Volksſchule, Aufgabe derſelben. 581
nämlich) an fünf Wochentagen zwei Stunden für ſich und eine Stunde lang
gemeinj Combination ließe ji durch den gemeinſchaftlichen Unterricht der erſten und
zweiten Klaſſe treffen. Wir mögen aber -- bei einer Eintheilung in drei
Klaſjen =- combiniren, wie wir wollen, ſo werden wir nie zu mehr Lehr-
ſtunden, als zu fünfzehn Unterrichtsſunden kommen, wovon überdies ungefähr
fünf durch ſtille Beſchäftigung der Kinder ausgefüllt werden müſſen. Und ſo
ſtehen wir denn in der Schule, an der nur ein Lehrer angeſtellt iſt, immer
bei zehn eigentlichen Lehrſtunden. Aber es gibt Schulen, in welchen die
Kinder jowohl am Vormittag, als am Nachmittag die Schule beſuchen
müſjen. Hier bringen wir es zu zwanzig Lehrſtunden, denn gegen mehr wird
im JInterejje der leiblichen Entwicklung der Kinder doch jeder vernünftige
Mann proieſtiren. Von dieſen zwanzig Lehrſtunden fallen wenigſtens fünf auf
ſchriftliche Uebungen und bleiben noch fünfzehn Stunden für den mündlichen
Unterricht übrig. Wenn wir nun dem Religionsunterricht vier, und vem
Geſange nur eine Stunve widmen , ſo bleiben uns für Leſen, veutſche
Sprache, Schreiben, Rechnen, Geſchichte, Geographie, Naturgeſchichte, Na-
turlehre und Zeichnen nur zehn Stunden Übrig. Hier nun liegt ein nie
zu beſeitigendes Mißverhältniß vor, das ſelbſt dann beſtehen bleibt, wenn
wir für die Realien nur je eine Stunde wöchentlich anſezen. Dagegen
muß doc< bemerki werden, daß das Zeichnen nicht unvedingt in die Volks-
jule gehört, weil in manchen Schulen kein einziger iſt, der dieſen Zweig
des Wijjens praktiſch verwerthen kann, weil die meiſten Schüler gar keine
Anlagen zum Zeichnen haben, unv weil viele ware und intelligenie Lehrer
jelbſt nicht zeichnen können. Iſt es ungleich gut, wenn ver Lehrer in freien
Stunden freiwillige Schüler im Zeichnen unterrichten kann, und gehört das
Zeichnen in das Scullehrerſeminar, ſo gehört es doh nicht in die Volks-
jmule. Was aber die Realien betriſſt, ſv kann in einem gut eingerichteten
Leſebuch joviel von der Geſchichte, Erdkunde, Naturgeſchichte und Naturlehre
aufgenommen werden, als für jeden Volksſhüler zu wiſſen nothwendig iſl.
Daß dabei die Bildung des Geiſtes und des Gemüthes darunter leiven
würde , das iſt um ſo weniger zu befürchten, als man in ver neueſten>Zeit
ſich hinlänglich überzeugt hat, daß auch fehr trodene Materien fich voch auf
eine geiſtreiche Weiſe behandeln laſſen. Während demnach überall ſich uns
Schwierigkeiten zeigen , ſobald man eine ſyſtematiſche Behandlung ver Rea-
lien verlangt, und eine wirkliche Ueberfütterung vorliegt, ſo ergibt ſich voch
ein höchſt genügendes Reſultat , ſobald wir den großen Rahmen der Else-
mentarkenntniſfe : Leſen, Schreiben und Rechnen feſthalten. Dem Leſen
müſſen nothwendigerweiſe Anſchauungs- und Sprechübungen vorausgehen ;
an dieje ſchließt ſich die deutſche Sprachlehre an, welche in vie Aufſatlehre
ausläujt. Mit den Leſeübungen werden die Shreibühungen verbunden, iwie
mit den grammatiſchen die orthographiſchen und ſtyliſtiſchen Uebungen.
Das, was aus den Realien durchgenommen wird, wird. nicht mur durch
Abfragen und Erläutern, dur< Wiederholen und Erweitern das geiſtige
Gigenthum der Kinder, ſondern hauptjächlih auch durch ſchriftliche Repro-
duction. Der Nechenunterri bequem bis zu den Geſellſ jelben die unumgänglich nothwendige Lehre von den Decimalen tüchtig
dur graphie ſic) erheben und den Schüler befähigen, ven Grund zu einer ſchönen
Handſchrift zu legen, welchen er ſpäter noch vervollkommnen kann. Einer
jhönen Handſchrift aber verdankt der Menſc< häufig cher ſein Fortkommen,
als einer Menge von zuſammengewürfelten Kenntniſſen, die nicht unter ſich
in organiſcher Verbindung beſtehen, im Laufe der Zeit wieder theilweiſe dem

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