282 Menſchenſcheu. =- Menſchenwerth,
jondern müſſen dazu aufgemuntert werden. Man iſt in dieſer Aufmunte-
rung zu ſaumjelig, daher viele Kinder vom Verderben der Sünde angeſte>)
und ſrühzeitig an ſ Cinflüjjen ſie weniger ausgeſeßt ſind, gleichgiltig und unempfindlich gemacht
werden Damit iſt ein ſehr wunder Fle& in der Kindererziehung berührt
worden.
Menſchenwerth. In den Artikeln „Achtung,“ „Beſtimmung de8 Men-
ichen“ 20. jind bereits einzelne Momente dieſes Themas gewürdigt worden,
jedom nur von jenen Geſichtspunkten aus, welche die dortigen Beſprechungen
erſorderten. Judem wir es hier in ſeiner Vollſtändigkeit zur Sprache
bringen, überſehen wir die praktiſchen Conſequenzen nicht, welche ſich aus
verj bildet haben. -- Je nachdem man ſich ven Menſchen denkt, wird auch dex
Werth verſchieden jein, den man ihm beilegt. Dieſer Werth iſt ſehr gering,
wenn man mit den Materialiſten jagt : „Wie alles Wirkliche, ſo iſt auch
der Menj< ſeinem Weſen nach nichts Anderes, als eine von den Naturx-
ſtoffen zufällig erzeugte, empfindende, vorſtellende, denkende Maſchine. Der
Gegenjaß von Geiſt und Natur exiſtirt bloß in der menſchlichen Einbildung,
Die Geijteskräſte ſind ewige Eigenſchaften des Stoffes; ſämmtliche Geiſtes-
thätigkeiten ſind nicht anderes als Hirnthätigkeiten. Die verwidelte organiſche
Complication kraftgevender Stoſſe im Thierleib iſt eine Gefammtſumme von
Wirkungen, welche, zu einer Einheit verbunden, von uns Geiſt, Seele, Ge-
danke genannt wird, Wie die ganze Welt, ſv hat auch der Menſch in Wirk-
lichfeit ſeinen Zwe> des Daſeins in ſich ſelbſt. Es liegt in der Natur alles
Entſtiehenden , daß es mit Nothwendigkeit wieder zu Grunde gehe. Der
Menjh iſt ein verſj Bewußtſein ijt nichts als eine Eigenſchaft des Stoffes ; es beſteht aus den
ſtofflichen Bewegungen, die im Gehirn als Empfindung wahrgenommen
werden. Förderung des Stoffwechſels, eine kräftige Pho8phorerzeugung durch
gutes Cſjen, Trinken, Baden 2c., um den Leben8genuß zu erhöhen, das iſt -
der Zwe des Daſeins. Da der Geiſt des Menſchen in allen ſeinen Er-
I thümliches inneres Leben: ſo iſt die menſchliche Freiheit, al8 Selbſtbeſtim-
mung, ein Unding. Nur unwiſjender Dünkel kann von Selbſtbeſtimmung
und von einer Weſenhaftigkeit de3 Selbſtbewußtſeins reden. Des Menſchen
Denken, Wollen und Thun iſt wie das des Thieres, ein Erzeugniß der Na-
turnothwendigkeit. Das Gute wie das Böſe geht aus der Beſchaffenheit
der menj Verantwortlichkeit und Zurechnungsfähigkeit, wie fie die Moral, die Straf-
rechtspflege und Gott weiß wer noch, uns auflegen wollen, exiſtirt nicht.
Summa: Zwiſchen dem Menſchen und dem Thiere beſteht kein weſentlicher
Unterſchied. Dex Menj< iſt nur ein glü>lic< organiſirtes Thier. Das |
Weib iſt noh niedriger organiſirt als dex Mann; der Neger iſt ganz der |
Natur und Rechte der Menj qualitativ, ſonöern nur graduell verſchieden; die Menſchenſeele iſt eine po- |
tenzirte Thierſeele. Zwiſchen der Vernunft des Menſchen und dem Inſtinkt
der Thiere iſt kein weſentlicher, jondern nux ein gradueller Unterſchied. Der
Menjc Einwirkungen.“ (So Büchner, Moleſchott, Czolbe, Hobbes, Vogt, Burmeiſter,
Krahmer u. A.) Nah dieſen Anſchauungen reiht man mit einem leichten
Gewicht aus, um den Werth des Menſchen zu beſtimmen. Es lohnt ſich |
dann nicht der Mühe, ſich mit dem Menſchenwerthe zu befaſſen. Der Werth j
des Menſchen iſt aber jehr groß, wenn man, den Ausſprüchen der göttlichen |

8.

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