Paläſtina. -- Parabel, -- Parteilichkeit. 557
ſchauen der Execution zu ohne den leiſeſten Verſuch einer Amneſtie. Fleißige
and ordnyungsliebende Schüler bleiben nicht ohne Anerkennung. Der berühmte
: Seeßen war Zeuge, wie ein mohamedaniſcher Knabe, nach glücklich abjolvirtem
- CEurſus des Schreibunterrichts , in Proceſſion , mit Muſik begleitet, durch die
- Stadt geführt wurde. Die Schulen ſollen meiſt Privatunternehmen und der
bhisweilen blinde Lehrer auf das Schulgeld angewieſen ſein. (S. 265.)
| Parabel (griech. zapa30%47 == Nebeneinanderſtellung, in8beſondere behufs
der Vergleichung und Belehrung, daher Gleichniß) iſt, wie die Fabel, der Form
nach epiſcher, dem Zwecke nach didaktiſcher Natur. Die Parabel iſt, wie die Fabel,
- die Veranſchaulichung eines allgemeinen Saßes8 durch einen zu dieſem Zwede
beſonders erdichteten Fall. Sie unterſcheidet ſich von der Fabel nicht blvs
dadur< , daß, wie Herder will, die Fabel ihren Stoff aus der Thier- und
- Pflanzenwelt, die Parabel dagegen aus der Menſchenwelt entnimmt, ſondern
noh mehr dadurch, daß der ihr zu Grunde liegende allgemeine Saß nicht eine
bloße Lebeus8- und Klugheitöregel ausſpricht, ſondern vielmehr eine höhere
. Wahrheit aus dem geiſtigen oder Seelenleben des Menſchen. Darum wählt
. fie auch meiſtens Menſchen (nicht Thiere) zu ihren Perſonen. Der erdichtete
Fall wird in der Parabel als ein möglicher, in der Fabel als ein wirklicher
- dargeſtellt. Die Darſtellung iſt ausführlicher , die Sprache edler, als bei der
Fabel. In der hl. Schrift unübertroffene Muſter, insbeſondere die neuteſtamentlichen
Gleichniſje vom guten Hirten, vom Säemanne, vom verlorenen Sohne, vom
Weinberge, vom HochzeitSmahle. Auch die ältere jüdiſche Literatur kennt
Parabeln, ſowie der Talmud , der offenbar einige dem neuen Teſtamente ent-
nommen hat. (Sagen der Hebräer. Aus dem Engliſchen. Leipzig 1826.)
Rachdem das Feld der Parabel lange brach gelegen, wurde ſie proteſtantiſcher
Seits von Skriver und Krummacher wieder gepflegt. Katholij haben wir eine jehr zwe>mäßige Sammlung: Die Parabeln des Vaters
| Vonaventura. Eine beſondere Art von Parabel iſt die Paramythie
(griech. rapauvda, Ermahnung). Sie iſt ganz eigentlich eine Belehrung, die
fich an einen Mythus anſchließt und aus demſelben eine Wahrheit zur An-
ſhauung bringt. Eine ſolche jehr jſchöne Paramythie iſt die Gleichnißrede
Joathams an die Sichenmiten (Richter 9, 7.). In der Regel nimmt ſie aber
ihre Begebenheiten aus den Kreiſen höherer Weſen (Götter, Genien, Engel).
Weil die Paramythie nicht auf wenige und in die deutſche Literatur find ſie erſt von Herder eingeführt worden.
Wichtig find die Parabeln insheſiondere beim ReligionS3unterricht, indem ſie die
wichtigſten Lehren verdeutlichen helfen. Allein es gilt hier das, was Hirſ ſagt : es möchte ziemlich genügen, die vom Herrn gebrauchten Barabeln im
hriſtlichen NeligionSunterrichte gehörig auseinandergeſezt und zur Veranſchan-
lichung der betrefſenden religiöſen und ſittlihen Jdeen nach ihrer ganzen
Fülle benüht zu haben. Die Erfindung treffender neuer iſt niht Jedermanns
Sache und bei dem Vorrathe poſitiv gegebener kaum ein Bedürfniß.
(Katechetik 8. 51.)
Parochialſchulen, |. Pfarrſchulen.
Parteilichfeit. Gin leider! öft vorkommender Fehler an Eltern, Lehrern
und Erziehern, denen mehrere Kinder übergeben ſind, iſt die Parteilichkeit,
welche die einen Zöglinge vor den andern begünſtigt. Wir meinen damit nicht
jene bei den Eltern in der Regel ſich hervordrängende Neigung , jeweils
den jüngſten Kindern vorzugsweiſe ihre Liebe zuzuwenden. Dieſe Neigung be-
ruht auf dem Gefühl, daß die jüngſten zugleich auch die hilf8bedürftigſten
ſind, und es zeigt ſich darin die weiſe Vatergüte Gottes, die diejenigen
Kinder, welche am meiſten Sorgen und Kummer verurſachen, den Herzen

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