406 Städtiſche Erziehung, Gefahren verſelbei.
vielleicht allzuweit geht, wenn er das Kind ſich ohne Garten nicht denten
kann, jo iſt doch das. Unnatürliche der ſtädtiſchen Lebensweiſe, die die Kinder
ſür das Leben unbrauchbar macht und ihre Geſundheit untergräbt, eine
beklagenSwerthe Thatſache, Und welchen Mangel an Freiheit gegenühbex
den Schranken, welche der ſogenannte gute Ton, die ſeine LebenSart allen
Gefühlen und Empfindungen der Scele und allen Beengungen des Leibes
auflegt. Selbſt da, wo der Menſch ſich ungeſtört jeiner Freude hingeben
darf, in den erlaubten Vergnügungen, legt die Convenienz einen unerträg;:
lichen Zwang auf. Dazu kommt nv<) 7) der Luxus der Hequemlich-
keit und der Verguügungen, vie Kinder ſc (man denke nur an die Kinderbälle) und ihnen vie Lüge und die Sinnlich-
keit in das Herz pflanzt. Das ſind Zuſtände, an welc Eitelkeit, die Sucht, mit ihren Kindern zu glänzen und die allgemeine Ge-
wohnheit bindet. Beneke ſchildert die trojiloſe Situation vortrefſſtic dem er ſagt: „läßt man die Kinder an dieſen Zerſtreuungen und WVergnüg-:
ungen Theil nehmen, ſo verdirbt man ſie von Grund aus ; ſchließt man ſie
ganz davon aus, ſo werpen durc die Auſchauung aus der Ferne GEinbil:
dungskraft und Begierde meiſt nur um ſv höher geſpannt und die Aus-
Ihließung als Urecht cmpfünden. Die Zumuthung aber, daß die genuß:
und zerſtörungsfüchtige Zeit das um der Erziehung willen ändern, würde
als eine unerhörte Sonvderbarkeit angeſchen werden. Unter diejen Umſtänden
hat die Wiſſenſchaft keinen Rath zu ertheilen.“ Das ſchlimmſte aber iſt
8) der Mangel an Bildung des Menſchen dur< Menjchen, da
Kinder die Menſchen nicht in ihrer wahren Geſtalt kennen lernen, Feine
Jugendfreundſchaft ſchließen und häufig die Menſchen verachten lernen.
Da, wo man beſtändig genbthigt wird, ji) vor unbekannten und bekannten
Menſchen zu hüten, um nicht überliſtet zu werden, wo ein Nachbar den
andern Nachbar, der eine Hausbewohner den andern nicht kennt, wo keine
Familie an dem Wohl und Weh der andern Theil nimmt, wo man der
Pfliht gegen den Unglülihen durch einen regelmäßigen Beitrag an die
Armenkaſſe entbunden zu ſein glaubt, wo man nicht weiß, wer reich oder
arm iſt und im Aeußern der Unterſchied des Standes verſchwindet, wo
man in die Kirche geht, um ſich zu zeigen und das Theater als Erbau-
ungsmittel in Anſpruch nimmt, da kann der Menſ< den Menjc bilden, ſondern es ſchleifen ſich die Menſchen nur aneinander ab, in gleicher
Unwahrheit einander beſtärkend. So hat die ſtädtiſche Erziehung Gefahren,
welchen in ihrem vollen Umgange zu begegnen, leicht eine Unmöglichkeit
ſein dürfte. Hier nun legen ſi< der Schule ſowohl wie dem elterlichen
Hauſe Pflichten auf, die wir am ſchönſten darlegen, wenn wir wiederum
Kühner ſprechen laſſen, der ſagt: „Die Schule ihrerjeits muß es ver:
ſuchen, den außerhalb ſluthenden Neichthum an Bildungsmitteln in ſich auf-
zunehmen und in ein geregeltes Bett zu lenken; ſie muß um jo mehr Be-
ſchränkung und Vertiejung des Intereſſes fordern, je mehr dieſes durch die
Umgebung erregt und zerſplittert wird ; ſie muß um jo mehr Grujt der
Arbeit verlangen, je mehr der Flatteriinn auswärts Nahrung findet --
um ſo entſchiedener auf Gehorfam dringen, je mehr die Bande der Pietät
im Menſc weiſen , je mehr das Kind zum JIrdiſichen gezogen wird. =- Aber die um-
fangreichere Pflicht bleibt dem Hauſe zugewieſen. Die Familie muß jür das
Kind die kleine Welt werden, in der es der großen entrathen und vergeſſen
kann, die Heimath, in der es noh Natur und Freiheit findet, das heilige
Aſyl, in das die Unſchuld vor der Berührung mit der böjen Welt ſich
flüchtet; hier muß das Kind in Einfachheit froh jein lernen und auch am
hexpen Ernſt des Lebens ſich kräftigen können. Hier muß es die großen

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