936 Schönheitsſinn, Pflege deſſelben. == Schreibkunde,
Im Gegentheile ſ Karoline Rudolyhi räth deßhalb auc< das Zimmer, in welchem die
Kinder ſich aufhalten, mit ſchönen Gemälden, Blumen 2c. zu jc was man in unſern Kinderſtuben bis jetzt noch nicht findet. Und do hat
dieſer Rath ſeine Berechtigung bis auf einen gewiſſen Vunkt. Das Kind»
hat nur drei Stätten, in welchem ſein Geſ gebildet werden kann:
die Wohnſtube, die Shulſtube und die Kirc Wohnſtube Unveinlichkeit, in der Schulſtube Unordnung und in der Kirche
Geſ zu ſich heran ziehen, weßhalb wir oft in den herrlichſten Gegenden auf der
niederſten Stufe der Bildung ſim befindliche Einwohner treffen, während
ojt da, wo die Natur wenig gethan hat, das Bedürfniß nach einer ſchönen
Umgebung die Kunſt anregt. Die Pflege des Schönheitsfinnes bei den
Kindern iſt aber deßwegen jo wichtig, weil Sinn für innere und für äußere
Schönheit miteinander gehen und in einem ſc Körper auch keine ſchöne Seele wohnen kann, und weil Rohheit und Ge-
meinheit der unausbleibliche Begleiter des Schmußes und der Verwahr-
lojung ſind. Darum follte die Schulſtube das jchönſte Zimmer des Ortes,
die Kirche eine Stätte der Kunſt und des guten Geſchma>es und der Geiſt-
liche und der Lehrer diejenigen Verſonen ſein, deren Aeußeres8, ohne die
Beſcheidenheit zu verleßen, die größte Sorcfalt zeigt.
Schönſchreiben, 1]. Kalligraphie, Schreibkunde. |
Schreibfunde. Dieſe Wiſſenſchaft verdankt ihre Entſtehung dem Be-
dürfniſſe der Menſchen, ihre Gedanken dem Auge zu bezeichnen und ſie auf
dieje Weiſe auch den Nachkommen und Abweſenden mitzutheilen. Vs der
Erfindung der Schrift waren Denkmäler und Lieder, ſowie Feſte die
einzigen Mittel, das Andenken an gewiſſe Begebenheiten zu erhalten. Die
Schrift wurde verbreitet durch die Abbildung der Gegenſtände (Bil-
derſhrift). Solche Buchſtaben ſind die Hieroglyphen der Aegypter. Auch
bei wilden Völkern findet man ſie. So Herichteten die Mexikaner ihrem
Könige Montezuma die Ankunft der Europäer dur< die Abbildung der
Gegenſtände, die ſie geſehen. Damit konnten freilic) nur ſichtbare Gegen:
ſtände, Perſonen und Sachen beſchrieben werden. Doch half die Phantaſie dazu,
ſinnbildlia) und ſymboliſch auch abſtracte Begriſfe zu bezeichnen, 3. B, die
Vorſicht durch ein Auge, die Geſchwindigkeit durch einen Vogel 2,
Man kürzte ab und ſetzte z. B. zwel Hände mit einem Bogen für einen
Bogenſchüßen. Bald entſtand die Sylbenſ daß in den Worten einzelne Sylben ſich wiederholten. Das war aver
ihon ein ſo großer Fortſchritt, daß viele Völker, welche in ihrer Cultur
ſtill geſtanden ſind, ſich bis heute damit hegnügtien, wie 3. B. die Chinejen
und Siameſen. Die Sylbenſhrift entwickelte ſich zur Buchſtabenſchriſt, die
ſehr alt iſt, denn Moſes ſchrieb ſchon in ein Buch ein, was ſich ereignete,
und was der Herr ihm gebot; er ſchrieb die Namen der zwölf Stamm:
häupter auf die Stäbe 2 Moſ. 17, 14.; 24, 4. 28,; 34, 27.; 4 Mot. 17, 2,
Hiob klagt, daß der Herr Vititerkeit wider ihn ſchrieb; auch erſehen wir
aus deſſen Reden, daß die Nichter ihre Urtheile in ein Buch zu jhreiben
pflegten. Hiob 13, 26.; 31, 35. Dieſe alphabetiſche Schrift iſt 10 alt, daß
weder das Alter der Erfindung no< das Volk oder die Perſon, welche ſie
erfinden hat, bekannt iſt. Es können Armenier, aber auch vie Aſſyrior
oder Aegypter geweſen jein. Die Ueberlieferungen der Griechen unv Nömer
weiſen auf die Phönizier hin, und nennen die Grfinvder derſelben Taut
(Thaut, Thot). Wahrſcheinlich aber haben die Phönizier die Schrift

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.