Platon. | 615
Jiiche Erziehung aller Kinder für die Zwecle des Staats. Allein hier nun beim
3 Staate zeigt ſich natürlich ebenfalls das der Jdee widerſtreitende, widergött-
Eliche Princip, und varum verzichtet Rlaton nicht nur auf vie Republik, ſondern
auch auf das nnumjſchräntte Königthum , obwohl er dieſes unter einem idealen
Herrſcher für die vollkommenſte Negierungsform hält, und wählt eine gemiſchte
Regierung , deren Grundſäße der Nepuodlikt, wie der Monarchie zur gegen-
jeitigen Beſchränkung entnommen ſind. Die Staats8einwohner ſind Obrigkeit
unv Unterthanen. Den drei Tugenden der WeisSheit, Tapferkeit und Mäßig-
feit entſprechend gibt es die drei Stände der Herrſcher, der Krieger und der
Gewerbtreibenden und die richtige Verbindung dieſer drei Tugenden repräſen:
tirt die vierte Titgend , die Gerechtigkeit, al8 vas ſittliche Leben des Staates
in ſeinem ganzen Umfange. In jolc werden , um den Guten noch beſjer, den Böjfen weniger böſe zu machen. Die
Gerichte ſollen kein Werkzeug dex Rache tein. Gerechterweiſe kaun über Nie-
manden, von dem nicht erwieſen iſt, daß er die beſtmögliche Erziehung genoſſen,
: | die Todesſtrafe verhängt werden, keinesfalls aber fällt die Beſtrafung auf ſeine
Kinder. Nur ſ Deffentlichkeit. Das Gejetz möge bei der Strafe des Diebſtahls nicht den Werth des
geſtohlenen Gegenſtandes zum Maßſtab nehmen , ſondern die Strafe nur dann
verſchärfen, wenn der Dieb ſich als unverbeſſerlich erweiſt. Platon ſah ſogar
yoraus, daß, erſchiene ein höchſt gerechtes Wejen auf der Erde, j0' würde es von
denen, die mit Berbrechen belajtet als Gerechte gelten, eingekerkert, geſchlagen,
gekreuzigt werden. Gewiß eine höchſt merkwürdige Ahnung deſſen, was in der
z Zülle der Zeit geſchehen ſollte.
Die Pädagogik Platon's iſt zwar durch alle ſeine Schriſten zerſtreut, haupt-
jächlich aber in den Büchern: „die Gejeße“ und „die Republik“ enthalten.
Wir können das Hauptſächlichſte in nachſtehenden Umriſſen zuſammenfaſſen.
Rur ſolche Jünglinge und Jungſranen ſollen ſich mit einander verbinden und
Kinder zeugen, die durch körperliche und geiſtige Bildung möglichſt ic qut geworden ſind, in Beziehung auf das Alier zu einanver patſen und eine
innige Zuneigung zu einander empfinden. Der Charakter der Chegatten foll
verſchieden jein, denn die Säfte im Staate ſollen ſich miſchen, wie Flüſſigkeiten
in einem Becher. Der Mann ſoll nicht vor dein 25, Jahre heirathen; er ſoll
nicht auf Neichthum jehen, jondern eher ein weniger begütertes Mädchen ehe-
(ichen, damit Gleichheit und ebenmäßiges Verhältniß dem Staate und der
Familie Nußen bringe. Bor Vollzug ver Ehe foll jeder fleiichliche Umgang
unterſagt jein. Wie Plutarch häli auch Platon die eheliche Umarmung in der
Trunkenheit für jchändlich, da die Fehler der Eltern auf die Kinder übergehen.
Die Ehe joll die Weihe der Neligion erhalten und die verehelichten Kinver ſollen
in Verbindung mit ihren Eltern bleiben. Für jeden iſt die Che eine Pflicht,
vie er der Fortpflanzung des Geſchlechtes ſ bis zu oiner beſtimmten Zeit heirathen, mit einer Geldſtrafe belegt und der
Chrenbezeuzungen, die jüngere Bürger den älteren zu erwveijen haben , be-
„raubt werden jollen. Die Kinder ſind den Elkorn, die ihnen das Leben
und die Erziehung gegeben haben, Chrfurcht ſchuldig. Kinder, die in der
Jugend gehorchen lernen, werden in reiferen Jahren wm ſo eher ſich ſelbſt
„"
beherrſchen. Jeves Goſetz iſt zugleich ein religidies Gebot, Vor Allem ſind
bei den Menſchen auszurotten: Unfreiheit, Sinnlichkeit und Uebermuth gegen
Götter und Menſchen. Frevel gegen die Religion ſollen in unterirdiſchen
Geſängniſſen gebüßt und die Leichname der Shuldigen außerhalb ver Landes-
grenze begraben werden. Der Glaube an Gott bewirkt, daß man weder
mit Wille eine gottloje Handlung begehe, no< auch geſetzwidrige Reden
führe, wie die tyun, welche behaupten, daß es entweder gar keine Götter
gebe, eder daß ſie ſich niht um die Menſchen kümmern over daß ſie durch

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