504 Unreinlichkeit der Kinder,
lich zu halten ſeien. Muß man nun ſolchen Vorſchriften alle Anerkennung
zollen, ſv kann man entgegen nicht loben, daß ſie in Stadt- wie in Land-
jhulen mangelhaft befolgt werden. Selten findet man ein Schulhaus, vo |
es in Betreff der Reinlichkeit ſo ſteht, wie es ſtehen joll. Die Fenſter wer-
den des Jahres einmal und da meiſt oberflächlich) gereinigt. Das Auskeh.
xen wird in der Regel ſchlecht beſorgt , in den Winkeln bleibt der Unrath,
liegen. Das Abſtäuben geſchieht jo nachläßig, daß ein Fremder, ohne be:
ſung irgendwo hin-
legen kann. Die Wände , die Tafeln, das Kruziſix 2c. iſt tagtäglich mit
Staub bede>t. Freilich gibt es auch täglich Staub; aber den Staub lie:
gen 117nd ſich häufen laſſen, iſt eben Unreinlichkeit, die nur dadur< vermie:
den werden kann, daß man im Neinigen der Schulzimmer ſehr fleißig und
genau iſt. Oft wird diejes Geſchäft den Schulkindern überlaſſen, was wir
ganz billigen, indem dadurc< denjelben Gelegenheit gegeben wird, die Rein:
lichkeit zu üben ; nur müſſen ſie dabei überwacht und geleitet werden, da:
mit die Arbeit recht wird; es ſoll ihnen jelbſt daran liegen, daß ſie ein
reinliches Schulzimmer haben. Ebenſo wenig ſoll eine Unreinlichkeit auf
den Abtritten geduldet werden. (G8 wird von den Scuülgeſetzgebungen
nicht nur eine große, beſondere und unausgefeßte Auſſicht und Fürſorge
für Reinhaltung und Neinigung der gedachten Lokalitäten empfohlen , ſon:
dern =“- worauf beſonders zu achten -- als Bedürfniß erklärt. Man ſcheint
vorauszüſeßen, daß es in diejem Punkte beſonders fehle, und dieſe Voraus-
ſezung iſt in der That nicht ungegründet. Häuſig find die Abitritte in den
Schulhäujern jhlecht angelegt, die Senkgruben zu oberflächlich und ohne
Luſtzüge, die Siße unbequem, Deckel und Thüren nicht paſſend 26. Kommt
zu dem Allem die Nachläſſigkeit im Reinigen, die Unreinlichkeit von Seite
der Kinder 2c., jo wird man ſich ni Mephitis durch die Schulräume ſich verbreitet. Es bedarf jedoch zur Be:
ſeitigung jolcher Uebelſtände neben einer guten Conſiruction der Lokalitäten
weiter nichts als ſtrenge Aufſicht und fleißiges Reinigen. =- Ueber die Un-
reinlichkeit von Seite der Schüler hat man da mehr , dort weniger
zu klagen. Iſt die Unreinlichkeit zu Haus an der Tages8ordnung, jo wird
ſie von den Kindern, ohne deren Schuld, au allein wenn das Kind unreinlich iſt, jo muß es vom Lehrer darüber zur
Rede geſtellt werden, ob an ihm jelbſt oder an Andern die Schuld ſei ; die
Unreinlichfeit darf an ihm unter keinen Umſtänden geduldet werden. Es
hält zwar oſt recht j Jein und e3 geht, wenn dabei conjequent verfahren wird. Bei einzelnen
Fällen, die ſehr hartnäcdiger Art waren , ließ ich zuleßt ſo verfahren;
Kinder, welche troß mehrſacher vorausgegangener Erfahrung ungewaſchen
und ungefämmt in die Schule kamen, wurden von andern Schülern und
vor der ganzen Klaſſe =- in Beiſein des Lehrer38 =-, gewaſchen und ge-
tämmt. Diejes Experiment hat jedoch jo radical gewirkt, daß es bei einem
und demſelben Schüler nur Einmal angewendet werden durfte. Das von
Harnij< empfohlene Mittel , den Unreinlichen das thun zu laſſen, was
er verſäumte, z. B. ihn an den Brunnen zu ſchi>den, daß er ſich waſche,
reicht für alle Fälle niht aus. Jnsbeſondere foll der Lehrer darauf hal:
ten, daß die Schüler ihre Bücher und ſonſtigen Lernmittel nicht veruünrei-
nigen; er halte zu diejem Zwede öfter Viſitation und dringe bei den Mäd-
Lehrer -- darf freilich nicht den ſchmutzigſten Kittel in der Schule anha-
ben, und muß den Schülern an ſeiner eigenen Perſon ein Beiſpiel der
Reinlichkeit geben. Hat er eigene Kinder, welche die Schule beſuchen, ſo muß

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