Ferienkolonien. =- Finnland. 111
und die in jedem Jahre nicht nur vielen Tauſenden von Kindern den Lebens-
faden abſchneidet, ſondern auc eine noc< größere Zahl in ihrer körperlichen
und geiſtigen Entwidelung hemmt, häufig auch ſie zu Siechen für ihr ganzes
Leben macht. Für die Skrofuloſe kennt die Medizin aber nur ein Heilmittel:
Sol - oder Salzbäder. Verhältnismäßig wenige Eltern aber nur ſind im
Stande , ihre Kinder in Solbäder aus eigenen Mitteln zu ſchien , wenige
werden auch nur von jenen Vereinen dieſer Kur zugeführt werden können.
Es bliebe dann allerdings noc< das Salzbad in künſtlicher Sole im Hauſe.
Nach dem Medizinalkalender pro 1881 ſind nach ärztlicher Vorſchrift 3--15
Pfund See- oder Kochſalz zu ſolchem Bade zu verwenden. Es wird alſo
dur<ſhnittlich mit den Nebenkoſten ſich ein ſolches Bad wohl nahe an 1 Mark,
ein 4--6 wödiger Cyklu8 alſo fih auf 30--40 Mark ſtellen. Mit Bezug auf
Ernſt Herzbergs Scrift: Deutſchlands Reichtum in ſeinen Kaliſalzen
rät nun die Germania, Kaliſalzabfälle im Großen zu kaufen und dieſelben an die
Bedürftigen in kleinen Quantitäten zu verteilen. =- Eine andere Frage, die aber bei
den Ferienkolonien nicht unberüdfichtigt bleiben darf, iſt: wie wird während der
Zeit des Landaufenthaltes das religidje Element gefördert ? Dies iſt nur möglich,
Aufenthalte ſolche Orte gewählt werden , in denen die Kinder wenigſtens wenn um
den ſonntägigen Gottesdienſt beſuchen können und wenn ſie von Lehrern ihrer
Konfeſſion begleitet werden, denn bei der religiöſen Erziehung handelt es ſich
niht um das „womöglich“, ſondern die religiöſe Pflicht iſt die erſte Pflicht,
die gewiſſenhaft und treu erfüllt werden muß. Es darf nicht vorkommen , wie
es vorgekommen iſt, daß katholiſche Kinder in proteſtantiſjhen Gottesdienſt ge-
führt werden. Deshalb ſchreiben die „Chriſtlich-ſocialen Blätter" mit Recht:
„Ferienkolonien ſol ſie ſchädigen aber das religiöſe Gefühl des Kindes , erfüllen ſeine Seele mit
Zweifeln und überantworten es mehr oder weniger der religiöfen Gleichgültig-
keit. Oder ſoll ein katholiſches Kind, welches ſich ſeiner religiöſen Pflihten
durc< den Hauſes bewußt iſt, darüber ruhig ſein, wenn es am Sonntag keinen oder nur
einen proteſiantiſc ſpeiſen genießen kann? Sollen deshalb die Ferienkolonien wirklih und nach
allen Seiten hin einen guten Einfluß auf die Kinder ausüben, ſo müſſen wir
verlangen, daß die einzelnen Kolonien fireng konfeſſionell eingerichtet werden,
jo daß das Familienleben, welches do<ß ein konfeſſionelles iſt, gauz und voll
beibehalten werden kann. (Es muß deshalb rühmend hervorgehoben werden,
daß die Ferienkolonien in Köln in dieſer Weiſe eingerichtet waren. Während
man dagegen in Frankfurt für die israelitiſchen Kinder eine beſondere Kolonie
für angezeigt fand, erfreuten fich die merkſamteit, jondern die einzelnen Kolonien wurden durchaus gemiſcht zufſammen-
geſezt, und wie in öffentlichen Blättern zu leſen war, meiſtens in proteſtauti-
ichen Orten einquartiert. Im. Jahre 1879 ſollen die katholiſchen Kinder einer
Kolonie 3 Stunden von der nächſten katholiſchen Kir am Beſuche des Gottesdienſtes gehindert geweſen ſein.“ (Chriſtlich ſociale Bl.
1881. S. 372.) Damit nun auch hier mit der leiblihen Fürſorge die geiſt=
liche verbunden werde, iſt es durc eifrig ſi< an dieſem Liebe3werke beteiligen , denn eine Abneigung dagegen aus
dem Gründe, weil das religiöſe Element nicht gebührend gepflegt werde, würde
gerade das befördern, was zu verhüten man bemüht ſein muß.
Finnland. Das Großfürſtentum Finnland, ſeit 1809 Rußland an-
gehörig, hat auf einer Fläche von 373,500 qkm == 6784 Q.-M. 1,990,000 Ein-
wohner, von denen ungefähr 280,000 Schweden ſind, welche hauptſächlich in

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