5998 Mangelhaftigkeit des xeligibſen Unterrichts,
En 4
ſie eine zuſammenhängende Kenntniß des Erlernten beſihen, worauf jo viel
ankommt, Hievon verſichert man ſich dadurc<, daß man a) die Wort- und
Sacherllärungen ſchriftlich wiedergeben läßt ; b) daß man den gej lLihen Stoff hingibt zur Zerlegung in Fragen, den lehrhaſten des
KatechiSmus aber zur Zuſammenjajjung in eine zuſammenhängende Rede:
€) daß man beim Unterricht möglichſt contentrirend verfährt. Um practiſch
zu Werke zu gehen, muß man den ertheilten Unterricht in entſprechende |!
Uebungen umſeßen. Meiſtens geſchieht dies nicht , und das halten
wir für einen großen Mangel. Man kann 3. B. einen GlaubenZartikel
nach dem andern abhandeln, ohne auch nur einmal eine Glaubens8erwedung
vorzunehmen ; dies hetrachten wir um jo mehr als einen Fehler, weil ge-
rade jolche Uebungen geeignet wären, das Herz zu ergreifen. Ballien!
(ein Proteſtant) hat es rec Sowohl den geſchichtlichen als ven didactiſchen Stoff des Religionsunterrich-
tes weiß er trefflich in Fleijc< und Blut überzutragen theils vurc< Gebets- |
übungen, theils durch gute Sprüche, theils durch ſchöne Lieder. Um wie
viel leichter hätte der katholiſche Katechet mit ſolchen Pebungen zu thun, da
ihm dajür jo mannigfaliige Mittel zu Gebote ſtehen! Hat man 3. B,., die
Lehre von den heil. Engeln abgehandelt und man faßt ſie nun in dem
Rahmen eine3 kirchlichen Liedes oder einer edlen volksthümlichen Poeſie zu-
jammen, jv hat man das abgehandelte Penſum nicht nur befeſtiget, wieder: |

holi und erläutert , jondern ihm Schönheit , Leben und Kraft eingehaucht,
Endlich liegt ein unerſchöpflicher Reichthum von Berſinnlichungsmitteln und
zu practijchen Uebungen in der kir ausSreichend ausgebeitet , um die Religionslehren verſtändlicher und dem
Gemüthe anjprechender zu machen, ſo leidet der ReligionsSunterricht an einem
bedeutenden Mangel. -- 4) JIrren wir uns vielleicht, wenn wir es als
einen ziemlich verbreiteten Fehler anſehen , daß die Neligionslehrer beim
katechetij werden diejes Fehler3 geſtändig ſein, und doch müſſen die meiſten derſelben
im Berlaufe der Zeit geſtehen , daß ſie ſich in ihren Borausfeßzungen bei
den Katechumenen getäuſcht hätten. Bei der gegenwärtigen ſchlechten Be-
Ichaſſenheit der hänuslichen Erzichung iſt es zweimal geſehlt, auf grundloſe
Borausfeßungen zu bauen. Der Religionslehrer hat in der Regel keine :
jür den Jieligionsunterricht vorbereiteten Kinver vor ſich; dieſe Vorberei-
jung iſt jeine eigene Sache und er muß feine religidjen Pfleglinge behandeln,
als wüßten ſie ledialich nichts von der NReliqion ; mur vann wird er Mändel |
quam ) ; q
-.. -
(Lüden) im Religionöunterrichte zu vermeiden wiſſen. =- 5) Mehrfache Beobach:
tungen und Selbſtgeſtändniſſe von Katecheten beſtätigen es, daß man beim Reli-
gion3unterriciegewühnlich zu raſch vorſ dung jehr nahe liegt, wo es an einem Plan ſür ven beſagten Unierricht fehli.
Diejer Mangel macht ſich im Lehrgange jowie in der LekiionSordnung fühlbar.
Tritt damn der weitere Fehler hinzu , daß man die Wiederholung -
(mater Studiorum) vernadclätjigt, dann wird man von katechetiſchen
Früchten nicht viel verſpüren. -- Dies find die Hauptmängel, welche dem -
ReligionSunterrichte unſerer Tage anhaften. Der Katehet mag, was ſeine -
Perjon und ſeinen Fleiß betrifft, noc< jo vortrefflich ſein, hilſt ex -- ſy
viel an ihm ſteht ---, den genannten Mängeln nicht ab , ſo wird er vas -
Ziel nicht erreichen , das erreicht werden ſoll. Venüße er den trefflichſten
KatechiSmus, er wird nur Unbeſriedigendes zu Stande bringen, wenn er
den auſgeführten Mängeln nicht entgegentritt. Thut ex aber dies, ſo leben
wir der feſten Ueberzeugung, daß ihm ſein Werk gelingen wird, d. i. vaß
jein Unterricht -- wie Hirſcher verlangt -- fruchtbar und erziehend wirkt,
in Herz und Willen übergeht.


en m ed eim uin EISES 25 By

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.