. (Es gäbe dies eine Anzahl von 4118 Einwohner auf
die Lutadratmeile, freilich) nicht jo viel als in dem geſequeten Baden, vo
4804 Cinwohner anf die Quadratmeile kommen. Allein in ganz Deutſch-
land hat nur die Provinz Cleve-Berg in Preußen, Sachſen , Sachſen-
Coburg, Reuß, Hechingen, Heſſen, Luxemburg, Naſſau, Schwarzburg,
Schammnburg und Württemberg eine dichtere Bevölkerung und nur Baden
kann jich deſjen ſreuen, während alle anderen genannten Länder in dieſer
Dichte ver Bevölferung einen Uebelſtand erblicken müſſen, da dieſelben an
Majſſenarmuth leiden, wie dies beſonders in Thüringen und in Sachſen
Encyclopädie des Unterrichts- und Erziehungsweſen. II1, 1

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.