366 Nachſprechenlaſſen. =- Nahrung
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Veranſchanlichungs - Apparat durchaus nöthig iſt, dürfte kanm zu be-
merten jein.
Nahrung. -- Es darf als anerkannt vorausgeſeht werden, daß dieſer
Gegenſtand, der theilweiſe ſchon in vem Artikel „Exziehung, körperliche,“ zur
Sprache gebracht worden iſt, eine der erſten Stellen in der Erziehungslehre
verdient. Wir laſſen den Einſluß der Nahrung auf die phyſiſche Exiſtenz
ud Wohlfahrt unberührt; wer aber den Verdauung8apparat und die Geſeße
der Ernährung kennt, wird gerns zugeben, daß es auch für das Geiſte3-
leben von größter Wichtigkeit iſt, wie und womit das Kind im Stadium
jeines leiblichen Wachthumes genährt (geſpeiſt und getränkt) wird. Richtig
jagt Dr. Nitter: „Werfen wir einen allgemeinen, vergleichenden Ueberbli>
über den Bau dex das BVerdanungsſyſtem conſtitnirenden Theile, ſp werden
wir auf's Klarſte dort aus8geſprochen ſinden, daß alle Organe des geſammten
* Organismus ſich wiederholt, unter fich zur ſymmetriſchen Einheit gebracht
worden jind. Dieſ's organiſche Syſtem hat ſein Gehirn- und Ganglien-
Syſtem in den Ganglien und ihren Nerven ; ſein Herz in der großen Bauch-
j eigenen Lymphgefäße in den eigenthümlichen Sinn in dem Geoſchma&3organ ver Mundhöhlo ; die Lunge
wiederholt ſich phyſiologiſch in der Leber; die Lungenarterien finden in der
Pfortader ihren Repräſentanten ; er beſißt ferner einen ihm angehörigen vrit-
ſigen Secretionsapparat in den Speicheldrüſen der Mundhöhle, in der Bauch-
ſpeichelvrüſe u. 1. w.; einen Apparat zur willkürlichen Muskelbewegung in
den Musfeln der Kanorgane und ven Schließmuskeln des Aſter3; fein
eigenthümliches Knochenſyſtem in ven Zähnen : ſeine Exiremititen in den
Gliedmaßen. Das Verdauungsſyſtem - ſtellt ſomit einen ganzen Leib im
Leib, einen Mikroko8mus im Makroko8mus var, und wenn wir daher die
Wichtigkeit irgend einer Funktion nach der Zahl und Mannigfaltigkeit der
Organe und der ſie conſtifuivenden Theile, die hei derſelben thätig ſind,
beurtheilen wollen, ſo ſteht gewiß di? Verdauung im bildenden Leben oben
an. (Wiſjenſchaftliche Unterhaltungen über den Menſchen. Rottenburg bei
Gad. 1837. 8. 140.) Schon die Alten erkannten deutlich den großen Ein-
fluß, welchen die Nahrung auf den intellectnollen und moraliſchen Zuſtand
des Menichen ausübe. Rach Straho ſollen die Myſier, welche vom Pferde-
ſleiſch lebten, billig und gerecht, die Hindoſtaner, vie ſich bloß von Pflanzen
nähren , lout'elig und ſanft, die Tartaren, die nichts als Fleiſch genießen,
grauſam geweſen ſein. Man ſchrieb die Trunkenheit des Tiberius der
Trunkliehe ſeiner Ammo, und die Grauſamkeit ves Kaligula der wilden
Gemüthsſtimmung Derjenigen zu, die ihre Brüſte mit Blut beſtrich, ehe ſie
ivm dicjelben reichte. Denken wir uns dieſe Anſichten und Vorkommniſſe
aud) in die gehörigen Schranken hinoin, ſo bleibt doH wahr, was Dr,
Klemke (die phyſiſche Loben3kunſt, 8. Kap. Leipzig bei Kummer, 1864.) in '

den Worten fagt : „Jm Verdauungsleben ſpiegelt ſich ver Geſammizuſtand -
des individuellen Lebens ab, in ihm gibt ſich zuerſt der ſ aufgeweckte Keim der Erkrankung kund, im Verdauungsleben wurzelt die
Grundſtimmung unſeres leiblihen und ſeeliſchen Gemeingefühls , aus ihm :
ſteigen die Schatten der trühen und die Lichter der heiteren Gemüthsſtim- ,
mung aut; ein Diätfehler, eine geſtörte Verdanung macht den ganzen Menſchen
indiSponirt, beſtimmt fein zeitweiſe8 Empfinden und Handeln, ſein Lieben
und Haſſen, oft ſein Schi>ſal. Gehirn und Magen, Kopf und Unterleib
ſtehen dur ſichtbare Nervenbahnen, wie zwei elektro-magnetiſche Stationen,
und durch ein ſympathetiſche3 Verhältniß in einem gegenſeitigen Rapporte, |
Gehirureiz erwe&t Erbrechen, ein verſtimmter Magen erzeugt Kopfſchmerz.“

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