Verträglichkeit, =- Verwegenheit, =- Vierthaler, Franz Michael. 571
Menſchen, mit denen er in Berührung kommt, in ſolher Güte tragen, wie
Jeſus ſeine Jünger und alle Menſchen getragen hat, ivomit indeß keines-
| wegs geſagt iſt, daß er gegen die Fehler, Verirrungen, Gebrechen und Un-
'vevnungen oder Ungehörigkeiten jeiner Umgebung gleichgiltig ſich verhalten
dürfe, nein, indem man ihm die Verträglichkeit empfiehlt, will man ihn
nicht untreu gegen ſeine Pflicht, ſondern ruhig, friedlich, liebreich dem gegen-
iber machen, was ſich nicht ändern läßt.
Verwahranſtalten, |. Rettungsanſtalten.
Verwahrloſte Kinder, 1, Rettungsanſtalten.
Verwegenheit. Es wird Niemanden einfallen, einen muthigen, ke>en
Sinn an der Jugend für unanſtändig zu halten und gewiß würde jeder
Erzieher übel thun, wenn er die Aeußerungen deſſelben, wäre es auch nur
aus Aengſtlichkeit, der Zögling möchte ſim beſchädigen, unterdrü>en wollte.
Der Knabe und der Jüngling müſſen ſich ſelbſt etwas zutrauen, ſie müſſen
/ ihrex Kraft ſich bewußt werden, ſie müſſen etwas wagen und wenn auch
einmal ein paar Beulen oder ſonſt eine derbe Nachwehe dabei herauskommt.
Pebergroße Vorſicht , die den Knaben ſtets an der Leine halten will, macht
venſelben fur das Leben. Von dieſer Herzhaftigkeit und Kecheit, die wir allen Knaben
wünjc keit, welche Dinge unternimmt, denen die Kraft nicht gewachſen iſt, und
welche die phyſiſchen Schwierigkeiten nicht berechnet. Einer fol wegenheit wird man durch ewiges Mahnen und beſtändige Warnungen nicht
abhelfen und wir kennen kein beſſeres Gegenmittel, als die ſyſtematiſche
Ausbildung der körperlichen Kräfte -durc< eine regelmäßige Gymnaſtik, bei
welcher der Jüngling der Geſjeße ſich bewußt wird, nach welchen gehandelt
werden kann, und wobei derſelbe von kleinern zu größern Wagnijſſen fort-
ſchreitet , bis er auf eine unſchädliche Weiſe erprobt hat, wo die Leiſtungs-
fähigkeit ſeiner Kraft aufhört. Eine ſolche genaue Erkenntniß, welche weiß,
was und wieviel das Jndividuum ausrichten kann, wird allein den ver-
wegenen Sinn in ſeine gehörige Schranke zurückweiſen.
Verweiſe, ſ, Lob und Tadel.
Verzärtelung, |. Abhärtung.
Vielerlei, |. Einerlei und Vielerlei.
Vielwiſſerei, ſ. Extenſive Bildung, intenſive Bildung.
Vierthaler, Franz ; Michael (nicht Franz Joſeph, wie anderwärts irr-
thümlich zu leſen in, wurde am 25. September 1758 geboren und zwar
zu Mauerkirhen in Oberöſterreich. Seinen erſten Unterricht, den er im
Stiſte Michaelbeuren erhielt, ſeßte er in Salzburg fort, und ſtudirte
hierauf Philoſophie und Juri8prudenz. Vor Allem aber zogen ihn die
laſſiſ die Lectüre derſelben ſi< erworben, empfahlen ihn ſ dienzeit als Privatlehrer und verſchafften ihm 1783 ein Stelle als Lehrer
in der Hochſürſtlichen Pagerie und dem damit verbundenen Virgilianum,
einem adelichen Erziehungsinſtitute. Dieſe Anſtalt ſtand in feiner beſon-
dern Blüthe , namentlich ſcheint dieſelbe nicht in einem zwe>mäßigen Ver-
hältnijje zur damaligen Univerſität, jezigem Lyceum geſtanden zu haben,
denn Vierthaler klagt, daß weder. die Edelknaben noh die Zöglinge des

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.