280 Menſchenliebe, =- Menſchenſcheu.
empfindliche Kälte, ermüdende Arbeit 2c., um in ihnen eine deſto innige
Theilnahme hinſichtlich derjenigen zu erwecken, welche vermöge ihres Stande
und Beruyſes oder wegen ſonſtiger unglüälichen Ereigniſſe derlei Ungemac
zu erdulden haben; denn es. iſt häufig der Fal, daß Gefühlloſigkeit un
Härte dex Neichen und Vornehmen bloß aus Unerfahrenheit herrührer
Man ſoll ferner darauf ſehen, daß die Kinder einander geiſtliche Wohltha
tien erweijen, was das Band der Liebe außerordentlich befeſtiget, Die älte
ren jolen mit den jüngeren beiten lernen, ſie ankleiden, ſie vor Schade!
warnen, vor Unarten behüten. Man ſoll ihnen zeigen, wie ſie die brüder
lime Zurechtweiſung (correctio „raleIna), welche die Nächſtenliebe i1
ſich begreift, zu üben haben. Der Geiſt der Liebe ſoll, wo er werkthäti
hervortritt, Anerkennung finden. Endlich müſſen die der Nächſtenliebe ent.
gegengejeßten Sünden verhütet werden, insbeſondere Haß , Neid, Streit
Schimpfen, Vebelnachreden und Aergerniß. Dieſe Sünden gehen häufic
von den Eltern auf die Kinder über, und wenn zwei Nachbarsleute mi;
einander zerfallen ſind, jo verbieten ſie oft ihren Kindern die gegenſeitige
Gemeinſchaft, oder heßen ſie gar zu liebloſen Nedereien auf. Hier muß
dann der Seelſorger einſchreiten. Auch ſolche Fälle ſind nicht ſelten, wo
die Eltern mit ven Pfründleuten im Hauſe verſeindet ſind, und es ihren
Kindern unterſagen, zu denſelben zu gehen oder mit ihnen zu reden. Hier
„kann wieder nur die kirhlihe Erziehung helfen. Die Hauptfeinde der Näch-
ftenliebe ſind aber die Hoffart und Habſucht. Wie ihnen entgegenzuwirken
j ei, iſt in den betreſfenden Artikeln gezeigt worden.
Menſchenſechen. Von dieſer Schwäche iſt in unſeren Tagen nicht ſo viel Vor-
rath unter den Kindern zu treffen, daß es ſich ver Mühe lohnte, einen Artikel da-
rüber in dieje Encyclopädie zu jeßen ; und wenn dies doh geſchieht, ſo iſt der
Grund in der Hoffnung zu ſuchen, daß das Rad der Erziehung bald jein gegen:
wärtiges Geleije verlaſſen und in ein anderes einlenken werde, wie ſich fol:
heit und Rüdfſichtsloſigkeit , womit die Kinder unferer Zeit Jedermann ent:
gegentreten, kaun es zu einem andern Aeußerſten kommen; denn die Geſchichte
der Pädagogik zeigt uns ſolche Extreme in naher Berührung. Man geht
von einer eingeriſjenen Unordnung nicht in der Stufentolge zurück, wie ſie
ſich ausgebildet hat, was auch nicht thunlich iſt, ſondern man will ihr Da-
jein mit einem Schlage auſheben. Jett ſchon graut es vielen Erziehern
vor der alle Autorität verachtenden Jugend, und ſie ſpannen die Zügel der
Erziehung um ſo ſtraffer an. Hiebei müſſen ſie cben vor jenem Aeußerſten
gewarnt werden, daß die Zöglinge nicht menſchenſ dann gejhehen, wenn man die Kinder zu ſehr von ihren Alter8genyſſen ab-
iperrt, ihnen keinen Spaß, kein heiteres Spiel, kein Vergnügen geſtattet, ſie
in den unſchuldigſten Dingen zu ſehr einſchränkt, ihnen jede freie Aeußerung
verbietet, und wenn man das Werk der Erziehung nur durch Ernſt und
Strenge vollbringen will. Die daraus hervorgehende Frucht wird krank
jein wie jene, welche aus einer leichtſinnigen und forglojen Erziehung ent-
ſteht ; die Kinder hekommen einen freudeloſen ſhüchternen Bliä, ihr Handeln
wird zaghaft und unſicher, ihr Wort zurüFhaltend und arm , ihr Auftreten
linkiſ<. Sie ſind wahrhaft unglü&lich zu nennen und die Erziehung hat
diejes Unglüd zu verantworten. Damit ſie dieſe Verantwortung nicht auf
ſich lade, möge ſie ſich an folgende Grundſäße halten: 1) Menſchenſchen
und Menſchengeringſ unangenehm ; beive führen zu ſittlichen und geſellſ beiden muß daher mit den geeigneten Mitteln eutgegengewirkt werden.
2) Was die Menjc

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