Menſchenwerth, 283
Offenbarung folgend, ſagt: der Menſc< iſt ein einheitliches perjönliches We-
ſen, und der Geiſt, den er beſißt, iſt der in ſeinein Zh ich individualiſirende
göttliche Leben8hauc4 (1 Woſ. 2, 7.); er iſt die perſonbildende, ſich jelbſt
wiſſende und beſtimmende Lebensmacht des I< in ihrem Zujammenhang
mit Gott, welche als Vernehmen des Göttlichen (Vernunft, Glaube), als
Gottesliebe (ſittliche Freiheit) und Leben8gemeinſchaft mit Gott (Gottſeligkeit)
ſich kund gibt. Der Leib des Menj dem ECbenbilde Gottes geſchaffen, aber doch ein Wunderbau der Weisheit
Gottes, der als ein Tempel des heiligen Geiſtes zu Gottes Verherrlichung
entfaltet und verklärt werden ſoll. Wiſſet ihr nicht, daß euer Leib ein Tem-
yel des heiligen Geiſies iſt? 1 Kor. 6, 19. Auch der irdiſche Leib ſoll ein
geheiligtes Glied Chriſti jein (1 Kox. 6, 15.) , denn auch er iſt theuer er-
kauft und ſoll an ji) Gott verherrlichen. Leib und Seele jollen ſich er-
freuen im lebendigen Gott, damit das ganze Menſ werde auf die Zukunſt unjers Herrn Jeſu Chriſti. (P). 84, 3. 1 The]. 5, 23.)
Gott hat uns nach dem Reichthume jeiner Liebe vor der Grundlegung der
Welt in Chriſto erwählt, daß wir heilig und unſträflich vor ihm wandelten
zum Preiſe feiner Herrlichkeit (Epheſ. 1, 4--14.). Die Entfaltung des
(Ebenbilde3 der Liebe und Heiligkeit Gottes im Menſchen zur Gottjeligkeit
und Verherrlichung jeiner Majeſtät, das iſt der CGndzwe> aller ECrziehungs-
wege Gottes. Gott hat den Menſchen nur um weniges geringer erſchaffen
als die Engel, und ihn mit Chre und Zierde gekrönt. Er hat ihn zum Be-
herrj worfen. Geſchaſſen nach dem Bilde Gottes iſt er auch zum Gottes8-, Selbſt-
und Weltbewußtſein fähig. Die Eigenthümlichkeiten der gottebenbildlichen
Perſönlichkeit: Vernunft, Gewijjen, Vollkommenheitstrieb, Selbſtbewußtſein,
: Willensfreiheit, Zurec Wejens-Unterjchied und Borzug des Menſchen vor dem Thiere. Das Thier
hat feine Spur von GottesSbewußtjein, noch irgend einen Schimmer von der
Urſachlichfeit der Erſheinungöwelt. Der Menichengeiſt dagegen hat einen
Sinn für die Urjache des Werdens und für die lezten Gründe alles Den:-
kens und Wollens, einen Sinn und einen Trieb für das Wahre, Gute,
Schöne und Vollfommene, für Wiſſenſchaft, Sittlichkeit, Kunſt und Religion
-- ex hat Vernunft. Das Thier hat keine Ahnung von einer ſittlichen
Weltordnung, es hat kein geiſtiges I<; es iſt ein bewußtloſe8 Glied im
höheren Lebens8organiSmus der Gottesſ deſſelben mit Nothwendigkeit, Der Menſ< aber vernimmt in ſeinem Ge-
- wiſſen Gottes Willen als Sittengeſeß ; er vernimmt im Abhängigkeitsgefühl
ſeinen Leben3zujammenhang mit jeinem Schöpfer ; er hat einen Wiſſens-
und Vollkommenheitstrieb, er hat Erfindung8gabe, Phantaſie, Kunſtſiun, ein
unbedingtes Verlangen nach Heiligung und Glüdſeligkeit, eine Ahnung des
ewigen Lebens und eine unbegrenzte Vervollkommnungsfähigkeit. Er unter-
- ſcheidet das I< von allen iWechſelfällen des Leibes und von der ganzen
Welt als von dem Nicht-I<. Er hat die Fähigkeit, ſeinem Denken, Thun
und Laſjen einen beſtimmten Zwe zu ſeen; er kann die ſtärkſten Natur-
triebe, jelbſt den Lebenstrieb, jeinem Zwee unterordnen. Ex kann ſich ſelbſt
entſheiven im Gegenſaß gegen allen äußern Zwang; er kann die Natur-
mächte ſeinem Zwede dienſtbar machen; er kann Gottes Willen zu ſeinem
eigenen Willen machen (ſittliche Freiheit) ; er kann aber auch innert den von
Gott gejehten Schranken, ſoweit dieſelben zur Selbſtentfaltung ſeiner Gott-
ebenbildlichkeit eröffnet ſind, ſich zeitweilig gegen das Sittengeſeß entſcheiden.
Von dieſer Selbſtentſ Kein Thier kann ſich freiwillig zu Tod hungern, oder das Streben nach
vollkommnerm Wiſſen und Können zum Zweck ſeines Lebens ſehen. Da

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