Sprachunterricht in der Volksſchule, 389
es, wenn auch ein kleines, bilden. Da aber jede Klaſſe aus zwei Abtheilun-
gen beſteht, ſ9 wird demnach die zweite Abtheilung den Miederholungscurſus
pilden, und ihr wird alles dasjenige nochmals vorgeſührt, was ſie das Jahr
vorber ſchon einmal angeſc Abtheilung. Wenn man zugibt, daß die fortwährende Wiederholung und
Jebung die Mutter alles Lernens iſt, jo wird man eine jolche Einrichtung an
einer Volks8-, namentlich) Dorſſ Zudem ließe ſich die Sache nach unſerer Einſicht an einer ſolchen Anſtalt auch
gar nicht anders machen. Wenn der Stundenplan für diejen Lehrgegenſtand
wöchentlich zwei halbe Stunden anſeßt: wie , jollten dieſe wenigen Augenblice
auch noch zerſplittert werden !? Finden wir auf den in pädagogiſchen Schrif:
ten und in den Jahresberichten mancher Anſtalten enthaltenen Stundenplänen
wöchentlich 20--30 Unterrichtsſtunden für eine Elementarklaſſe angeſeßt , ſo
iſt dieſes bei einer Schule mit nur einem Lehrer ein ganz anderes Ver:
hältniß: 10--12, jelten 15 Unterrichtöſtunden für eine Klaſſe wöchentlich
wird hier wohl das höchſte Maß jein.
. Die Unterklaſje. Von einer eigentlichen Sprachlehre (einem
grammatiſchen Unterichte) iſt in diejer Klaſje keine Nede. Was der Sprach?
unterricht hier zu leiſten hat, fällt mit den Lejeübungen, dem Anjhauungs:-
unterrichte und den Aufj niß und die Sprachfertigkeit, d. h. hier auf Uebung im richtigen Sprechen
(Sprechübungen) muß ver Lehrer fortwährend jein Augenmerk gerichtet ha-
ven. Dieſes kann, ja muß bei jedem Unterricht8gegenjtande , ganz beſonders
aber beim Anſchauungs8- und Lejeunterrichte geſchehen. Dieſe Sprech-
übungen ſind aber von zweiſacher Art. Entweder hat der Lehrer hauptſäch:
lih den Inhalt des Geſprochenen (die richtige Antwort) im Auge, oder er
ſieht mehr auf die Form (den geſprochenen Saß). Jenes iſt dann mehr
Sach-, dieſes mehr Sprachunterricht. Setzt man ſich letzteren Zwe vor,
ſo ſprechen die Schüler natürlich nur in leichten, einen einfachen Säßen
und werden na< den Theilen derſelben vom Lehrer oder von den beſſern
Schülern der zweiten Abtheilung dur theile geleitet zu werden. Da uns das ſo eben Geſagte von ganz beſon-
derer Wichtigkeit erj der Anſchauungsunterricht dem Sprachunterrichte dienſtbar iſt =- eine Seite,
der man biSher nur zu wenig Aufmerkjamteit gejchenkt, = jo wollen wir
die Sache von dem praktiſchen Standpunkte aus etwas näher beleuchten,
Wir greifen einen Theil auZ=dent Anſchamumungsunterrichte heraus, etwa
die Betrachtung der Haysiheile; es kommen dabei folgende Uebungen
vor : 1) Die Haustheile“ werden zuerſt erkannt, d. h. die Kinder werden
von Seiten des Lehrers unter Hinweijung auf den Gegenſtand oder durc<
geeignete Fragen ſo geleitet, daß ſie die Haustheile richtig benennen, welche
Namen nun an die Schultafel geſchrieben, darauf von den Schülern der
zweiten Abtheilung gelejen und bucſtahirt werden. 2) ES werden nun
Säße gebildet, wie: Das Zimmer iſt ein Haustheil. Das Fenſter und
der Laden ſind zwei Haustheile. Die Schüler der zweiten Abtheilung
bilden ſolche Sätze und fragen dieſelben durc<, ihre Fragen an die Kin-
der der erſten Abtheilung richtend. Wer iſt ein HausStheil ? --- Das
Zimmer iſt was? --- Wer iſt noc< ein Haustheil ? -- Das Fenſter
und der Laden ſind was? -- Hierauf Niederſchreiben ſolcher Säße. Dabei
darf der Schlußpunkt nicht überjehen werden, ebenſo nicht der Beiſtrich,
wenn drei oder vier ſolcher Säke in einen zuſammengezogen werden.
3) Die Schüler geben unter Leitung des Lehrers an: wie die Gegenſtände
(Haustheile) ſind. Die Eigenſ fel geſchrieben, geleſen, buchſtabirt und in Säße gebracht, wie: das Fen-

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