488 Unvehohyenyeit. =- Unbeſtändigkeit,
kann dies aus zwei Urſachen fein : entweder wegen ſeiner Maſſenhaftigkeit,
vder wegen feiner Rohheit. Im erſten Falle iſt ex es aus VWlumpheit, im
zweiten Falle aus Schwerſälligkeit. Eberhard beleuchtet dieſe Exylication
mit folgendem Beiſpiele : „Die Gallionen der ſogenannten unüberwindlichen
Flotte Philipps 14. waren plumpe Niaſchinen und eben deßwegen ſ Yällig, jo daß jie zu unbehilflich waren, den behenden Manövern der
englijhen Schiffe auszuweichen. Gewandtheit und Behendigkeit ſtehen der
Unbeholjenheit gegenüber, und zeigen den langen und breiten Schatten, den
dieje wirjt. Der Unbeholjene iſi durch ſeine Tappigkeit lächerlich und durd)
jeine Langſamkeit und Ungeſchilichkeit verachtet ; er wird leicht roh, rath-
[08, und varum für edlere und höhere Beſchäſtigungen unbrau Grund genug, die Unbeholfenheit bei den Kindern nicht auffommen zu
laſſen. Sie findet zwar einige Ankfnüpfungspunkte ſ und Blut, in Temperament und Naturell, allein ſie findet deren noh weit
mehr in den Mißgriſſen , die bei der Erziehung gemacht werden. Man
verjäumt es oft, das Kind aun Selbſtthätigkeit in Dingen zu gewöhnen, die
es mit jeiner Kraft wohl beherrſchen könnte, und im Intereſſe ihrer Uebung
auch jollte; mon thut für vaſſelbe, was es mit Leichtigkeit, vielleicht mit
Freude ſelbſt thäte ; allmählig gewöhnt es ſich an vie ihm erwieſene Stell-
vertretung, bleibt aber dabei ungelenk und weiß ſich bei unbedeutenden Vor-
fommmnitjen nicht zu helfen ; es wird dann vordrofſen über das Mißlingen
eines Geſchäftes, oder über den Spott, dem es ausgeſeßt iſt, und entſchließt
fie) nur in der Notb zu etwas größerer (Gelenkigkeit unv Behendigkeit,
Wie mit den Geſchäften, geht es auch mit dem Betragen der Unbehol-
tenen. Wird der Zögling nicht in Allem wohl exercirt, was zu einem gute!
Betragen gehört, wird ihm nicht gezeigt, wie er vie Kopfbede>ung zur Be-
grüßung Höherſtehender abnehmen, wie er ſich in fremden Häuſern betragen,
wie er die Jieverenz in der Kirche machen müſje , jo bleibt er unbeholfen,
holzig und roh; denn es gibt verhältnißmäßig nur wenige Menichen, welche
nich ein beſjeres Betragen dur< Selbſibeohachtung und ein eigenes feines
Getühl zu erwerben fähig ſind. Cin Haupiſehler in der Grziehung beſteht
darin, daß man die Kinder. im Sprechen vernachläßigt ; hieraus folgt die
Unbeholjenheit im Reden, welche jo zu ſagen die Mutter jeder Art von
Unbeholfenheit iſt. Dies führt zu der Folgerung, daß die Kinder frühzeitig
ain richtiges und genaues Sprechen zu gewöhnen ſind ; duldei ein Lehrer
an jeinen Schülern, daß jie jich hauSbäac>ken und plump «ausdrücen, daß ſie
vor den Schulzimmern poltern und ſchreien, daß ſie flegelhaft auf ihre Siße
hineinrutichen , daß ſie die Zimmerthüre beim Aus- und Eingehen heftig
zuſc Rohheit. Er ihue wa3 in ſeinen Kräften ſteht, um ſie an eine gute äußere
Haltung zu gewöhnen, und lajje ſich gerne vie Winke geſallen, die ein gut ge-
bilveter Seeljorger ihm gibt. Auch priſe er öſter fein eigenes Verhalten,
ob ſich nichts in datjelbe eingeſchlichen habe, was weniger gefällig und
manierlich läßt, und ob er nicht ſelbſt in der einen und andern Beziehung
der Unbeholfenheit bereits verfallen ſei. Es geſchieht dies oft unvermerkt,
beſonders wenn man häufig, vielleicht täglich mit unbeholfenen Leuten ums-
geht; im Thun und Reden nimmt man nach und nach etwas von ihnen an.
Unbeſtändigkeit, Die Begriffe „Veränverlich,“ „Wankelmüthig“
und „Unbejtändig“ ſind nahe verwandt mit einander, und ſollen daher
aud) zuſammen erörtert werden. = (Sberhard drückt ſich über den Sinn
viejer Begriffe j0 aus : „VWeränderlich kann man von den Beſtimmungen
aller Arten von Dingen jagen. Unbeſtänvdig nur von den Beſtimmungen
einer Kraft, ſic mag eine körperliche oder geiſtige ſein. Das Verhältniß

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