Verbvecherſchulen. =“ Weiller, Cajetan von, 709
Die übrige Zeit, im Sommer von früh 5 bis 7*/,, im Winter von 5 bis
-7?/1; Uhr Abends kommt auf die Beſchäſtigung ver Geſangenen, Die Kna-
hen, die zu einer längern Freiheitsſtrafe verurtheilt ſind, haben unter der
Leitung zweier eigens aus der Stadt befiellten Meiſter, jowie zweier (Ge-
werbeaufſeher je nach ihrer Tauglichkeit eines der eingeführten Gewerbe,
al3: Buchbinderei, Schreinerei, Schuſterei und Schneiderei zu erlernen. Die
weiblichen Gefangenen betreiben unter der Leitung einer Induſtrielehrevin,
die zugleich) Aufſeherin iſt, das Weißnähen und Stri>en und bejorgen zu-
gleich) die Reparatur der Kleidungsſtüce der Gefangenen. Neben den eigent-
lichen gewerblichen Beſchäftigungen geht das Stri>en, Spinnen und Korb-
flechten nebenher. Dies iſt die Beſchäftigung derer, die nur auf kurze Zeit
verurtheilt ſind. Auch werden immer mehrere von den Gefangenen dieſer
Kategorie zu den verſchiedenen Hausgeſchäften, zur Beſchäftigung in den
beiden Gärten innerhalb des Hofes und in einem größeren „Jugen d-
garten“ außerhalb des Hofes verwendet. Um den Gefangenen die noth-
wendige Bewegung und Erholung im Freien zu verſchaffen, begeben jich
dieſelben täglich eine Stunde in den Garten und haben ſich da durch ge-
meinſc nete Unterhaltung verſtattet iſt, Bewegung zu machen. Außervem wird
dieſe Erholungsſtunde auch mit Bepflanzen der ihnen angewiejenen kleinen Gar-
tenpläßchen und mit Durnen ausgefüllt. Im Sommer geſchieht dies an
Geräthen, im Winter over bei ſchlechter Witterung werden in einem Saale
der Anſtalt Frei- und Maſßſenübungen mit Anwendung von 2-- 2*/, Pſund
ſ Heſt 8.) Aus dieſem Berichte erſehen wir , wie fehr die württembergiſche
Regierung die Grundſäße der Humanität mit denen der Gerechtigkeit zu
verbinden weiß, und wie wünjchenswerih es wäre, wenn überall gleiche
wohlwollende Fürſorge ven jugendlichen Verbrechern zugewendet würden,
die zwar immerhin vor dem Geſeße Verbrecher ſinv, für die jedoch ſehr oſt
große Milderungs8grünve ſpreche! ohne daß ſie ganz ſchuldlos erklärt wer-
den füönnen.
Weiſſer, Cajetan von, wurde zu WMüncen von bürgerlichen Eliern am
22. Auguſt 1762 geboren , ſtud: 2 in München Theologie , wurde Prieſter
und Privailehrer in mehreren adeligen Familien, ſodann Profeſſor der
Philoſophie hei ven Theatinern , 1799 wurde er an das Lyceum in Mün-
hen verſeßt, deſſen Director er 1806 wurde. 1823 wurde ihm wohlverviente
Ruhe zu Theil, ohne daß er zur Unthätigkeit verurtheilt wurde. Er wurde
nämlich zum beſtändigen Secretär der königlichen Akademie der Wiſſenſchaſ-
ten ernannt. Aber ſchon am 23: Juni 1826 wurde er der Akademie dur
den Tod entriſſen. Der Adel wurve ihm mit dem Civil - Verdienſt -Orden
zu Theil. Zweifel3ohne hätte von Weiller ſich eines großen Ruſes zu
erfreuen gehabt, wenn er nicht ein katholiſcher Prieſter und München jein
Wirkungskreis geweſen wäre. Aber aus Nazareth) darf ja nichts Gutes
kommen. Die Stellung von Weiller's gab ihm vielfach Gelegenheit, bei
afademiſchen Feierlichkeiten die Erziehnnasfrage zu behandeln und er be-
nüßte dieſelben auch häufig, um die Schäden aufzude>en , an welchen das
Erziehung8weſen litt. So haben wir namentlich vier Reden von ihm:
Ueber die heutige Mode, Knaben in die Klaſje der Männer
zu verſeßen, 1793; über den Zwe der ECrziehung und die
Fehler in unſerer Erziehung, niehr weiche, als gute Menſchen zu
bilden, 1794; über vie Hauvtigebrehen unterer quten Erziehung,
1817; über vie eigentliche Aufgabe der Erziehung in unſern
Tagen, 1818. Unter ſeinen „Kleinen Schriften,“ vyel

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.