630 Witimann, Michael. -- Wortſpiel,
biſchof wurde, nahm er ſich noch vor , täglich mit drei Kindern Privatun-
terredung zu halten. A18 der Miniſter des Innern, der Freiherr von Schenk,
im Jahre 1829 ihm ſagen ließ, ex werde zu einer beſtimmten Stunde vom
Lande nach Negen3burg kommen, um ihn kennen zu lernen, ſchrieb Witt.
mann zurüd, er bedaure ſehr, aber er habe nm dieſe Stunde Chriſten.
lehre in Stadt am Hof und könne ſie nicht ausſeßen; er bitte dahex
um eine andere Stunde. Er gab, bis er Weihbiſchof wurde, wöchentlich den
Kindern ſiebenunddreißig Religionsſtunden , und ließ überdies jec lang eine Mädchenſchule dur einen ſeiner Cooperatoren vollſtändig beſor-
gen, bis er Lehrerinnen herangebildet hatte; wie denn auc< die armen
Schulſchweſtern (ſ. d. A.) ihm und ſeinem Freunde Sebaſtian 3ob,
Hofſkaplan und Beichtvater der Kaiſerin von Oeſterreich, ihre Entſtehung
verdanfen, Beſonders verdoppelte er ſeinen Eifer vor der erſten heiligen
Kindercommunion und hielt jeweils mit den Erſtcommuniconten achttägige
Exercitien. Ueber 70,000 Kinder unterrichtete er ſelbſt. Dabei verband
ex Liebe mit dem Exnſte und Ernſt mit der Liebe, und obwohl er ſagte:
„Dem Satan in den Schulkindern will ic) nicht mit Zorn und Sclägen
widerſtehen, ſondern mit Gebet und Thränen ,/“ ſo griff er im Nothſall .
do< jelbſt zur Ruthe oder zum Röhrchen. Ebenſo groß, wie ſein Eifer :
um das Seelenheil der Schulkinder, war ſeine Mildthätigkeit, da er Alles |
was er hatte, an die armen Kinder verſchenkte. Im Hungerjahre 1817
brachte ex es dahin, daß täglich zehn bis zwanzig Kinder in einer Suppen-
anſtalt eine Suppe erhielten. „Die Suppe wurde durch eine kunſtvolle
Maſchine von Stahl aus dem Inhalte der Knochen, welche in der Seminax8-
kirche aus dem Ohjenfleiſche abfielen, hergeſtellt und mit Reis unterko und Küchengehilfen waren die Alumnen, keine ungeweihte
Hand durfte fich an der Ausführung dieſes rein geiſtlichen
Unternehmens betheiligen.“ (F. X. Hahn a, a. O.) Wenn man
ſich fragt, wie e8 möglich war, daß Wittmann eine ſolche erſtaunliche Thä-
tigfeit neben der Bajtoration, der Regentie, der Armen - und Kranken-
pflege, der er ſich in ausgedchntem Maße widmete , entfalten konnte, muß
man wiſſen, vaß er nur vier Stunden ſchlief und keinen Augenbli> müßig
ging. Man vergleiche: Mi ſreund von Shmiß und Kellner, 1864. Heft 11.
Wiß (althochdeutſch die wizze, das wizzi, mittelhochdeutſch witze, wize)
iſt eigentlich Wiſſen, Einſicht; dann das freie geiſtige Bewußtſein von
etwas; dann das Vermögen, aus Gründen abzuleiten, zu ſchließen; daher
das Vermögen, mit Geiſtesſchärfe zu finden; dann überhaupt die ge-
wandte erfinderiſche Geiſtesanlage und Geiſtesreic nehmliG: „geſc thätigkeit,“ wie dann auch das durch dieſelbe Hervorgebrachte, das Erzeug:
niß derſelben. Cin Mann von Verſtand iſt darum noch kein Mann von
Geijt, und man kann ein Mann von Geiſt ſein, ohne gerave Wißh zu
beſiten. In Göthe's Proſa tritt der Verſtand hervor, bei Jean Paul
herrſcht der Geiſt, bei Wieland ſpielt der Wiß.
Wohlwollen, ſ. Freundlichkeit, Güte, Liebe.
Wolluſt, |. Geſchlechtstrieh und Keuſchheit. |
Wortſpiel beſteht vorzüglich in der Zuſammenſtellung gleiche oder ähn- |
lich lautender , oder auch derſelben Wörter in verſchiedenen Bedeutungen, |
9 daß hiernac<) das Woriſpiel in wißiger Kürze einen Gegenſtand nach |

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