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668 Zucht in dex Shule,
Chriſten zu ſein, und zwar ſpeciell mit dem Charakter der Confeſſion,
welcher ſie dient. Für dieſen Zwe> muß ſie ihre Zöglinge züchten, und
ihre Geſammtthätigkeit zur Erreichung dieſes Zwe>es macht die lihe Shulzuht aus. Dieſe iſt demnach“ der „Inbegriff von jolchen
Einrichtungen und Einwirkungen, wodurc< ein Lehrer (der von Herzen
an Jeſum Chriſtum glaubt, in der Buße und in der Gnade lebt und
unter der täglichen Zucht des heiligen Geiſtes ſteht) als ein Werkzeug
dieſe3 erziehenden Geiſtes, ſo lebendig und kräftig auf die Kinder einwirkt,
daß die jungen Kinderſeelen mehr und mehr dazu gebracht werden, ſelber
Zöglinge des Geiſtes Jeſu zu werden und ſich von demſelben treiben
laſen, Gottes Wort zu halten, Liebe zu üben und demüthig zu werden
vor Gott.“ So definirt ver Proteſtant Zeller die Shulzucht und wir
mit ihm (Lehren der Erfahrung für 4. Aufl. UU. 3. Baſel 1865.). Nur da alſo, wo man keinen practiſchen
Humanität3zwe> als höchſtes Ziel der Schulbildung im Auge hätte , ſon:
dern nur ein gewiſſes ſcientiviſc&hes Juterejſe verfolgte, könnte man uuter
Sculzucht bloß die zur Gedeihung des Unterrichts überall nothwendige äußere
Ordnung und Polizei verſtehen. Und wirklich erklärt ein Ungenannter
in der Badiſchen Schulzeitung (Jahrg, 1865, Nro. 36.) die hriſi-
liche Schulzucht als das richtige Berhältniß zwiſchen Lehver und
Schüler und ſetzt dieſes richtige Verhältniß darein, daß der Schüler ſich
den Anforderungen des Lehrers mit Ruhe und willigem Gehorjame unter-
wirft und der Lehrthätigkeit gegenüber ſich allezeit in richtiger Faſſung
(Dispoſition) befindet. Das wäre alſo gerade ſo viel, .als ein Corpora
von einem Rekruten fordern kann. Man kann hieraus erjehen, wie tie
gewiſſe Pädagogen geſunken ſind, obſchon ſie auf den Charalter eines
Chriſten nicht verzichten wollen. Ju Anwendung auf niedere und höhere
hriſtlihe Jügendſ dings auch zur Schulzu Seite aus und inſofern ſie nur auf vos Lernen gerichtet iſt, mag man
fie die Schulzucht im engern Sinne oder die ShuldisSciplin nennen,
wie denn allerdings manc diScplin unterſcheiden. . Die höhere Bedentung der Schulzucht liegt aber
;
darin, daß aller Unterricht eine gemeinſc “ jenem Ziele zu hat, auf welches die Zſt der Lehrer nicht bloß Unterrichtsmeiſter , jondern wahrhajt Pädagva, 19 muß er ſowohl ein klares, lebendiges Bewußtſein von dieſem
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. Schulziel, als au< Begeiſterung dafür in ſich tragen und muß überdies
die Geſchilichkeit beſizen , alle Unterricht8gegenſtände dafür auszubeuten,
' Er muß vor Allem ſelber das ſein, was er mit ſeiner Erziehung für die
Schüler erzwet, ein befenntnißtreuer, überzeugungswarmer Chriſti. Als
ſolcher beſißt er allein die Fähigkeit, die volle Bedeutung jeines äußerlich
heſcheivenen, innerlich erhabenen Berufs zu erkennen, die Gewichtigkeit ſei-
ner Pflichten zu fühlen und die immenſe Verantwortlichfeit zu fürchten,
für die er ſich mit dem Eintritt in ſeinen Stand der Geſellſchaft, ver
Kirche wund Demjenigen gegenüber verbindlich gemacht hat, dem die Jin-
derſeelen theurer ſind, als einem Hirten vie Lämmer ſeiner Heerde. Selbii
zu den erzogen, wozu er andere züchten will, wird er ſich allein die Zucht:
Fn
Arbeit angelegen fein laſſen , wird Liebe dazu , Cifer und Gewiſſenhaftig-
keit dabei haben, wird ven jungen Menſchen nicht einſeitig, jondern allſei-
tig in Abſicht auf ſeinen Zwe erfaſſen. So wird die eigene muſterhafte
Perſönlichkeit des Lehrers als erſtes Medium der innern Zucht unmittel:
bar wirken. Will er dieſes nicht nur ſein, jonvern durch eigene Bervoll-
- fommnung noh immer mehr werden, jo muß ihm die engſte Verbindung

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