Unnatur. = Unreinlichfeit dex Kinder, 503
poder wem man ihnen das Lernen vyrenthält, wo ſie deſſelben fähig ſind.
Sollte: es nicht auch Unyatur fein, ijatentvolle und talentloſe Kinder auf
gleiche Linie zu ſtellen und nach derjelben Schablone zu behandeln, wie es
heim abſoluten Schulzwang unvermeidlich iſt? Die Unnatur iſt demnach eine
"Vernachläſſigung, oder Verkennung, oder Verzerrung und Verkehrung der Natur
oder des Natürlichen. Daß auch heim Neligion3unterrichte unnatürlich
oder naturwidrig verfahren werden kann, ift bekannt; hier wie bei aller Unna-
iur bleibt jedoch die Rache nicht aus; daher wird der weiſe Katechet wie der
weiſe Lehrer und Erzieher ernſtlich) darauf achten, daß er in keiner Weiſe gegen
das verſtoße, was man „Natürlichkeit“ in der Erziehung und im Unterrichte
nennt, Zwar iſt es nichts Leichtes, hierin vas Nichtige immer und unter
allen Umſtänden zu treſſen, deun es läßt ſich oft nur annähernd erken-
nen, was naturgemäß oder naturwidrig iſt, d. h. was mit den Geſeßzen der gei-
zigen Entwieklung unter den gegebenen Verhältniſſen übereinſtimmt oder
nicht ; allein ſoweit kaun auch die Forderung, naturgemäß zu verfahre,
ſhon deßwegen nicht gehen, weil dent in die Natur eingedrungenen Lügen-
eiſte gar vſt widerſtanden werden muß, und man wird allen billigen An-
iprüchen genügen, wenn man ſich bei der Erziehung wie beim Unterrichte
von dem Grundjaße leiten läßt: die Entwicklung der Natur ves
Kindes nah den Anſhamnnngen zu leiten, welche mit dem
fatholijhen Glauben und hewährten didaktiſchen Regeln
übereinſtimmen. Dazu wird nun freilich erfordert, vaß man nicht nur
jene Anſchauungen mund Regein konne, jondern daß man genau wiſſe, wie
es mit ver natürlichen Entwielung ver Kinder und Zöglinge ſtehe, wofür
natürliches Geſchiä da ſei, wofür nicht; will man 3. B. bei einem Kinde
das Singen, das Spielen eines Jnſtrumentes, das Zeichnen 2c, erzwingen,
ohne daß es Anlage vazu beſißt, jv handelt man unverſtändig; doc< eben
ſo unverſtändig wäre es gehandelt, wem man dem Kinde mathematiſche
Formeln eintrichtern wollie, während es nov< Mühe hat , die einfachſten
Rechnungsexempel aus dem Leben zu löſen ; und nicht minver unverſtändig
wäre e38, den Kleinen vie Snadenlehre beizubringen, ehe fie noc< den Gna-
denſpender kennen gelernt haben. it Einem Worte: Unterricht und
- Erziehung müſſen ſich nacy vem Kinde, nach deſſen Anlagen, Neigungen 2c,
richten. Einem tüchtigen Lehrer wird es nie zu Sinne kommen, vas Kinv
in Abſtraktionen hineinzuführen, wv es doch nur ver Anſchauung fähig iſt,
Ebenſo wenig wird er ſich dur< krankhajſte Zuſtände deſſelben dupiren laſ-
ſen und ihnen das Recht ver Natürlichkeit zugeſtehen. Indem man aber
bei der erziehenden und unterrichtenden Thätigkeit Alles vermeidet, was na-
turwidrig iſt, müjſen die Kinver doch zugleich gewöhnt werden, die Begeh-
rungen ihrer Natur Andern gegenüber, insSbeſondere wv das Geſetz der
Ciebe es verlangt, zu beſchränken, und dies ſindet natürlich in der Schule
um ſo mehr Anwendung, -weil jeder einzelne Schüler, ob es ſeiner Natur
durchaus convenirt odey nicht, der allgemeinen Schulordnung ſich fügen muß.
Unterſcheidet der Erzieher immer richtig zwiſchen der guten und böſen Na-
tur, dann wird er nicht in's Unnatürliche abirren, ſondern die böſe Natur
zu beſſern, die gute zu vervollkommnen trachten.
Unparteilichkeit, 1. Parteilichkeit.
Unreinlichfeit der Kinder, Wenn die Reinlichkeit der Geſundheit ſehr
dienlich iſt, ſo verſteht ſich von ſelbſt, vaß ihr die Unreinlichkeit Schaden
bringt. Gegen die Unreinlichkeit wird man daher auch von Seite der
Schule eifern müſſen. Die Schulbehörden haben überall Vorſchriften dax-
über ertheilt, daß ſowohl die Shullokale als die Schüler ſelbſt rein-

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