Verſuchung, = 369
ver verderbten Natur und des Verhältniſſes der verderbten Individuen zu
einander ſowie des Urverderbers und Verſuchexs zum Menſchen. Ohne
dieſen leztern lajjen jim auch bei Kinvern keine Verjuchungen denken, d. i.
feine Anreizungen zum Böſen, denn er iſt, wie der Vater der Lüge , ſo
auch der Bater der Berjuchungen. Wird aber die Möglichkeit der Ver-
ſuchungen bei Kindern zugegeben, jo iſt auch die Nothwendigkeit, ſie dagegen
zu waſfſnen, angezeigt. Zuerſt muß freilich ihre eigene Willenskraſt geübt
und dem Böſen gegenüber in Thätigkeit geſeßt werden, weil es ohne die
freie Mitwirkung des Willens keinen Sieg über die Verſuchungen und keine
Siegeskrone geben kann. Allein damit ſich der Wille im Kampfe gegen die
Verjuchung mit Freude bethätige, jo dürfen folgende Vorſtellun-
gen Plaz greifen: a) die Vergegenwärtigung Gottes hebt den Muth und
- das Vertrauen zum Kampfe; an ſie muß daher das Kind gewöhnt werden,
um ſich ſtark gegen die Berjuchung zu fühlen, und um inne zu werden,
daß es ein Schauſpiel des Wohlgeſallens vor Gott und ſeinen heiligen
Engeln werde, wenn es kräftig und entſchloſſen der Verſuchung widerſtehe.
b) ES ſoll jich des Zuſtandes der erlangten Gotteskindſchaft oft und leb-
haft bewußt werden und ſich unter der Hut und Gnade des Höchſten wiſſen,
der es ſo unterjtüßen will, daß es nicht in Verſuchung fällt und im
Streite gegen ſie beſtehen kann. Es joll alſo in der Berſuchung die Hand
Gottes ergreifen, die e8 ſicher führen werde. c) Es8 darf auch des Lohnes
gedenken, den Gott den Ueberwindern der Verſuchungen verheißen hat, und
den es in der Stählung jeiner ſittlihen Kräfte, die dur< die Nieder-
fämpfung der Verjuchung erfolgt, ſowie in dem Gefühl der gegen Gott
bewieſenen Treue und in der ewigen Beglüdung erlangt. Sodann ſollen
dieſen Vorſtellungen heiljame Uebungen ſich anſchließen, insbeſondere :
2) ſoll man auf Verjuchungen gefaßt ſein, da wir uns ohne dieſelben kein
Menſchenleben denken können; der erſte und der zweite Adam wurden ver-
jucht, und es darf daher kein Menſc Stücke anſprechen. Das Gefaßtſein auf die Verſuchung iſt ſhon eine halbe
Schußwehr gegen deren Gefährlichkeit. b) Die Zöglinge müſſen erfahren,
daß es Berfuchungen gibt, denen man ſich durch die Flucht allein nicht ent-
ziehen kann, jondern gegen die das Schwert der Gottesfur Glauben3muthes geführt werden muß. Daher möge mit den Kindern von
Zeit zu Zeit ein Act der Starkmuth geübt werden, um ſie an den Gedan-
ten zu gewöhnen, daß ihr Erdenleben ein faſt ununterbrochener Kampf
gegen die ihrem Heile feindlihen Mächte iſt. c) Weil im Beiſpiele Jeſu
für alle mit ihm in Lebens8gemeinſ den Verjucher genau vorgezeichnet iſt, jo muß daſſelbe den Zöglingen oſt
vor die Augen geſtellt werden, damit ſie lernen, wie ſie ſich gegenüber jedem
Anfalle der Verſuchung zu benehmen haben. Da die Verſuchung Jeſu die
drei Hauptkategorien von Verjuchungen in ſich ſchließt, ſo läßt fich an ihr
der Unterricht darüber und die Uebung der entſprechenden Entſchließungen
ſehr zwe&mäßig vornehmen ; damit joll zugleich die Ermahnung verbunden
werden, der Verſuchte möge im Augenblicke der Gefahr zu Jeſus , dem
Veberwinder des allgemeinen Verſuchers, ſeine Zuflucht nehmen. d) Wie
man das Vertrauen auf die Hilfe Gottes erweden foll, ſo darf es anderer-
ſeit3 nicht daran fehlen, daß ſich die Kinder ſelbſt mißtrauen lernen, um
nicht vermeſſen, ſondern jorgfältig in der Demuth und dem Gebete geübt
zu werden. -- Die Verſuchungen, welche während der Erzieh-
ungs8periode vorkommen, gehören, wie alle, dem Gebiete der Augenluſt,
Jleiſhesluſt und Hoffarth des Leben3 an. Welcher Art dieſer Verſuchungen
ein Kind am leichteſten und am meiſten ausgeſeßt iſt, muß der Er-
zieher wiſſen. damit er die Zöalinge im Kampfe daae.«en leiten kann. Was

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