Waiſenerziehung und Waiſenhäuſer. 595
vie MagiſiratSperſonen waren verpflichtet, darauf zu ſehen, daß die Fami-
(ien nicht ausſtürben, und deßhalb ſür die Waiſen und die Frauen zu ſor-
gen , die ji) nach vem Tode ihrer Männer für ſchwanger erklärten. Bei
den Römern ließ erſt Nerva (96 n. Chr.) in den italieniſchen Städten die
Waijen beiderlei Geſchlechtes, welche von freien, aber armen Eltern ge:
horen wurden, auf öffentliche Koſten erziehen. Daſſelbe thaten Trajan und
Hadrian. M. Autonius Antoninus dehnte dieſe Wohlthat auch auf
die Kinder derer aus, die ſic< erſt neulich zu Nom angeſiedelt hatten. Die
Kinder der Skiaven waren natürlich Eigenthum des Herrn , der ſie für
ſeinen Dienſt oder zum Berkauf aufzog, wenn ſie geſund und tauglich
waren, während man die mißgeſtalteten oder ſc Jsraeliten allein finden wir vie Sorge für die Waiſen wie die für.
die Wittwen als ein religibies Gebot. Der Herr ſelbſt ſchaffet Recht den
Waiſen. 5 Mo). 10, 8.; verflicht war ver, welc jings8, der Waiſen und ver Wiitwen verkehrte. Job rühmt ſich deſſen,
daß er jeinen Biſſen nicht allein gegeſſen, ſondern daß die Waiſen mitge-
geſſen, während Anveve ſogar den Eſel der Waiſen wegtrieben. Hiob 31,
16. 17, 22. Beim Foſie dep Laubhütten ſollen auch die Waiſen miteſſen.
3 Moj. 22, 22. Im Chriſtenthume war kein Hilfsbedürftiger von
der Liobo aunsgeſchloſſen , wie hätten da die Waiſen vergeſſen ſein können ?
Der Apoitel Jakobus nennt das Beſuchen der Wittwen und der Waiſen
in ihrer Trüdtal einen reinen und unbeflecten Gottesdienſt. Jak. 1, 17.
Die bei den erſton Chriſten beſtehende theilweiſe Gütergemeinſchaft kam
auch den Waiſen zu Gute, die, wie die Wittwen, ihren Theil von den
Diafonen erhielten, Gpäter erhielten dieſelben einen beſtimmten Antheil
yon den Naturalien, die geopiert wurven. Tertullian ſagt, daß bei den
Zuſammeinfüniten der Chritten ein Jever gegeben habe, ſoviel er wollte
und fomtte, nicht zu Gaſtoreien, ſondern zur Erziehung der Wittwen und
Waiſen , zur Ernährung alter Dienſtboten, für Sciffbrüchige , für Ver-
bannte, für Gefangene umu für die, die in den Bergwerken arbeiten muß-
ien. Gottes ür die in die marinorien Been an den Kirchen gelegt wurden, Vathen - und
Glternjielle. Gregor von Nazianz erzählt von ſeinem Vater, daß er
ich vieler Watten angenommen habe. (Lpist. ad Nemesium) Gregor
der Große beſchränkte die Sorgfalt für die Waiſen nicht auf Rom, ſon-
dern Ichidte Legaten bur) ganz Italien, um vie Sorge für die Waiſen in
ſeinem Namen zu Übernehmen. Die erſten Waiſenhäuſer (orphanotrophia)
finden wir jhoin zur Zeit ves Kailers Conſtantin, vorzüglich aber zur
/ Zeit des Kaijers Juſtinicen (Cvagrius Kirhengeſchichte 111, 12). Zwi-
ſchen 3390 und 337 wurde das erite Waiſenhaus in Conſtantinopel
errichter md war Zoticus voijon Vorſteher. Seine Nachfolger waren
„Ricon imd EScmpion, In Nom ſtiſtete Gregor der Große (590) ein
'Orphanotroph , aus welchem deſſen Sängerſchwle hervorging. Sonſt wur-
den die Waiten in den Xenopochien (Fremdenherbergen) mit den Frem-
den und Armen ernährt. Die Kaiſer Leo (457) und Anthemius (467)
beireiten dieje Anſtalten von don gerichilichen Koſten und Förmlichkeiten.
Die Kir der Geijtlichen an; die Capitylavien geben denſelben die Biſchöfe zu Defen-
ſyven (iv. V, 182.); fie wollen, daß die Comitos, vie Missi Dominici und
die Biſchöfe mit einander wirkon, um denſelben vas Nothwendige zu reichen.
'Gie ſtellen die JInteroſſen der Waiſen mit venen der Kirche ſelbſt zuſam-
en, und jhärfen überall die Pflicht ein, ſie zu ſchüßen und zu verthei-
digen. Die Capitulavien (13, 29.) unterſcheiven ſchon die Waiſenhäuſer von
den Findelhänſern, Unter den jeht noch boſtehenden Waiſowhönforn

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.