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Wißbegierde. --+ Wittmann, Michael. 829
Wißbegierde iſt indeß keime leichte Sache; denn das Kind von ſechs
J bis vierzehn Jahren kann den Werth des Mißjens iio< nicht ermeſſen;
j es rechnet und denkt niht js weit; eine Intereſſen liegen nicht in der
Zukunft, ſondern in der Gegenwart. Deßungeachtet muß ſeine Wißbe-
gierde angeregt werden, jo weit dies möglich iſt. Solcher Anregung dient
eine geſhi>te und die GeiſtesStkräfte der Kinder reizende und befriedigende
Behandlung der Unterrichtsgegenſtände ; die Zuſriedenheit mit erzielten
1 Fortſchritten, die Hinweijung auf noch zu erreichende Ziele, Belobungen
und Belohnungen. E38 darf endlich die Bemerkung nicht fehlen, daß das
Strehen nach, immer größerer Erkenntniß eine eben ſo heilige und ſtrenge
Pflicht ſei, als das Streben nach ſittlicher Vervollkommnung.
Wittmany, Michael, wurde am 22. Januar 1760 auf dem Finkenham:-
mer , einem Ciſenhammergute nächſt dem Städtchen Pleyſtein in der Ober-
yfalz geboren. Beim Pfarrer des Nachbarortes Miesberg erhielt er den
erſten lateiniſchen Unterricht ; dann kam er in die Lateinſchule und an das
Gymnaſium nach Amberg, das von Jeſuiten geleitet wurde. Da er vor-
züglihe Fortſchritte machte und jein ausgezeichnetes Betragen ihn nicht
minder würdig machten, erhielt er im Seminarium Carolinum zu Heidelberg
einen» Freiplaß und erwarb ſim das Doctorat der Philoſophie und das
Baccalaureat der Theologie. m Speyer erhielt er als Studioſus ſc die heiligen Weihen mit Ausnahme des Presbyterat8, welches ihm am
91. December 1782 ertheilt wurde. Er trat nun als Hilfsprieſter in die
Seelſorge, wurde aber jchon 1788 Subregens und 1802 Regens des fürſts
biſchöflichen Seminars in NRegensburg und geiſtlicher Rath. Als Subregens
übernahm er noh die Paſtoration des Militärkrankenhauſes und eine Pro-
feſſur am Lyceum. Als Regens war er achtzehn Jahre zugleih Doms
yfarrer aber ohne Gehalt und hatte die jchweren Kriegszeiten durc in denen Regensburg belagert wurde und Typhus und Nervenfieber re-
gierten. 1821 wurde Wittmann Canonicus und 1829 Weihbiſchof, Dom-
propſt und Generalvicar. Nach Sailers Tode ernannte ihn König Ludwig
zum Biſchofe, aber er erlebte ſeine Inthroniſation nicht. Er ſtarb am
8. März 1833, nachdem er zwei Monate vorher noh jein fünfzigjähriges
? Prieſterjubiläum gefeiert hatte. Wittmann hat einige wiſſenſ Schriften hinterlaſſen, namentlich eine Ueberſezung des neuen Teſtamentes,
welhe zum Preiſe von 18 kr. in mehr als 74000 Exemplaren verbreitet
wurde. Auch einen Beichtvater für das jugendliche Alter gab er
in lateiniſ von Weßer und Welte, daß Wittmann keinen Biographen gefunden habe,
fällt jeht hinweg, da er zwei gefunden: Mittenmüller, Leben und Wir-
ken des frommen Biſchofs M. Wittmann, Landshut 1859, und F. X. Hahn,
Biſchof Michael Wittmann, das Bild eines frommen und ſegensreichen
Qebens, RegenSburg 1860, Manz. Wittmann iſt insbeſondere ein erha-
henes, man kann ſagen unübertreffliches und unübertroffenes Muſter eines
Religionslehrers. Die Treue und die Gewiſſenhaftigkeit, mit welcher er dieſen
Functionen oblag, ijt wahrhaft rührend. Er kannte alle jeine fünf bis
ſehShundert Schulkinder beim Taufnamen und kümmerte ſich um die klein:
ſten Einzelnheiten. Er war Kinderfeeljorger. „Jec< muß /“ ſchreibt
er, „von jedem Schulinde wiſſen, wie es mit ihm ſieht 1) im Morgen«,
Abend - und Tiſchgebet, 2) im Hausfrieden, 3) in der Bewahrung der
häuslichen Zurücgezogenheit, 4) in ſeinen Hansgenoſſen und Geſpielen,
5) in feiner Arbeit und Nahrung, 6) in der Länge des Schlafes, 7) in
den Fehlern der Anusſprache, 8) in der Lagerſtätte over den Betigefährten.“
In einem Alter von achtundſechzig Jahren, zwei Jahre, bevor er Weih-

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