Naturalismus. - | 397
Naturaliömus. Die häufige Verwech8luna doyv Begriffe de3 Naturalis-
mus und Materiali8ämu2 mocht es nothwendig, jenen genau zu kennzeichnen.
Doch liegt dieſe Nothwendigkeit auch no<ß in andern Motiven gegründet,
die aus der nachfolgenden Darſtellung von ſelbſt hervorgehen werden. =-
Faßt man den NaturaliSmus bloß von ypſy man ihn allerdings als gleichbedeutend mit dem MaterialiSmus nehmen;
- betrachtet man ihn äber im Sinne unſerer Seite, alſo im iheologiſ Sinne, dann verhält ſich die Sache anders. Der Naturalizmus nimmt
einen [pecifiſ an, während der MaterialiSmus nur einen graduellen Unterſchied zu-
- läßt. Jener nimmt ein Selbſtbewußtſein an, deſſen nur der Menſ< , nicht
auch die Thiere fähig ſind, ferner mit vem Selbſtbewußtſein ein Vernünſtig-
- und Geiſtigſein, dieſer verwirft beides, inſoferne es etwas von der Materie
- Verſ 9

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- fheologilche) läßt das Daſein eines perſönlichen Gottes über der Welt zu,
. nicht jo der MaterialiSmun8. Den Naturaliſten gilt der Menſch als ein
. Gej - Materialiſt (ſ. d. A. Materialismu8). Aber dieſes Lebensziel , dieſe Bez
- ſtimmung könne, ſo meint der Naturaliſt, ohne beſondere göttliche Dazwiſchen-
kunſt, von vem Menſchen erreicht werden; durch die Natur, die dieſer
empfangen habe, vermöge er auch, das zu werden, was er nach dem
ſchöpferiſchen Willen werden ſolle; daß mit dieſer Anſicht die Nothwen-
digkeit der Erlöſung und ſomit die ganze Priſtlic - runggeleugnet wird, leuchtet von ſelbſt ein. Zwar ſtellt dieſer Naturali8mus
die urſprüngliche Sünde und deren Folgen nicht in Abrede; allein er gibt
- ihr eine Deutung, die ihr den Charakter der Schuld und des Abfalle8 von
- Gott gänzlim benehmen. Er denkt ſic) ven Menſ - ſchreitens vom Unvollkommenen zum Vollkommenen begriffen; die Sünde
. iſt ihm ein unvermeidlicher Uebergang vom Stande kindlicher Unſchuld in
den Stand ſelbſtbewußter Freiheit; die Uebel in der Welt betrachtet
er als natürlihe Erſcheinungen, welche jenen Vervollkommnungsproceß
| fördern und nur darum als Uebel erſcheinen, weil die Menſchen der
- natürlihen Entwieklung ihrer Natur häufig ſtörend entgegentreten und
weil dieſe Natur ſelbſt von zu engen Schranken umfangen iſt, daher
nothwendig auf verſchiedene Schwierigkeiten ſtoßen muß, die ſie nur all:
mählig überwinden kann. Braucht der Naturalismus keine Offenbarung,
fo braucht er auh) -- wie der Rationali8mus -- keine Wunder, und
ebenjowenig eine ſpecielle göttliche Weltregierung oder Vorſehung
im als Suppoſitionen, dur< welche auf die von Gott geſchaffene Natur der
- Schatten der Mangelhaftigkeit und Verbeſſerungsbedürftigkeit, als ein Tadel
gegen das ſchöpferiſche Wirken Gottes geworfen wird. Daß vom Naturalis-
mus zum PantheisSmus oder Heidenthum nur ein kleiner Schritt ſei, ergibt
ſich aus dieſen wenigen geſtellt iſt. Auch lehrt die Erfahrung, wie leicht ein ſolher Uebergang im
Leben erfolge. Wer noch etwas Scheu trägt, offen mit ſeinem Materialis-
mus oder Panthei38mus hervorzutreten, der trägt die Fahne des Naturali8mus.
' | =- Dieſe Fahne iſt e8 aber, die man in der Volks8ſ yflanzen möchte, und worauf inbeſondere ſowohl auf proteſtantiſcher als
fatholijher Seite jene Nivellirungsbeſtrebungen ausgehen, welche eine falſche,
' | den IndiſferentiSmus8 erzeugende Toleranz predigen , im Unterrichte keine
Unterſcheivungslehren zulaſſen wollen , der ſpezifiſ ſind und den Religionsunterricht auf jede Weiſe beſchränken möchten. Ihr
Wahlſpruch iſt: „Wir glauben al' an einen Gott,“ und: „Rechtſ

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