570 ; Verſuchung, -=- Verträglichkeit,
zunächſt die FleiſhesSluſt und die Verſuchungen dazu betrifft, jo weit
man allgemein, daß die Genußſucht den Kindern ſehr nahe liegt ; vor
herrſchende Sinnlichkeit, die Entwicklung des leiblichen Lebens 2c. führe
ohne Abſicht und ohne Fehler in der Erziehung leicht darauf, weßwege]
hier ein wachjames Auge nothwendig iſt; denn jobald ſie einen ungebühr:
lihen Vorſprung erlangt hat, wird ſie zur Mutter der gefährlichſten Ver:
juchungen für die Jugend. In Hinſicht der Augenluſt ſind Kinder gleich:
jals nicht frei von Verſuchungen, in die ſie aus Mangel guter Erziehung
häufig geführt werden ; wozu läßt ſich ein Kind zuweilen hinreißen, nur um
ein gewiſſes Kleidungsſtüä oder ein Spielzeug zu bekommen ! Man ſchwäche
daher namentlich die Habgierde, und man wird dadurch einer Menge von
Berjuchungen den Reiz genommen haben. Mit der Hoffarth des Le.
dens (Ehrjucht 2c.) hat es bei Kindern noch weniger Gefahren ; dennoch
jireben auch ſie darnach, zu gelten, Beifall zu ernten, gelobt zu werden,
Und der Erzieher darf daher auch hier ein wachſames Auge haben ; denn
an Verſuchungen zur Hoſſarth fehlt es den Kindern nicht, wenn auh die
daraus entſtehende Gefahr für den erſten Anfang no< unbedeutend ſcheint
oder gar in einer gewiſſen Lieblichkeit auftritt.
Vertrüglichkeit. Dieſe geſellige Tugend, welche zugleich) eine Tugend iſt, darf auch im Kinderkreije nicht fehlen, und es iſt für das
Leben eine3 jeden Kindes von großem Werthe, vaß es in ſeiner früheſten
„ZUgend daran gewöhnt werde, Anderer Fehler, Launen und Eigen:
thümlichteiten friedlich zu ertr agen, gemäß der apoſtoliſchen Lehre:
„Die Liebe trägt Alles.“ Die Schule iſt ſehr geeignet, unverträgliche Kin-
der an Verträglichkeit zu gewöhnen. Sie müſſen ſih an andere Kinder
anſchließen, müſſen ſich fügen und etwas gefallen laſſen. Auch hat es der
Lehrer in ſeiner Gewalt, den Unverträglihen niht nur zu beſchämen, ſon:
dern durc< Jjolirung zur Selbſtverleugnung zu nöthigen. Choleriſche Tem-
peramente und hochmüthige Charaktere neigen leiht zur Unverträglichkeit
hin. Sie müſſen daher beſonders beaufſichtigt und geleitet werden. Die
Hinweijung auf die Nachtheile der Unverträglichkeit genügt nicht, wohl aber
die Pflege des Schwäden der Anderen gerne duldet und ſie, ſoweit e8 ihr möglich iſt,
in Güte zu verbeſſern ſucht. „Du mußt dich vertragen, weil Gott es
haben will,“ jei hier der leitende Erziehungsgrundſaß. -- Von ganz be-
jonderer Wichtigkeit iſt die Verträglichkeit de8 Lehrers gegen ſeine
Vorgeſetzten. Er ſoll etwas von ihnen ertragen können, eingedenk, daß
gewiß auch ſie etwas von ihm zu tragen haben, wenn er es ſchon nicht
meint. Er hat ſich zwar kein Unrecht gefallen zu laſſen, aber er ſoll auch
an ihnen feines üben ; er ſoll ihren Anordnungen mit Ruhe und ohne Un-
math nachkommen ; nicht jede Frage, jede Weiſung auf die Goldwage legen
oder unfreundlich darüber werden ; er ſoll auf eine friedlihe Stellung zu
denjelben großen Werth legen, es überhaupt mit ſeiner eigenen Perſon im
Punkte der Verträglichkeit ſo halten, wie er e3 von ſeinen Schülern, Zög:
lingen, oder auch von ſeinen eigenen Kindern verlangt. Die ihn auf den
rechten Weg führenden oder darauf erhaltenden -=- hinſichtlich der Verträglichkeit =- in der Nachfolge Chriſti Buch 1. Kap,
16. j<ön dargelegt ; möge er ſie oft beherzigen ! Die Ruhe ſeines Herzens,
der Friede ſeines Lebens können dabei nur gewinnen. Daſſelbe muß auch
dem Geiſtlichen gejagt werden, der durch ſeinen Beruf mit Lehrern in
Verbindung ſteht. Gerade ſein Beruf legt ihm ein noh größere8 Maß von
Verträglichkeit auf, als man es von anderen Leuten fordert. Ja, ex ſoll :
eben das Vorbild, der lebendige Ausdru> der Verträglichkeit ſein, und die

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