572 Vierthaler, Franz Michael.
Virgilianums die Vorleſungen über Welt- und Menjchengeſchichte , welche
an der Univerſität gehalten werden , beſuchten und daß die Kavaliere in
diejem jo wichtigen Zweige der menſchlichen Bildung beinahe ganz unwiſ.
ſend ſeien. Gr erhielt nun vom damaligen Director des Virgilianums
Herrn von Dippold, ven Auftrag, ein Compendium der Weltgeſchichte zu
jehreiben, und auf Grundlage deſſelben Vorleſungen in ſeinem Inſtitute zy
halten, und verfaßte dieſes Compendium auch) wirkli<; er konnte ſich abey
nicht entſchließen, e8 drucken zu laſſen. Dagegen erjhien 1787 der erſte
Band ſeiner philoſophiſchen Geſchichte der Menj ker, welche er 1790 mit dem fünften Bande endigte, nachdem er dieſelben
bis auf Alexander den Großen fortgeführt hatte. Mit großer Vorliebe
hatte Vierthaler die Sokratifer ſtudirt und begonnen, an einer Bio.
graphie des Sokrates zu arbeiten. Dies kam ihm, wie er ſelbſt geſteht,
bei dem Abfaſſen diejes Werkes zu gut. Dieſe Bekanntichaft mit den Sy:
fratikern empfahl ihn auch, und als der letzte Fürſtbiſchof Hieronymus,
Graf von Colloredov 1789 ein Schullehrerjeminar errichtete, jo wurde Vier:
thaler 1790 Director dejjelben. Er mußte nun in vie Erziehungswiſſen- |
ſchaft im Allgemeinen und in die Volksſ Es erſchienen deßhalb mehrere prattiſche Schriften von ihm, insbejondere
1790 Elemente der Bädagogik und Methodik, welc zweite und 1823 das lekte Mal aufgelegt wurden, Es iſt dieſe Schrift
ein praktiſches Handbuch für Lehrer und, wie der Verfaſſer es ſelbſt be.
zeichnet, ein Aggregat von Grundſäßen und Materialien, aus8gehoben aus
den beſten damals bekannten pädagogiſchen Schriftſtellern mit beſtändiger
Rücfſicht auf das tägliche Bedürfniß eines praktiſ erſchien von Vierthaler ein Entwurf der Erziehungskunde zum Ge-
brauche bei feinen Vorleſungen. 1804 erſchien: Geſchichte des Sul-
weſens und der Cultur zu Salzburg. Erſter Theil. Salzburg 1804.
Duypyle. Dieſelbe geht vom heiligen Rupert und der Einführung des
Chriſtenthums in Juvavia bis auf den Erzbiſchof Mark Sittich, alſo bis
auf 1611. Dex zweite Theil iſt aber nicht erſchienen. Vierthaler38 Haupt-
wert, welches auch von Proteſtanten ſehr geſchäßt wurde , iſt aber: Geiſt
der Sokratik, welches 1793 das erſte und 1798 das zweite Mal ex-
Ihien. Die ſogenannte Sokratiſc Ste&enpferd der damaligen Zeit, hauptjächlih von den Philanthropiniſten
(j. d. A.) gepflegt, welchen ſie freilich beſſere Dienſte leiſten konnte, da die:
jelben nur die Erfenntniſje einer natürlichen Religion in den Unterricht
aufnahmen. BVierthaler zeigt nun, wie Sokrates ſich des Dialogs bediente,
um ſeine Schüler zur Srkenntniß zu bringen, und welches das Weſen
der Sokratik iſt, das nicht bloß darin beſteht, daß man den Unterrichts:
ſtoff in Fragen und Antworten einkleidet, An den Gleichniſjen und Pa-
rabeln des neuen Teſtamentes zeigt er dann, wie Chriſtus dieſelben vorge-
tragen und wie er ſich mochte der Sokratiſchen Lehrweiſe bedient haben.
In demſelben Jahre 1790, in welchem Viertyaler ſeine Stelle als Director
des Schullehrerjſeminar3 antrat, erhielt er auch den Auſtrag, im erzbiſchöf-
lihen Seminare Vorträge über Pädagogik und Sokratik zu halten und 1793
wurde er zum Profeſſor der Pädagogik an der Univerſität in Salzburg
ernannt, was um ſo ehrenvoller für ihn war, da ex Laie und nicht Prieſter
war. 1803 wurde ihm die Leitung des Schulweſens im geſammten (jezt
öſterreichiſchen) Herzogthum Salzburg überiragen. 1806 erhielt er einen
Ruf als Director de8 Waijenhauſes nach Wien, wo er am 3. October 1827
ſtarb. Sämmtliche Schriften, mit Ausnahme der Geſchichte des Schulwe- -
jens, find bei Mayer in Salzburg erſchienen,
Vittoriuo von Feltre, [. Feltre.
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