/
360 Sinn, =- Sinnlichkeit,
al3 Starrſinn. Wo er antheillv8 bleibt für Freude und Schmerz, und |
für Alles, was Natur und Kunſt ihm. bieten, da iſt er Stumpfjinn. Wo |
er durch Leidenjhaſt aus dem Gleichgewicht gehoben iſt, im Jrrthum ſich |
gefällt und im Wahn jich nährt, da ſteigert er jich zum Wahnjinn. Wo | :
ex auf das, was der Verweſung unterworfen, auf das Unwejen der Dinge bp -
gerichtet iſt, und ſich in ihm verliert, da wird er zum Unſinn. Wo der |
Sinn Allem abſtirbt, was das Lehen erheitern kann, und ſich einſeitig nur
im Dunkel deſſen, was Schi>ung iſt, gefällt, da wird ex zum Trübjinn. Wo
dieſer, überwältigt von jeiner eigenen Schwere, ſich in die Tieſen des Kummers
verſenkt, wird ex Tieſſiunn. Wo er dageoen auf der Oberfläche des Lebens
ſ Unbedeutjamfkeit berührt, da iſt er Leichtſinn. Wo er die Lage und
Grenzen jedes Dinges genau anfaßt, und dvadurc) mit Sicherheit von jedem
andern unterſcheidet, da iſt er Sharſfinn. Wo er an Allem ſich hält
und anfrichtet, was menſchlich erfreuen kann, da iſt er Frohſinn. Wo er
auf vas Schöne des Lebens und auf Gotte8 Werke in der Natur gerichtet
ift, an jenen ſich nährt und an dieſen ſich erhebt, da wird er Schönheit3-
ſinn, Kunjtjinn, Naturjinn, der in den großen und herrlichen Werken,
vie Gott vor des Menjchen Auge hingeſtellt, ſich zum unendlich weiſen,
gütigen und allmächtigen Schöpfer aller Dinge emporſchwingt. Wo der
Siun auf den bunten Schwingen der Freude, gleich dem Schmetterling in
der Blumenwelt, von Gegenſtand zu Gegenſtand eilt, und aus jedem Süßig-
keit und Wonne zieht, wenn ihm das Kleinſte. groß, wenn ihm ſelbſt ein
Thautröpichen am Graje wichtig iſt, weil ſich darin die Sonne ſpiegelt, und
wenn er im Glauben und Liebe ſich über Alle3 ergießt und Alles mit Innig-
keit umfaßt, da heißt er Kinderſinn. Wer den Kinderſinn hoch leben
läßt in feiner eigenen Welt, und ihn hebt, ſtärkt und bildet nach jeder NRich-
tung hin, vie zur Bollkommenheit der Kinder Gottes führt, der hat ven
Crxziehungsfinn.“ Am meiſten hört man den Ausdru> „religiöſer
Sinn,“ und man verſteht darunter die Neigung des innern Sinnes , alle
jeine innern und äußern Thätigkeiten auf Gott zu bezichen und ſich gänz-
(ich dem Willen Gottes zu unterwerfen. Der religivbje Sinn ſteigert ſich
zum himmlitchen Sinne, wenn er, die irdiſchen Dinge lediglich als
Veittel zu überirdiſchen Zwecken verwendvend, nur für Goti und in Goit zu
leben jucht. Jmmer iſt alſo das, was man im gewöhnlichen Leben „Sinn“
nennt, eine bejonders entwickelte oder hervortretende Seite des innern Sinnes,
oder deſjen Receptivität für beſtimmte Verſtande8-, Gemüths8- und Willens-
richtungen. = (Es liegt natürlich Alles daran, den innern Sinn allſeitig
und an den rechten Objekten zu üben, was für die Perſon des Lehrers wie
für jene ver Schüler gilt. Das in dieſer Nihtung zu Beobachtende kann
in den Artikeln: Innerer Sinn, Gemüth, Neigungen, Tempe-
ramente und Willen gefunden werden. =-
Sinnenbildung , ſ. Anſchauungsunterricht.
Smy, innerer, |. Jnnerer Sinn.
Sinnlichkeit. Sinnlich im pſychologiſchen Sinne heißt Alles, was un-
mittelbar, nicht durc< Begriffe, auf das Gemüth wirkt; in moraliſcher
Vedeutung aber braucht man e8 von Menſchen, die ſich durc< ſinnliche Ein-
drüde beſtimmen laſſen. Inſoweit ein derartiges Sichbeſtimmenlaſſen dem
höhern geiſtigen Menſchen und deſſen Intereſſen keinen Eintrag thut, hat es
einen guten Klang und volle Berechtigung; findet aber das Lettere ſtatt,
dann wird das Sinnlichſein zum Sündigjein. Gewöhnlich wird der Be-
grijſ der „Sinnlichkeit“ in dieſer ſchlimmen Bedeutung genommen, und dax-

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.