Sprache, = Sprachunterricht in dex Volksſchule. 387
Die allgemeine Bedeutung , wel genügend angegeben worden. Allein durch die gelehrte Sprachkunde hat ſie
noch eine weitere, ungeniein wichtige für die geſchichtlihe Cthnographie er-
halten. In trefflicher Weiſe zeichnet vieſe (in der ſchon genannten Schrift)
Wevdewer, deſjen Worte wir gebrauchen wollen : „Die Sprache,“ ſo ſagt er
dort nämlich S, 5. 11. 6., „iſt tief in die geiſtige Entwi>lung der Menſ< verſchlungen, und ſie begleitet dieſelbe auf jeder Stufe ihres lokalen Vor- und
Nüc) die geiſtige Entwicklung bloß begleitet, ſondern ihre Stelle einnimmt. Da aljo
ver Menj< von jeinem erſten Erſcheinen auf Erden der Sprache bedarf, .. . . und
57 ſich die Sprachen von Geſchlecht zu Geſchlecht, wenn auch mit ſteten Ver-
änderungen, fortpflanzen : jo reichen dieſelben , inöbeſondere die Stammſpra-
fie Urfunden für die Urzeit des Menſc Syrächen ver älteſten Völker nicht mehr geſprochen und ſind oft nur in Bruch-
ſtücken erhalten ; allein wie in ven ägyptiſchen Gräbern gefundene Getreidekör-
zer, ſind auch ſie noch keimfähig und erſtehen dur< die Bemühungen der Ge-
lehrieuw allmählig wieder zum Leben. Durch ſie erhalten wir nicht nur Auf-
ſchlüſſe über die urſprünglichen Lehensverhältniſje der Menſchen , inbeſondere
vie Berwandtſchaft der Bölker aus einer Zeit, in welche kein anderes Dentk-
mal hinauſfreicht, jonvern als die unmittelbarſte und ſpecifiſ<ſte Offenbarung
des Geiſtes, „«ls der volle Athem menſchlicher Seele,“ läßt uns die Sprache
auch nach Umfang und Tiefe Blide in die geiſtige Gigenthümlichkeit der Bölker
thun , wie keine audere Offenbarung des Menſc< Sprache, wie ſie jeht jelber von ver Wiſſenſchaft erſchloſſen wird, ein Schlühjjel
für die Geſchic der uns in die ſrüheſtie Gedanken-, Begriff8- und Vorſtellungskreije der Völker
einführt. = Das Material der Sprache iſt das Wort, welches dex im Laut
verkörperte Gedanke iſt. Jm Wort ſpiegeln ſich Begriffe und Vorſtellungen,
welche und wie ſie fich der Geiſt von der innern und äußern Welt macht. Die
Wörter verbinven ſich im Sprechen zum Saß, der ein kundgegebenes Urtheil
iſt, die Säöße nach vem innern Zufammenhang der Urtheile zur Rede. Leben-
dig wird vie Gprache im Munde des Vienſhen, und zwar im Laut, welcher ein
Erzeugniß dex Stimme iſt. Durch die verſchiedenen Sprachwerkzeuge,
(Stimmrite, Kohifopf, Gaumen, Zunge , Zähne und Lippen, Mund- und Na-
fenhöhle) werden die Sprachlaute auf vas Mannigfachſte modulirt und arti-
kulirt, auch hängt von der Beſchaffenheit derſelben die mehr oder minder voll-
kommene Reinheit ver Lautbildung (Deutlichkeit und Wohlklang in Stimme
und Ausjprache) ab. Alle Laute, deren die Sprache im Allgemeinen fähig iſt,
fommen nicht in jeder einzelnen Sprache vor; die meiſten aver haben alle
miteinander gemein ; nur wenige ſind ganz ſpeeifiſches Eigenthum einer
Sprache. Die Eintheilung derſelben und das Weitere über fie gehört nicht
mehr hieher.
Sprachunterricht in der Volköſchule. Kein Unterricht3gegenſtand der Ele-
mentarichule iſt ſo vielſeitig beardeitet, und man darf ſagen , ſo oft verkün-
ſtelt worven, al3 dex Sprachunterricht, und fortwährend ſehen wir Über die-
jen Gegenſtand neue Bearbeitungen erſcheinen, ein Ringen und Suchen, das
nur zu klar zeigt, daß das, was man anſtrebt, noch in weite Ferne gerüclt
und der Weg zum Ziele noh nicht klar gewvprden ſei. Vor nicht gar langer
Zeit laſen wir in einer Schuizeitung: „daß dieſer für die Volksſchule äußerſt
wichtige Gegenſtand troß der vielſeitigen Bearbeitungen und Vorſchriſten und
ungeachtet alier Bemühungen ver Lehrer ven Erwartungen am wenigjten ents-
ſpreche, und daß der Grund dieſer traurigen Erſcheinung in der Art und -
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